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SCHWINGEN: Philipp Laimbacher ist der «Trumpf-Buur»

Er war lange verletzt, sieht dies aber als Vorteil: Der Schwyzer Philipp Laimbacher (30) zählt in Burgdorf zum erweiterten Favoritenkreis.
Jonas von Flüe
Philipp Laimbacher: «Wenn man so lange verletzt war, hat man nur ein Ziel: gesund antreten und das Fest geniessen.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Philipp Laimbacher: «Wenn man so lange verletzt war, hat man nur ein Ziel: gesund antreten und das Fest geniessen.» (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Er ist zurück. Im ersten Zug bezwingt Philipp Laimbacher seinen Schwyzer Teamkollegen Christian Schuler und lässt sich als strahlender Sieger feiern. Fünf eidgenössische Kranzschwinger besiegt er an diesem Tag. Die Zuschauer jubeln ihm zu, er kann sich vor den vielen Gratulanten fast nicht mehr retten. Die Gewissheit, dass die Innerschweizer wieder ein Ass im Ärmel in ihren Reihen haben, löst an diesem Tag Zufriedenheit aus. Mit einem guten Gefühl verlassen die Zuschauer den Stoos. Kann Laimbacher gar um den Schwingerkönigstitel mitschwingen, fragen sich viele. Das war am 9. Juni. Seither ist jedoch eine Menge passiert.

Ohne Druck nach Burgdorf

Philipp Laimbacher ist sich das Leiden ja gewöhnt, 20 Monate konnte er wegen eines Abrisses des linken Kniescheibenbands nicht schwingen. Doch als er sich am Innerschweizerischen Mitte Juli wiederum schwer verletzte – diesmal an der Schulter –, kam er ins Zweifeln. «Mittlerweile spüre ich, wenn ich mich ernsthaft verletze. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt ist. Die Schmerzen waren enorm.» Die Unsicherheit war gross, ob der 30-Jährige rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt in Burgdorf wieder fit sein würde.

Nach vier Wochen Pause versuchte sich Laimbacher behutsam und erfolgreich wieder im Sägemehl. Nun, kurz vor dem Wettkampf, gibt er Entwarnung: «Die Kraft fehlt mir zwar noch ein bisschen, aber ich habe ein gutes Gefühl.» Mehr noch: Laimbacher sieht gar einen Vorteil in seiner erneuten Verletzung, will das Positive aus dieser schwierigen Zeit herausheben. Er sei richtig heiss auf den Wettkampf und könne das Eidgenössische ohne grossen Druck in Angriff nehmen. «Wenn man so lange verletzt war, hat man nur ein Ziel: gesund antreten und das Fest geniessen», sagt der Sennenschwinger. Doch «Pippo» zählt trotz seiner erneuten Verletzung zum erweiterten Favoritenkreis auf den Königstitel. Keine Zeitung hat seinen Namen bei der Auflistung der Königsanwärter vergessen, kein Experte verzichtet darauf hinzuweisen, dass man mit den Innerschweizer Schwingern, allen voran Philipp Laimbacher, rechnen muss. «Ist er fit, muss man ihn sicher zu den Favoriten zählen», meint etwa Jörg Abderhalden, dreifacher Schwingerkönig. Laimbacher will davon wenig wissen, die Favoritenrolle liege bei den Berner Schwingern. «Doch wir Innerschweizer haben ein starkes Mittelfeld, auf das ich angewiesen bin, wenn ich einen Spitzenplatz erreichen will», sagt Laimbacher.

Ivo rückt für Ueli Banz nach

Zusammen mit seinen Brüdern Adi und Ivo, der den verletzten Ueli Banz als 85. Innerschweizer Teilnehmer ersetzt, wird Philipp Laimbacher während des Schwingfests eine private Unterkunft beziehen, nur 15 Gehminuten vom Festgelände entfernt. «So sind wir schnell in der Arena, aber haben zugleich unsere Ruhe», erklärt Philipp. Das Trio profitiert gegenseitig voneinander, kann sich während des Wettkampfs, im Training und in der Freizeit untereinander austauschen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil. «Adi hat einen grossen Anteil an meinem Erfolg», sagt Philipp, und der zwei Jahre ältere Adi meint: «Von Pippos Lockerheit konnte ich mir eine Scheibe abschneiden. Ich bin froh, ist er zurück.»

2004 in Luzern wurde Philipp Laimbacher Zweiter, drei Jahre später in Aarau Dritter, folgt in diesem Jahr die Krönung?

Die weiteren Trümpfe aus Innerschweizer Sicht

Christian Schuler (25)
Das Nell Der Rothenthurmer hat viel von seinem Firmgötti Martin Grab gelernt und wird in Burgdorf endgültig aus dessen Schatten treten. Schwingerkönig wird er nicht, aber ein Spitzenplatz liegt für den Schlussgangteilnehmer des Unspunnen-Schwingets 2011 drin. Unser Nell kann manchen «Bösen» schlagen.

Adi Laimbacher (32)
Das Ass Der Schwyzer hat bereits vier eidgenössische Kränze und ist in dieser Saison im Vergleich zum Vorjahr verletzungsfrei geblieben. Er hat in der Vorbereitung nichts dem Zufall überlassen und sich zuletzt zurückgezogen. Er kann für seinen Bruder Philipp sehr wichtig werden – das Ass im Ärmel.

Benji von Ah (26)
Der König Der Giswiler ist mit einem Sieg am Urner Kantonalen aus seiner Verletzungspause (Knie) zurückgekehrt und hat in diesem Jahr sechs Kränze gewonnen. Auf dem Brünig wirkte er ausgelaugt und blieb ohne Kranz. Aber von Ah ist für den Saisonhöhepunkt bereit und nach wie vor gefürchtet wie der Trumpf-König.

Martin Koch (29)
Der Ober Auf dem Brünig klassierte sich der Schlierbacher im 2. Rang hinter Matthias Sempach. Am Innerschweizer und Südwestschweizer stand er im Schlussgang. Er schwingt eine starke Saison, in Burgdorf ist ihm ein Coup zuzutrauen. Unser Trumpf-Ober ist als Luzerner Leader ein wichtiger Bestandteil der Innerschweizer.

Martin Grab (34)
Das Banner Das Knie des 112-fachen Kranzschwingers aus Rothenthurm ist sehr verletzungsanfällig. Deshalb verläuft seine Saison durchzogen, einzig auf dem Stoos gewann er einen Kranz. Mit seiner Technik ist er aber unberechenbar – genau wie das Banner. Ein starker Grab kann viel punkten, ein schwacher viel verlieren.

Marcel Mathis (25)
Die Acht Der Konterschwinger aus Büren steht noch ohne eidgenössischen Kranz da. Das soll sich ändern. Die Schwingerkönige Kilian Wenger und Nöldi Forrer hatten gegen ihn aber bereits das Nachsehen. Gut möglich, dass es auch in Burgdorf einen Favoriten erwischt. Die Trumpf-Acht hat schon manches Ass geschlagen.

Andreas Ulrich (27)
Die Sieben Der Gersauer hat schon etlichen Spitzenschwingern eine Niederlage zugefügt: Matthias Sempach, Kilian Wenger oder Daniel Bösch können ein Lied von der gefährlichen Trumpf-Sieben singen. Ein solcher Exploit ist ihm auch in Burgdorf zuzutrauen. Zumal er auf dem Brünig gezeigt hat, dass er seine Fingerverletzung weggesteckt hat.

Andi Imhof (28)
Die Sechs Wenn ein Grossanlass bevorsteht, befindet sich der Turnerschwinger aus Bürglen immer in Topform. Am Eidgenössischen 2010 war der Urner als Dritter der beste Innerschweizer, am Unspunnen-Schwinget 2011 wurde er gar Zweiter. Dazu kommen drei eidgenössische Turnfest-Siege. Definitiv ein Trumpf.

Die Hoffnungen ruhen auf Franz Föhn

Zuger Einst war der kleine Zuger Verband mit Harry Knüsel, dem Schwingerkönig von 1986, und dem Unspunnen-Sieger von 1981, Leo Betschart, eine Macht. An den beiden letzten Eidgenössischen in Aarau und Frauenfeld gingen die Zuger jedoch leer aus. Jetzt haben sie mit dem für den Schwingklub Ägerital antretenden Franz Föhn wieder einen Trumpf.

Der im schwyzerischen Rothenthurm wohnhafte Sennenschwinger Föhn zeigte in den beiden letzten Jahren eine konstante Leistung. In dieser Saison gewann der Gefängnismitarbeiter sechs Kränze, darunter auch die beiden hochkarätigen auf dem Stoos (3.) und auf dem Weissenstein (5.). Föhn brillierte am Innerschweizer Schwingfest. Mit einem Gestellten im fünften Durchgang eliminierte er Schwingerkönig Kilian Wenger für den Schlussgang. Der 32-jährige Routinier verlor in dieser Saison nur vier seiner 72 Kämpfe. Für Franz Föhn könnte die Rechnung im dritten Anlauf beim Eidgenössischen nun aufgehen.

Nach Rückenbeschwerden bei den ersten Kranzfesten kommt auch Bruno Müller (Unterägeri) immer besser in die Gänge. Nach dem Gewinn des Innerschweizer Kranzes siegte der Oldie auf dem Zugerberg und stellte den Schlussgang auf der Klewenalp gegen Martin Grab. Den ersten eidgenössischen Kranz gewann Müller 2004 in Luzern. Inzwischen ist der 63-fache Kranzgewinner bereits 35-jährig, und das ist auch sein Handicap. Der Zuger TK-Chef Edwin Betschart rechnet mit einem Kranz für seinen Verband.

Simon Gerber

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