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SCHWINGEN: «Mein Ehrgeiz wird noch grösser»

Sonia Kälin (31) wurde am Wochenende zur neuen Schwingerkönigin gekrönt. Obwohl sie das Eidgenössische in Siebnen nicht gewinnen konnte, dominiert sie zurzeit fast nach Belieben.
Roger Amberg und Martin Müller
Sonia Kälin schwingt in der Jahreswertung wiederum obenaus. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Sonia Kälin schwingt in der Jahreswertung wiederum obenaus. (Bild: Urs Flüeler / Keystone)

Die Enttäuschung von Sonia Kälin über Platz 7 am vergangenen Samstag war riesig. Ausgerechnet am Eidgenössischen musste sich die Dominatorin der Frauenschwingszene geschlagen geben. Trotzdem kam das Lächeln bei der 31-jährigen Schwyzerin bald wieder zurück. Denn trotz unbefriedigendem Ausgang beim letzten Schwingfest der Saison durfte sich Kälin als Königin feiern lassen, da bei den Frauen jedes Jahr die beste Schwingerin des Jahres ausgezeichnet wird und Kälin zuvor vier von fünf Wettkämpfen gewinnen konnte. Nun spricht die Sekundarlehrerin aus Egg über ihre Enttäuschung vom Samstag, den Frauenschwingsport und warum ihr das Ringtraining für den Schwingsport hilft.

Sonia Kälin, am vergangenen Samstag mussten Sie mit Rang 7 eine bittere Niederlage einstecken. Was ziehen Sie für ein Fazit?

Kälin: Es war ein Heimfest, und ich wollte den Leuten zeigen, was ich kann. Jetzt ist es leider ein bisschen anders rausgekommen, aber schliesslich war das Fest trotzdem toll. Es ist wunderschön, dass all diese Zuschauer gekommen sind, uns Respekt erwiesen und uns unterstützten.

Werden Sie mit Ihrer Routine vor solchen Wettkämpfen überhaupt noch nervös?

Ja, zum Teil sogar extrem. Da bin ich froh um meinen neuen Coach, den ehemaligen Spitzenringer und -schwinger Urs Bürgler. Er findet immer die richtigen Worte, um mich ideal auf den nächsten Kampf vorzubereiten.

2012, 2015 und 2016 wurden Sie Königin. Was machen Sie besser als Ihre Konkurrentinnen?

Ich glaube, dass ich mehr und professioneller trainiere als die anderen. Mir liegt unglaublich viel an diesem Sport. Dafür verzichte ich auch auf viel. Wenn meine Kolleginnen ins Kino gehen, sage ich oft ab, weil ich am nächsten Tag trainieren muss. Oder sie gehen ohne mich in den Ausgang, weil ich dafür zu müde bin. Aufs Skifahren verzichte ich komplett, weil mir die Verletzungsgefahr zu gross ist. Gleiches gilt fürs Wakeboarden, das mich extrem reizen würde.

Sie trainieren fünf- bis sechsmal pro Woche. Woher kommt der Wille, diesen

Aufwand zu betreiben?

(überlegt) Der muss mir vererbt worden sein. Mein Vater hat geschwungen, die Brüder meiner Mutter haben geschwungen. Und mein Ehrgeiz wird immer noch grösser: Als ich mit Schwingen begann, wollte ich einen Gang gewinnen, danach mehrere Gänge und dann den Kranz. Hat man dieses Ziel einmal erreicht, möchte man in den Schlussgang und dann ein Fest gewinnen. Das nächste Ziel ist der Königstitel – um diesen dann immer wieder zu verteidigen.

Ist dieser grosse Wille auch der Grund, warum Sie einen Einzel- und keinen Teamsport betreiben?

Ich gebe immer 100 Prozent im Sport – und wenn dann jemand nur 90 Prozent gibt, dann habe ich irgendwann ein Problem mit dieser Person. Zudem muss beim Schwingen niemand darunter leiden, wenn ich einmal einen Fehler gemacht habe. Umgekehrt kann ich die Schuld auch nie abschieben. Ich bin immer selber für meine Resultate verantwortlich.

Was würden Sie den jungen schwingbegeisterten Mädchen sagen, wenn man Sie fragen würde, was es braucht, damit man so gut wie Sie werden kann?

Nehmt den Flow und die Motivation von diesem tollen Eidgenössischen Schwingfest mit. Schwingt mit Herz und mit Freude und gebt alles, dann wird es irgendwann aufgehen.

Haben Sie sich beim Schwingen auch schon einmal mit Männern gemessen?

Solche Herausforderungen gibt es immer wieder. Ich erinnere mich an einen 100 Kilo schweren Gemeindepräsidenten, der glaubte, mich besiegen zu können. Der Kampf dauerte keine zehn Sekunden. Aber sobald ein Mann Vorkenntnisse aus dem Ringen oder Schwingen mitbringt, dann wird es schwierig für mich – ganz einfach, weil Männer viel mehr Kraft haben.

Nervt es, dass Sie immer mit den Männern verglichen werden?

Es nervt, wenn ich mich dafür rechtfertigen muss, dass ich als Frau schwinge. Bei den Ringern (Kälin ist auch erfolgreiches Mitglied der Ringerriege Einsiedeln, Red.) war das nie ein Thema. Aber wenn es um Frauenschwingen geht, rümpfen immer noch viele die Nase. Das ärgert mich.

Was macht für Sie das Frauenschwingen aus?

Grundsätzlich ist es wie bei den Männern von A bis Z ein super Anlass. Schwingen ist für mich ein Sport, in dem sich in einem Zweikampf alles entscheidet, und das bringt extrem viel Motivation mit sich. Es steckt viel Herzblut dahinter, und darum wäre es mir am vergangenen Samstag enorm wichtig gewesen, vorne mitzuschwingen.

Neben dem Schwingen verbringen sie auch viele Stunden im Ringtraining. Was bringt das Ringtraining im Hinblick auf das Schwingen?

Das Ringtraining bringt mir sehr viel, sowohl im konditionellen Bereich als auch in der Beweglichkeit und Schnelligkeit. Allerdings konnte ich dieses Jahr wegen einer schweren Verletzung eines Gelenkes im Frühling leider nur sehr wenig Mattentraining absolvieren.

Obwohl Sie eine Randsportart betreiben, werben Sie unter anderem für namhafte Sponsoren wie den Käsehersteller Emmentaler, die Mobiliar-Versicherung oder Opel. Wie kam es dazu?

Ich hatte vielleicht ein wenig Glück mit dem Moment, als ich meinen ersten Titel gewann. Damals konnte ich die fünffache Königin Brigitte Kunz ablösen, die ein ganz anderes Erscheinungsbild hatte. Zudem getraute ich mich auch, vor einer Kamera oder gegenüber den Journalisten etwas zu sagen, und ich hatte auch die Frechheit, potenzielle Sponsoren direkt anzufragen, ob sie mich unterstützen würden.

Wie steinig war dieser Weg?

Er war sehr steinig. Aber ich lernte, um die Steine herumzugehen, die mir im Weg standen. Ich habe meine Vision, und für diese gebe ich alles. Darum setze ich mich auch aktiv für den Nachwuchs ein und gebe seit zwei Jahren im Schwingklub Einsiedeln als Trainerin mein Wissen an die Mädchen weiter.

Roger Amberg und Martin Müllerregionalsport@luzernerzeitung.ch

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