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SCHWINGEN: Romands entdecken die «Bösen»

In der Westschweiz galt Schwingen bisher als sympathische Deutschschweizer Marotte. Am Wochenende könnte sich das ändern.
Christophe Büchi
Vorbereitungen in der Arena in Payerne. Das Eidgenössische Schwingfest stösst im Vorfeld auch in der Romandie auf grosses Interesse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Vorbereitungen in der Arena in Payerne. Das Eidgenössische Schwingfest stösst im Vorfeld auch in der Romandie auf grosses Interesse. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Christophe Büchi

Zwar wird das Schwingen manchmal als Schweizer Nationalsport bezeichnet, doch bisher war es vor allem eine Deutschschweizer Disziplin. Die «lutte suisse» – oder wie der Sport in der Romandie meist genannt wird: die «lutte à la culotte», Hosenlupf – ist in der Westschweiz bisher nie richtig populär geworden, wenn man vom Kanton Freiburg absieht, wo Schwingen aber vor allem im deutschsprachigen Sensebezirk gepflegt wird. Zwar gibt es in allen welschen Kantonen Schwingvereine (der Kanton Genf zählt genau 1 Klub), aber meist fristen sie ein diskretes Dasein und rekrutieren oft im Milieu der «Heimweh-Deutschschweizer».

Nur 334 aktive Schwinger

Wie Blaise Decrauzat, einziger Romand im Zentralvorstand des eidgenössischen Schwingerverbands, mitteilt, zählte 2016 die Westschweiz (Deutschfreiburg miteingezählt) 334 aktive Schwinger. Dies entspricht etwa einem Zehntel des Schweizer Bestands, liegt also klar unter dem Anteil der Romands an der Landesbevölkerung (rund 20 Prozent). Während die grossen Schwingerkönige in der Deutschschweiz Prominentenstatus haben, sind sie in der Westschweiz kaum bekannt. Schwingen zählt für die meisten Romands zu den typischen, leicht exotischen und sympathischen Marotten der Suisses alémaniques, ihrer alemannischen Landsleute.



Viel Medienaufmerksamkeit

Dies könnte sich nun aber ändern; jedenfalls stehen die Chancen für eine Wende besser denn je. Denn das eidgenössische Schwingfest, das am kommenden Wochenende im freiburgischen Estavayer-le-Lac sowie im benachbarten waadtländischen Payerne stattfindet, scheint im Vorfeld auch in der Romandie auf grosses Interesse zu stossen. Jedenfalls haben die welschen Medien bereits begonnen, gross über das kommende Grossereignis zu berichten. Der «Matin-Dimanche», die einzige Sonntagszeitung der Romandie, aber auch Regionalzeitungen wie «24heures» und sogar die leicht elitär angehauchte Tageszeitung «Le Temps» haben bereits viele Seiten dem Event gewidmet. Bei Radio und Fernsehen bereiten sich die Journalisten ebenfalls auf ein grosses Wochenende vor und büffeln fleissig Schwinger-Latein.

Schwingerbegriffe auf Französisch

Das Problem für die welschen Kollegen besteht allerdings darin, dass viele Begriffe aus der Schwingerwelt nicht französisch vorhanden sind. Aber verdienterweise hat der Schwingerverband pünktlich auf Estavayer unter dem hübschen Titel «Schwingerpedia» ein Vokabular ausgearbeitet, in dem die wichtigsten Ausdrücke auf Französisch übersetzt und erläutert werden.

Dort erfährt man beispielsweise, dass ein nationaler Schwingerkönig ein «Eidgenosse» oder ein «Fédéral» ist – oder dass die besten Schwinger als «Böse» oder auf Französisch als «Méchants» bezeichnet werden. Auf eine Übersetzung von Ausdrücken wie Anschwingen, Ausschwingen und Ausstich wird aber tunlichst verzichtet.

Die Vorbereitungsarbeiten für das grosse Fest in Estavayer laufen also auf Hochtouren, und im eidgenössischen Schwingerverband wie auch in der Region wird alles getan, damit es zu einem Erfolg wird. Der Obmann des eidgenössischen Verbands, der Luzerner Paul Vogel, spürt jedenfalls viel Sympathie und Kooperationswillen in der Gegend. Natürlich bedeute es eine zusätzliche Anstrengung, um einen solches Fest in der welschen Schweiz zu organisieren, aber es sei auch eine grosse Chance. «Jetzt muss nur noch das Wetter mitmachen», so Vogel.

Eine einmalige Chance

Eines ist sicher: Das Fest in Estavayer-le-Lac stellt eine einmalige Chance dar, um dem Schwingsport in der Romandie zu einem neuen Elan zu verhelfen. Die Rahmenbedingungen sind günstig, weil die allgemeine Stimmungslage einer Rückbesinnung auf nationale Traditionen zuträglich ist. Auch in der Romandie hat der Fortschrittsglauben und der Glauben an grosse internationale Projekte wie die europäische Einigung in den vergangenen Jahren gelitten. Internationalismus ist out, der Rückzug auf nationale Werte ist wieder im Trend. Furcht vor Immigrationsdruck, ja sogar die Angst vor Terrorismus und Islamismus tragen dazu bei, den «Börsenwert» der nationalen Traditionen wieder steigen zu lassen.

Stars und Persönlichkeiten gefragt

Allerdings braucht es für einen dauerhaften Aufschwung mehr als ein grosses Event. Damit eine Sportart auch mittelfristig in einer Region populär wird, benötigt man Stars und charismatische Persönlichkeiten. Dies zeigte sich auch nach dem letzten eidgenössischen Schwingfest in der Romandie, das 2001 in Nyon stattfand: Es brachte zwar kurzfristige Aufmerksamkeit, diese flachte aber danach wieder ab.

Schwinger-Obmann Vogel bringt es deshalb auf den Punkt: «Das beste Mittel, damit das Schwingen in der Romandie populär wird, wäre ein welscher Schwingerkönig.» Aber ob die Romands hierfür böse genug sind, ist eine andere Frage.

Auf Andi Imhof ruhen die Urner Hoffnungen. (Bild Roger Grütter)

Auf Andi Imhof ruhen die Urner Hoffnungen. (Bild Roger Grütter)

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