SCHWINGEN: Sepp Burch – der stolze Herr über 230 Geschenke

Sepp Burch (59) ist für den Gabentempel am 108. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest in Cham zuständig. Er weiss, was die Sportler nach Hause nehmen wollen.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen
Inmitten des Gabentempels für das Innerschweizerische Schwingfest: Sepp Burch in der Turnhalle Röhrliberg in Cham. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Inmitten des Gabentempels für das Innerschweizerische Schwingfest: Sepp Burch in der Turnhalle Röhrliberg in Cham. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

228 Schwinger werden heute im Chamer Röhrliberg zum 108. Innerschweizer Schwing- und Älplerfest erwartet. Dazu kommen noch die Steinstösser. Wie bei Kranzfesten üblich, kehren die Athleten nicht mit leeren Händen nach Hause zurück. Eine Gabe ist ihnen sicher. Dies ist Sepp Burch, dem Chef des Gabentempels, und seinem Team zu verdanken. Wie viel die über 230 Geschenke für die Schwinger wert sind, will der 59-Jährige – auch nach mehrmaligem Nachfragen – nicht sagen: «Ich bin kein Freund von Zahlen.» Sicher ist dies: Der Gabentempel muss selbsttragend sein. Das heisst, dass alle Präsente von Sponsoren stammen und deshalb das Festbudget nicht belasten.

Auch das Urchige fehlt nicht

Seit dem letzten November sind Burch und seine Helfer immer wieder ausgeschwärmt, um die Gaben zu sammeln. «Hier ist ein gutes Netzwerk hilfreich», sagt Burch, der die Schwingerszene bestens kennt. Seit 1969 ist er Mitglied des Schwingklubs Cham-Ennetsee. Für den Verein hat er schon verschiedene Chargen ausgefüllt. Er war einst auch ein starker Schwinger. 57 Kränze hat er in seiner Karriere gesammelt. Vier davon an Eidgenössischen Schwingfesten. Sein grösster Erfolg: 1981 gewann er den Brünigschwinget.

In dieser Zeit im Sägemehlring hat Burch natürlich auch viele Gaben aussuchen können: «Die Spenden haben sich gewandelt, aber die Ansprüche der Schwinger auch.» Wie ein Blick auf den Gabentempel zeigt, müssen sie praktisch sein.

Die Auswahl an Präsenten ist dabei riesig. Viele Gegenstände sind für Hand- und Heimwerker sehr hilfreich. Es hat aber auch Motorroller, Fernsehgeräte, Velos, Grills, Ski, Kaffeemaschinen und Kühlschränke, die auf neue Besitzer warten.

Dazu kommt Kinderspielzeug, welche Schwinger mit Nachwuchs jeweils gerne nehmen. Auch die klassischen Preise wie Truhen, Trychlen und Stabellen fehlen im Gabentempel nicht, wenngleich ihre Zahl laut Burch in den vergangenen Jahren doch etwas kleiner geworden ist.

An der Wand sind zudem verschiedene Bons und Reisegutscheine aufdrapiert. Nur dort ist der Wert der Ware ersichtlich. Dazu kommen noch die fünf Lebendpreise. Die werden anderswo bereitgehalten.

Burchs Nagelprobe folgt noch

Viele Schwingfreunde haben den Gabentempel vor dem Wettkampf unter die Lupe genommen. Das Innerschweizerische ist ein grosses Volksfest – mit den Schwingern als Aufhänger. Burch selber wird von diesem Treiben als Gabenchef nicht sehr viel mitbekommen. Was er aber schätzt, ist, dass «Schwingfeste eine friedliche Angelegenheit sind».

Burchs heikle Mission beginnt heute Nachmittag, wenn die gesammelten Gaben unter den Schwingern verteilt werden. Anders als bei einer Tombola haben die Gegenstände keine Nummern. Höchstens gelbe Punkte. Dies ist ein Zeichen, dass sie von den Schwingern ausgewählt werden können, für welche bereits nach dem vierten Gang Schluss ist. Das sind laut Burch zwischen 60 und 70 Akteure. Die eigentliche Preisverteilung beginnt heute um 18.30 Uhr, wenn der Festsieger seinen Preis, den Stier «Falcon», längst spazieren geführt hat. Dabei spielt das sportliche Abschneiden bei der Vergabe natürlich eine Rolle. Je besser der Rang des Schwingers nach dem sechsten Gang, desto eher ist man beim Aussuchen an der Reihe. Seinen Job beschreibt Burch so: «Ich schaue, dass jeder etwas bekommt.» Dabei hilft er bei der Vergabe manchmal steuernd mit. Diese Fähigkeit hat er mit den Jahren entwickelt, ist er doch bereits zum fünften Mal Gabentempelchef – heuer zum zweiten Mal an einem Innerschweizerischen, dem grössten Schwingfest in der Zentralschweiz.

Hat Burch noch Lust, sich ein sechstes Mal als Chef des Gabentempels verpflichten zu lassen? Das nächste grössere Schwingfest, das der Schwingklub Cham-Ennetsee organisieren muss, findet wohl 2016 oder 2017 statt. Burch gibt keine klare Antwort: «Ich kann nicht sagen, ich mache es nicht mehr.» Das hängt wohl mit der Bedeutung des Schwingsports in Burchs Leben zu tun: «Schwingen ist mehr als ein Hobby, es ist eine Passion.»

Innerschweizer Schwingfest

Cham. Arena beim Schulhaus Röhrliberg. Heute, 6.00:Öffnung Festgelände, Verpflegungsstände und Kassen. – 7.30: Anschwingen. – 17.00: Schlussgang.

TV: Tele 1 überträgt ab 7 Uhr bis 19 Uhr live. Den Link zur Übertragung finden Sie auch auf www.luzernerzeitung.ch