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SCHWINGEN: Statistenrolle für die Innerschweizer am Brünigschwinget

Drei Berner stehen am Ende zuoberst auf dem Brünig. Die Innerschweizer reden vor 6500 Zuschauern nicht um den Sieg mit – die Durststrecke bleibt bestehen.
Claudio Zanini
Die Innerschweizer hatten einen schweren Stand: Sven Schurtenberger (rechts) verliert im 1. Gang gegen Armon Orlik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Brünig, 30. Juli 2017))

Die Innerschweizer hatten einen schweren Stand: Sven Schurtenberger (rechts) verliert im 1. Gang gegen Armon Orlik. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Brünig, 30. Juli 2017))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Man sollte generell Vorsicht walten lassen, wenn man über diesen geschichtsträchtigen Bergklassiker spricht. Zum Brünig pflegen sowohl die Berner als auch die Innerschweizer ein emotionales, gar inniges Verhältnis. Wer hier einen Sitzplatz haben will, muss hoffen, dass irgendwo im Familienstammbaum irgendwann einer auf die Idee kam, sich eine Dauerkarte zu sichern und diese am Tag X als Erbschaft bei einem selbst ankommt. Nur so kann man Teil dieser Atmosphäre werden. Doch irgendwie knisterte und raunte es nicht mehr auf den Rängen, wenn Paarungen zwischen Innerschweizern und Bernern ausgerufen wurden. Denn das Innerschweizer Team fand sich früh in der Statistenrolle wieder. Vornehm verabschiedeten sie sich früh aus dem Rennen um den Tagessieg. Und so erlahmte die Rivalität zwischen den beiden Nachbarkantonen schnell an diesem Sonntag.

Doch warum waren die Innerschweizer nicht zu einem Effort fähig? Warum klappte es erneut nicht mit dem ersten Innerschweizer Sieg nach Martin Grab 2010? Zum einen waren es die vielen Verletzten. Der nominelle Leader Christian Schuler hat die Saison schon länger beendet. Er amtete als TV-Experte hinter der Medientribüne und ordnete die Leistungen seiner Kollegen ein. Joel Wicki und Bruno Nötzli verletzten sich auf der Rigi. Mike Müllestein, der an einem guten Tag so manchen starken Berner zumindest stellen könnte – rekonvaleszent. Philipp Laimbacher – ebenfalls am Auskurieren einer Blessur. Kurzfristig meldeten sich auch noch Marcel Mathis und Martin Grab ab. Das war etwas zu viel Potenzial, welches hätte kompensiert werden müssen.

Und die angetretenen Trümpfe – das ist der andere Grund – kamen träge aus den Startlöchern. Sven Schurtenberger etwa, der Schwinger aus Buttisholz, der sich mit gutem Gewissen zur nationalen Spitze zählen darf und vor drei Wochen am Rigi-Schwinget triumphierte, verlor seine beiden ersten Gänge. Als Mitfavorit gestartet, musste er schon früh um den Kranz zittern. Zuerst unterlag er Armon Orlik, im 2. Gang Simon Kid. «Orlik war schlicht der bessere Schwinger von uns beiden. Und im zweiten Gang bin ich in einen klassischen Konter gelaufen», sagte der 25-Jährige. Benji von Ah startete auch mit einer Niederlage, schaffte es aber mit zwei Maximalnoten in den letzten beiden Gängen gerade noch in die Kranzränge. Auch Andreas Ulrich zeigte einen schwachen Auftakt mit zwei Gestellten – der Gersauer verpasste Eichenlaub schliesslich um einen Viertelpunkt.

Berner machen Ausfälle wett

In der Endabrechnung sieht die Bilanz der ISV-Athleten jedoch versöhnlich aus. Von 20 Kränzen gingen sieben an die Innerschweizer, acht an die Berner, deren fünf an die Nordostschweizer. Doch ganz vorne sorgten eben die Berner für die Musik. Zuvorderst die drei Sieger Bernhard Kämpf, Philipp Reusser und Christian Stucki (siehe Box), dahinter auf dem 2. Platz Kilian Wenger und Matthias Aeschbacher. Bemerkenswert ist dieses Abschneiden insofern, weil die erste Garde gar nicht da war. Die beiden Könige Matthias Glarner und Matthias Sempach fehlten verletzt. Und mit Remo Käser trat ein junger Eidgenosse zwar an, zog sich aber nach dem ersten Gang verletzt zurück. In seinem verletzten Knie habe er einen «Zwick» gespürt, meldete der 20-Jährige auf seiner Webseite. Bis zum Unspunnen soll aber alles wieder in Ordnung sein, so Käsers Einschätzung.

Doch dieses Berner Team scheint nahezu immun gegen Ausfälle jeglicher Art zu sein. Zwei Könige fehlten, mit Wenger steht ein dritter König im Schlussgang. Und wenn es diesem nicht für den Sieg reicht, ja dann, gewinnen eben drei andere Berner. «Sie haben immer fünf bis sechs, die vorne mitschwingen können. Und einer wie Stucki hat heute nicht einmal einen guten Tag eingezogen und am Ende steht er trotzdem auf Platz 1c», anerkennt Sven Schurtenberger.

Kämpf: «Ich wäre ja blöd gewesen, unnötig Risiko einzugehen»

Festsieger Wie 2016 stand der Berner Oberländer Bernhard Kämpf (Bild) im Brünig-Schlussgang. Im vergangenen Jahr kam er aber gegen Thomas Sempach nicht über ein Unentschieden hinaus – Sempach kürte sich zum alleinigen Festsieger. In diesem Jahr wusste Kämpf aber, dass ihm ein Gestellter gegen Kilian Wenger für den Festsieg reichen würde. «Vielleicht war es ein fader Schlussgang. Aber ich wäre ja blöd gewesen, wenn ich unnötig Risiko eingegangen wäre», resümierte der 29-jährige Berner.

Allerdings wurde er mit der Note 8,75 für den wenig attraktiven Gang bestraft, deshalb konnten Philipp Reusser und Christian Stucki mit Kämpf punktemässig gleichziehen. Für den Sigriswiler Kämpf ist es der zweite Brünig-Triumph nach 2015. Damals erbte er den Sieg, nachdem der Schlussgang zwischen Benji von Ah und Matthias Glarner gestellt geendet hatte.

Drei Maximalnoten für Kämpf

Kämpf verdiente sich den Triumph mit drei Maximalnoten gegen Andy Murer, Pirmin Egli und Stefan Arnold. Gegen den Mitfavoriten Samuel Giger (er belegte am Ende Rang 5b) musste Kämpf ein Unentschieden hinnehmen. Philipp Reusser (1b) bezwang seinerseits die beiden Eidgenossen Reto Nötzli und René Suppiger und hatte insgesamt vier Siege und zwei Gestellte auf dem Notenblatt.

Der meistgenannte Favorit Christian Stucki holte mit Rang 1c seinen fünften Saisonsieg. Stucki verlor unerwartet gegen Samuel Giger im ersten Gang, blieb dann aber bis auf den Gestellten gegen Martin Hersche siegreich.

Bernhard Kämpf jubelt nach dem gestellten Schlussgang. (Bild: Philipp Schmidli)
Bernhard Kämpf, links, und Kilian Wenger im Schlussgang beim traditionellen. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Die drei Sieger Philipp Reusser, Christian Stucki und Bernhard Kämpf (L-R) jubeln. (Bild: Philipp Schmidli)
Samuel Giger, links, und Bernhard Kämpf, oben, im 4. Gang beim traditionellen Brünigschwinget vom Sonntag. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Viele Zuschauer geniessen das Schwingen auf dem Brünig trotz einiger Wetterkapriolen. (Bild: Philipp Schmidli)
Reto Nötzli, links, und Niklaus Zenger im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Die Ehrendamen in der Arena. (Bild: Robert Hess (OZ))
Den Zuschauern scheint das 124. Brünigschwinget zu gefallen. (Bild: Philipp Schmidli)
Zuschauer am Brünigschwinget. (Bild: Robert Hess (OZ))
Kilian Wenger, links, und Daniel Boesch im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Das Mittagessen wir in der Schwinger Arena serviert. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
So kann man die Mittagspause auch verbringen: Ein Zuschauer schläft unter einer Tribüne. (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Zuschauer am Brünigschwinget. (Bild: Robert Hess (OZ))
Simon Anderegg, links, und Marcel Kuster im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Der Nachschub an Bier darf nicht fehlen in der Schwingerarena. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Das Zuschauen scheint auch anstrengend zu sein. (Bild: Philipp Schmidli)
Tobias Kraehenbuehl, links, und Andreas Ulrich im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Ramon Orlik, links, und Sven Schurtenberger im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Samuel Giger, links, feiert seinen Sieg gegen Christian Stucki im 1. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Ein Mann beobachtet das Fest von einem Dach aus. (Bild: Philipp Schmidli)
Christian Stucki, oben, und Daniel Boesch im 4. Gang. (Bild: Urs Flüeler/Keystone)
Die Zuschauer ziehen sich vor einem Gewitter Regenkleider an. (Bild: Philipp Schmidli)
22 Bilder

Schwing-Spektakel auf dem Brünig

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