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SCHWINGEN: Nöldi Forrer: «Ich muss nichts beweisen»

Nöldi Forrer (37) kommt ans Innerschweizer Verbandsfest als Gast. Der König von 2001 verrät, wo er seine Gaben verstaut, und erklärt, warum ihn am letzten Sonntag die Einteilung nervte.
Interview Claudio Zanini
Nöldi Forrer setzte sich am 16. Mai den 137. von insgesamt 140 Kränzen auf. «Eigentlich ist alles Bonus, was noch kommt», sagt der alleinige Rekordhalter. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Nöldi Forrer setzte sich am 16. Mai den 137. von insgesamt 140 Kränzen auf. «Eigentlich ist alles Bonus, was noch kommt», sagt der alleinige Rekordhalter. (Bild: Keystone / Gian Ehrenzeller)

Interview Claudio Zanini

Nöldi Forrer, Sie sind mit 140 Kränzen mittlerweile alleiniger Rekordhalter. Wo versorgen Sie all dieses Eichenlaub eigentlich?

Nöldi Forrer: Die sind fast alle in meinem Kranzkasten. Ziemlich ineinander gepresst. Der Kasten ist etwa 1 Meter breit und vielleicht 1,20 Meter hoch.

Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, wie viele noch dazukommen sollen?

Forrer: 150 wäre eine magische Zahl. Aber eigentlich ist alles Bonus, was kommt. Ich muss ja niemandem mehr etwas beweisen.

Sie wohnen wohl in einem riesigen Haus, dass Sie die ganzen Gaben verstauen können.

Forrer: Das müssen Sie sich nicht so vorstellen. Man nimmt nicht immer einen Holztrog oder eine Glocke nach Hause. Wenn man Feste gewinnt, bekommt man einen Lebendpreis und nimmt meist das Bargeld. Zudem gibt es viel vergängliches Material – wie Digitalkameras oder Laptops. Aber ich habe trotzdem in jedem Zimmer meines Hauses etwas vom Schwingen. Etwa die Truhe unter dem Fernseher oder der Fernseher selbst.

Am vergangenen Sonntag am Nordostschweizer Teilverbandsfest hatten Sie nach fünf Gängen gleich viele Punkte wie Samuel Giger, wurden aber nicht in den Schlussgang eingeteilt. Waren Sie tatsächlich so enerviert, wie zu lesen war?

Forrer: Natürlich wollte ich in den Schlussgang. Zumal das Nordostschweizerische in Wattwil mein Heimfest war. Aber so böse war ich dann auch wieder nicht, wie zuweilen geschrieben wurde.

Als erfahrener Schwinger müssten Sie doch am besten wissen, dass die Einteilung immer zu diskutieren geben wird, gar muss.

Forrer: Aber das heisst nicht, dass man sich einfach damit zufrieden geben muss. Bei mir war die Spannung jedenfalls nach dem fünften Gang weg.

Im Schlussgang traf Giger dann auf Armon Orlik. Was sagen Sie zu den beiden Talenten Ihres Teilverbands?

Forrer: Zwei sehr starke Schwinger. Wir Nordostschweizer sind halt in der Spitze nicht so breit wie beispielsweise die Innerschweizer. Aber das kommt schon gut am Eidgenössischen.

Sie wurden 2001 mit 22 Schwingerkönig. Wird es in diesem Jahr wieder ein Junger?

Forrer: Es wird ein 37-Jähriger (lacht).

Das ist doch mal eine Ansage.

Forrer: Nein, es wäre natürlich vermessen, wenn ich mich als Favoriten ausrufen würde. Ich strebe meinen siebenten Kranz an. Von den Jungen schwang bis jetzt noch keiner obenaus. Auch Orlik nicht. Klar: Er hat in dieser Saison schon vier Kranzfeste gewonnen. Aber am Schwarzsee-Schwinget verpasste er den Kranz. Das ist mir noch nie passiert.

Was wird auf den künftigen König alles zukommen?

Forrer: Unheimliche Medienpräsenz. Und natürlich Sponsorenanfragen. Da rate ich einem Jungen, nichts zu überhasten und zuerst mal alles sacken zu lassen.

Warum reden die Spitzenschwinger eigentlich so ungern darüber, wie viel sie verdienen?

Forrer: Gegenfrage: Welche Schweizer reden gerne darüber, wie viel sie verdienen?

Diese Antwort habe ich in etwa erwartet.

Forrer: Es sind jedenfalls nicht solch riesige Mengen, wie man meint. Ich habe nach dem Königstitel in fünf Jahren nicht so viel verdient wie heute ein König in einem Jahr.

In diesem Jahr bietet die Arena am Eidgenössischen wieder Platz für gut 52 000 Zuschauer. Sollte das Fest wieder kleiner werden?

Forrer: Die Arena ist ja nicht das Problem. Das ganze Drumherum ist halt immens. Da braucht es so viel Platz, dass es pro Teilverband nur noch eine Handvoll Orte gibt, die ein Eidgenössisches überhaupt noch veranstalten können. Für mich war Burgdorf 2013 das schlechteste Eidgenössische, das ich erlebt habe. Da mussten wir mit dem Bus eine halbe Stunde vom Gelände zur Unterkunft fahren. Der Bus fuhr bereits um 18 Uhr – ich hatte nicht einmal Zeit, um mit Kollegen oder Fans etwas zu trinken.

Wie schätzen Sie die Ausgangslage am Innerschweizerischen am Sonntag ein?

Forrer: Total offen. Als ich das letzte Mal 2011 in Küssnacht dabei war, stand ich im Schlussgang. Es kann wieder so rauskommen. Aber ich kann genauso gut auch um den Kranz zittern.

Im letzten Jahr ist es Kilian Wenger so ergangen. Als Favorit gehandelt, verpasste er am Ende den Kranz.

Forrer: Tatsächlich? Ja, dann hoffen wir mal, dass es mir nicht so ergeht. Aber die offene Ausgangslage ist doch genau das Spannende an den Schwingfesten.

TV-Hinweis

Tele 1 überträgt am Sonntag ab 7.00 Uhr das Innerschweizerische live aus Einsiedeln. Mit dabei als Experten: die ehemaligen Schwinger Ueli Banz und Adi Laimbacher.

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