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SCHWINGEN: So nah am Sieg, so gross der Schmerz

Nach einem gestellten Schlussgang erbt der Berner Bernhard Kämpf den Sieg am Brünig. Mit einem starken Auftritt begeistert Publikumsliebling Benji von Ah die 6000 Zuschauer.
Die Innerschweizer Anhänger unter den 6000 Zuschauern in der Brünig-Arena hofften auf einen Innerschweizer Sieg. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Die Innerschweizer Anhänger unter den 6000 Zuschauern in der Brünig-Arena hofften auf einen Innerschweizer Sieg. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Claudio Zanini (Text) und manuela Jans (Bilder)

Je länger das Fest dauerte, desto entfesselter trat Benji von Ah auf. Nach der Mittagspause und dem Sieg gegen Matthias Glarner steuerte der 28-jährige Giswiler vehement auf die Schlussgangteilnahme zu. Mit einem Fussstich bezwang er Glarner im vierten Gang die Mehrheit der Zuschauer im berühmtberüchtigten Kessel auf der Brünig-Passhöhe geriet emotional so richtig in Fahrt. Der Berner Oberländer und der Obwaldner sollten aber im Festverlauf noch einmal aufeinandertreffen.

Am Morgen kam von Ah noch gemächlich aus den Startblöcken. Gegen den Berner Eidgenossen Simon Anderegg musste er sich im ersten Gang mit einem Gestellten begnügen. Mit zwei folgenden Siegen gegen faktisch schwächere Widersacher hängte er sich wieder an die Spitzengruppe an. Doch die Maschine schien erst mit dem Sieg gegen Glarner ins Rollen zu kommen. Dies bekam kein Geringerer als Kilian Wenger im fünften Gang zu spüren. Zuerst wurde der Schwingerkönig von 2010 mit Kurz zu Boden gewuchtet. Und am Boden machte der Giswiler Publikumsliebling überhaupt keine Anstalten nachzulassen. Wenger wurde auf den Rücken gedreht, von Ah ballte die Fäuste, die Schlussgangteilnahme hatte er auf sicher. Es war zugleich von Ahs erster Sieg im sechsten Direktduell gegen Wenger. 2010 trafen die beiden das erste Mal aufeinander, auch auf dem Brünig. «Entscheidend war der Sieg im vierten Gang. Der Applaus von den Rängen hat mich angestachelt. Dass ich danach zum ersten Mal gegen Wenger gewinnen konnte, gab mir zusätzlich Selbstvertrauen für den Schlussgang.»

Die Ausgangslage vor dem Schlussgang war verheissungsvoll, dass der Brünig-Sieg nach Martin Grabs Triumph 2010 erstmals wieder in die Innerschweiz wandert. Für die Endausmar­chung stand von Ah noch einmal Matthias Glarner gegenüber. Der 29-jährige Eidgenosse aus Meiringen stand bereits im letzten Jahr und 2012 im Schlussgang, musste sich jeweils geschlagen geben.

Kurz vor dem letzten Duell des Tages schlenderte Benji von Ah gemütlich durch die Gänge vor den Schwingergarderoben. Hier ein kurzes Spässchen, da ein Händedruck von Anspannung war so gut wie nichts zu spüren. Auch nicht, als er aufgrund der Vorbereitungen der Fernsehteams noch zehn Minuten am Sägemehlrand warten musste. Mit stoischer Ruhe stand er da, und so mancher Festbesucher – vor allem im Innerschweizer Lager – war sich sicher, dass diesen Benji von Ah niemand mehr stoppen würde.

Von Ahs «verhärtete Hände»

Doch dann kam es anders: Glarner blieb passiv und versuchte den Giswiler auf Distanz zu halten. Im ersten Zug hätte von Ah den Berner beinahe erwischt. Die Gangdauer von 14 Minuten lief aber immer mehr gegen den Obwaldner, der immer wieder mit lauten «Benji! Benji!»-Rufen von der Mehrheit des Publikums angepeitscht wurde. Doch alles nützte nichts. Den Gestellten konnte er nicht mehr verhindern. Der lachende Dritte war Bernhard Kämpf: Der 27-jährige Berner erbte den Festsieg dank 0,5 Punkten Reserve auf die beiden Schlussgangteilnehmer.

Bernhard Kämpf gewinnt das Brünig-Schwingen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Die Enttäuschung ist dem Giswiler Benji von Ah nach dem gestellten Schlussgang anzusehen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Übermannt von seinen Gefühlen: Bernhard Kämpf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Schlussgang zwischen Benji von Ah (Giswil, links) und Matthias Glarner (Meiringen) endet gestellt. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Der Schlussgang zwischen Benji von Ah (Giswil, rechts) und Matthias Glarner (Meiringen) endet gestellt. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
6390 Zuschauer in der imposanten Brünig-Arena verfolgen das Geschehen in den vier Sägemehlringen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Benji von Ah (Giswil) siegt gegen Titelverteidiger Kilian Wenger (Horboden). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Philipp Laimbacher (Sattel, hinten) gegen Matthias Siegenthaler (Thun). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Kilian Wenger (Horboden, oben) gegen Mark Zurfluh (Altdorf). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Remo Käser (Alchenstorf (rechts) gegen Joel Wicki (Sörenberg). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
David Schmid (Wittnau, links) gegen Philipp Laimbacher (Sattel). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Sörenberger Joel Wicki im ersten Gang. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Matthias Siegenthaler (Thun, rechts) gegen Marcel Mathis (Büren). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Remo Käser (Alchenstorf, links) gegen Toni Omlin (Wilen bei Sarnen). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Florian Gnägi (Aarberg, links) feiert seinen Sieg gegen Christian Schuler (Rothenthurm). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Bernhard Kämpf (Sigriswil, rechts) gegen Erich Fankhauser (Hasle). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Brünig als Übergang von Innerschweiz ins Bernische ist auch ein sportlicher Kampfplatz verschiedener Regionen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Traditionelle Unterhaltung mit Alphornbläsern und Fahnenschwingern. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Am Mittag wird in der Schwingerarena frischer Schinken mit Kartoffelsalat serviert. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Der Jodlerklub St. Stephan aus dem Berner Oberland unter der Leitung von Ueli Moor bei einer Pause (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Christian Schuler (Rothenthurm, rechts) vor prächtiger Kulisse gegen Simon Anderegg (Unterbach). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Thomas Sempach (Heimenschwand, links) gegen Christoph Bieri (Untersiggenthal). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Schwingarena mit 6390 Zuschauern auf dem Brünig-Pass. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Kilian Wenger (Horboden, oben) gegen Bruno Nötzli (Pfäffikon). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Christoph Bieri (Untersiggenthal, links) wehrt sich gegen Kilian Wenger (Alchenstorf). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Bruno Gisler (Rumisberg, rechts) gegen Philipp Laimbacher (Sattel). (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Remo Käser (Alchenstorf, vorne) gegen Bruno Gisler (Rumisberg) (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Zuschauer verfolgen das Geschehen im Sägemehl-Ring. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
SRF-Sportmoderator Sascha Ruefer und Brünigschwinget OK-Präsident Walter von Wyl. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
Christiane Leister, VR-Präsidentin, Leister Technologies AG aus Sarnen und das grosse Schwingertalent Joel Wicki aus Sörenberg. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
Stefan Roth, Stadtpräsident Luzern, Niklaus Bleiker, Landammann Obwalden und Othmar Reichmuth, Regierungsrat Schwyz (von links). (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
Helfer hinter der Bar: Marlene Gasser aus Lungern und Tanja Gasser aus Kerns. (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
Kampfrichter Christoph Allenbach, Baggwil/BE (links) und Alfred Wiedmer, Trub (Bild: Robert Hess / Neue OZ)
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Brünigschwingen

An der Kondition habe es nicht gelegen, sagte von Ah nach dem Kräfte raubenden Unentschieden gegen Glarner. «Ich konnte mit zunehmender Gangdauer nicht mehr richtig zugreifen. Meine Hände waren wegen der Anstrengung verhärtet. Ich habe nicht einmal mehr einen anständigen Händedruck, wenn ich Gratulationen entgegennehme.» Und Gratulanten standen gleich reihenweise an. Trotz schalkhafter Art wollte der Spezialmonteur der SBB mit seiner Leistung nicht zufrieden sein: «Auf dem Brünig im Schlussgang zu stehen und dann nicht zu siegen, ist sehr enttäuschend. Glarner war nach meinem Sieg im vierten Gang besser vorbereitet. Ich wollte ihn möglichst früh bezwingen, leider hat es nicht geklappt.»

Dass Glarner im Hinterkopf hatte, dass Verbandskollege Kämpf bei einem Gestellten noch im Klassement nach vorn preschen könnte, spielte von Ah nicht in die Karten. Trotz verpasstem Brünig-Sieg: Benji von Ah lieferte 2015 eine starke Saison ab. Immer war er vorne dabei, nur einmal ganz vorne (Urner Kantonales), sieben Kränze holte er bereits. «Da kann ich zufrieden sein. Nun habe ich eine Woche Ferien, um das ein wenig zu verarbeiten.»

Hinweis

Mehr zum Schwingfest auf dem Brünig lesen Sie auf Seite 22.

Der Giswiler Benji von Ah hat um den Festsieg geschwungen – am Ende blieb ihm aber bloss die Enttäuschung. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Der Giswiler Benji von Ah hat um den Festsieg geschwungen – am Ende blieb ihm aber bloss die Enttäuschung. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

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