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SCHWINGEN: Rücktritt von Alexander Vonlaufen: Vernunft beendet die Kranzjagd

Alexander Vonlaufen kämpfte während seiner Karriere mit vielen Verletzungen. Jetzt gab er den Rücktritt. Doch am Sonntag am Ob-/Nidwaldner Kantonalen wird er trotzdem mittendrin sein.
Claudio Zanini
Im Jahr 2012 wurde der Beckenrieder Alexander Vonlaufen Co-Sieger am Ob-/Nidwaldner Kantonalen in Giswil. Im sechsten Gang bezwang er Thomas Ettlin (in Weiss). (Bild: Philipp Schmidli (Giswil, 13. Mai 2012))

Im Jahr 2012 wurde der Beckenrieder Alexander Vonlaufen Co-Sieger am Ob-/Nidwaldner Kantonalen in Giswil. Im sechsten Gang bezwang er Thomas Ettlin (in Weiss). (Bild: Philipp Schmidli (Giswil, 13. Mai 2012))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Die Episode liegt 20 Jahre zurück. Es war an einem frühen Morgen im Juli, als Alexander Vonlaufen mit seinen Kameraden an den Jungschwingertag auf der Grossen Scheidegg chauffiert wurde. Das Grüppchen aus Nidwalden fuhr über den Brünig, am Tag, an dem der Bergklassiker stattfand. Die Buben schauten ehrfürchtig aus dem Fahrzeug, sahen den einen oder anderen berühmten Schwinger vorbeigehen. Natürlich staunten sie. Doch als sie ihre Vorbilder auf dem Nachhauseweg an der gleichen Stelle mit Kränzen auf den Köpfen sahen, war es um sie geschehen. «Von da an wollte ich das unbedingt auch erleben», sagt Alexander Vonlaufen, 30-jähriger Schwinger aus Beckenried.

Er musste sich zwar ein wenig gedulden, aber 2013 war es so weit. Vonlaufen gewann das ersehnte Brünig-Eichenlaub souverän. Mit einem grundsätzlich makellosen Notenblatt. Einzig zwei Niederlagen waren darauf notiert. Gegen Matthias Sempach, der einen Monat später König wurde, und gegen Christian Schuler. Verkraftbare Niederlagen, weil sie gegen solche Namen vorkommen dürfen.

Zehn Eingriffe in acht Jahren

Jetzt ist die Kranzjagd beendet. Vonlaufen hat kurz vor dieser Saison entschieden, dass er zurücktritt. Der körperliche Verschleiss war nicht mehr vertretbar, vor allem das Knie, die Hüfte und die Schulter haben gelitten. Er wurde zehnmal in acht Jahren operiert, schmerzfreie Tage wurden immer rarer. Nach Schwingfesten litt er besonders, konnte kaum mehr Treppen steigen. Den Zeitpunkt für den Schlussstrich diktierte sein Körper, das Timing ist aber nicht allzu schlecht. Denn es kommt eine massgebende Veränderung auf ihn und seine Frau Sabine zu. Sie werden erstmals Eltern, Sabine befindet sich in der letzten Woche ihrer Schwangerschaft, die Tage dürften künftig intensiver werden.

Im Alltag hat sich seit dem Rücktritt bisher nicht viel verändert. Schwingfeste besucht Vonlaufen nach wie vor. Jetzt einfach in seiner Funktion als Technischer Leiter der Schwingersektion Beckenried. Er coacht die anderen, versucht, seine Erfahrungen weiterzugeben. Mit seiner Ausbeute als Aktiver scheint er im Reinen zu sein. Höhepunkte gab es. 2013, besagte Saison mit dem Brünig-Kranz, war im Allgemeinen stark. Und fast hätte es dort auch mit dem Eidgenössischen Kranz geklappt. Nur ein Viertelpunkt fehlte in Burgdorf. «Der Eidgenössische Kranz war immer mein Ziel. Und auch mein Antrieb, um nach meinen Verletzungen wieder weiterzumachen.» Doch er musste einsehen, dass sich dieser Traum immer weiter von der Realität entfernte. Denn der Grossanlass zieht sich über zwei Tage hin, acht Gänge auf hohem Niveau wären vonnöten. «Wenn ich daran denke, dass ich nach vier Gängen weitere vier bestreiten müsste ...», Vonlaufen schüttelt den Kopf. Dann lächelt er und sagt: «Wenn das Eidgenössische nur einen Tag ginge, hätte ich vielleicht noch eine Chance.»

Beim nächsten Mal Turnzeugs mitnehmen

Andere Ziele hat er hingegen erreicht. So gewann er dreimal ein Kranzfest. Zweimal am Ob- und Nidwaldner Kantonalen (2009 und 2012), einmal davon gar im heimischen Beckenried. Und einmal siegte er als Gast am Basellandschaftlichen Kantonalen – das war sein letzter Kranzfestsieg, vor vier Jahren in Muttenz. Hinzu kommen vier Teilverbandskränze und vielleicht noch wichtiger: die drei Bergkränze. Auf Brünig, Rigi und Schwarzsee. Es ist eine schöne Sammlung für einen, der ursprünglich gar nicht schwingen wollte. Als Kind sei er mit einem Kollegen immer nur als Zuschauer in den Schwingkeller gegangen. Bis der Trainer den Jungs sagte, sie sollen doch beim nächsten Mal auch ihr Turnzeugs mitnehmen.

Nun wechselt Vonlaufen wieder in die Zuschauerrolle zurück. Als Nächstes am Ob- und Nidwaldner Kantonalen in Kägiswil diesen Sonntag. Es ist der ganz normale Weg von zurücktretenden Schwingern. Zwar stehen sie nicht mehr im Ring, aber weg sind sie trotzdem nicht.

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