SCHWINGEN: Wegen Traumquoten: Immer mehr Anbieter wollen Schwingfeste live übertragen

Mit Live-Übertragungen von Schwingfesten lassen sich Traumquoten erreichen. Davon wollen immer mehr Anbieter profitieren. Der eidgenössische Verband versucht, die Dinge zu ordnen.
Claudio Zanini
Kein Gang zum Brunnen ohne Kamerabegleitung: Benji von Ah am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2017 in Alpnach. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Alpnach, 2. Juli 2017))

Kein Gang zum Brunnen ohne Kamerabegleitung: Benji von Ah am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2017 in Alpnach. (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Alpnach, 2. Juli 2017))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

Ein hochkarätiger Hosenlupf zieht die ganz grossen Massen vor den Fernseher. Beispielhaft dafür war der letzte schwingerische Grossanlass, der Unspunnen-Schwinget. Knapp 780'000 Zuschauer aus der Deutschschweiz verfolgten den Schlussgang zwischen Christian Stucki und Curdin Orlik am Fernsehen. Das entsprach einem Marktanteil von 66,8 Prozent, das bedeutet: Zwei Drittel aller TV-Zuschauer wählten SRF zwei, auf dem Schwingen zu sehen war.

Vom Privileg, die eidgenössischen Anlässe – dazu gehören nebst dem Eidgenössischen noch Unspunnen und Kilchberger – exklusiv übertragen zu dürfen, will die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) längerfristig Gebrauch machen. Mit einem Sechsjahresvertrag kaufte sich die SRG die Rechte bis 2022, für kolportierte 130'000 Franken jährlich.

Auf die aktuelle Saison wurden noch weitere Feste in den Rahmenvertrag zwischen der SRG und dem Eidgenössischem Schwingerverband (ESV) aufgenommen. Neu kamen die Exklusivrechte für alle fünf Teilverbandsfeste sowie sämtliche Bergkranzfeste hinzu. Sozusagen die zweithöchste Kategorie nach den eidgenössischen Anlässen. In der offiziellen Mitteilung des ESV wurde der Schritt folgendermassen begründet: «Der Zentralvorstand ist überzeugt, mit dem Ausbau der Übertragung von Schwingfesten bei SRF die mediale Verbreitung des Schwingsports bei bester Qualität gewinnbringend zu fördern.» In der zweithöchsten Kategorie der Schwingfeste gibt es aber noch andere Mitspieler. So etwa das Zentralschweizer Fernsehen Tele 1, das in den vergangenen fünf Jahren jeweils das Innerschweizerische Schwing- und Älplerfest (Isaf) live übertrug. Tele 1 muss bei der SRG eine Sublizenz erfragen, um das Isaf übertragen zu dürfen. Das Teilverbandsfest in Ruswil am 1. Juli werden die SRG und Tele 1 nun gemeinsam produzieren. Die SRG wird das Fest aber nur punktuell live über den Sender laufen lassen, dafür ganztags als Online-Livestream anbieten, heisst es auf Anfrage.

Auch Tele 1 hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht mit Schwingfesten. Bei der letztjährigen Ausstrahlung des Isaf in Alpnach 2017 war der Sender während des ganzen Tages Marktführer in seinem Konzessionsgebiet. Philippe Sager leitet die Live-Produktionen bei Tele 1. Er sagt: «Der Hype um den Schwingsport ist nicht einfach zu erklären. Die Leute schauen diese Sportart wirklich gerne. Unser Ziel muss sein, dass wir den Zuschauern mit Schwingkompetenz und fachkundigen Analysen von Experten einen Mehrwert bieten können.» Es erstaunt wenig, dass Tele 1 in dieser Saison sein Angebot gar ausbaut. Neu wird auch das Bergfest auf der Rigi ganztags übertragen. Die Erlaubnis zur Ausstrahlung musste auch hier die SRG erteilen. Für das Fest auf Rigi Staffel nimmt man viel Aufwand auf sich, rund 35 Personen und 6 Kameras stehen im Einsatz.

ESV-Geschäftsführer: «Wir waren Amateure»

Mittlerweile haben sich aber auch die Radios eingeschaltet. Seit dieser Saison bietet etwa ­Radio Central in Zusammenarbeit mit der Schwingerzeitung «Schlussgang» und der Hochdorfer Produktionsfirma Up­stream Media einen Livestream von Kantonalfesten an, quasi die dritthöchste Kategorie von Wettkämpfen. Die Kooperation der drei Firmen will mindestens 14 Schwingfeste im Internet mit Bewegtbildern senden. Dazu gehört auch das Ob-/Nidwaldner Kantonale, das diesen Sonntag in Kägiswil stattfindet. Hier besitzt die SRG keine Exklusivrechte, Verhandlungen werden deshalb ­direkt mit dem Verband geführt. Gemäss Alfons Spirig, Verwaltungsratspräsident und Schwingreporter der Radio-Gruppe Central-Sunshine, sind die Einschaltquoten gut. Man verzichte allerdings darauf, konkrete Zahlen zu nennen. «Ich bin aber selbst überrascht, dass wir in so kurzer Zeit eine solch gute Zugriffsquote erreichten», sagt er.

Ausgezeichnete Quoten erzielte in der vergangenen Saison zudem der «Blick», der den Brünig-Schwinget live übertrug. Mit über einer halben Million Zuschauern wurde ein neuer Bestwert erreicht. Auch die Blick-Gruppe hat einen Vertrag mit dem ESV, sendet aber nur wenige Feste live.

Beim Schwingerverband versucht man, bei all den Interessenten irgendwie Ordnung auf den Festplätzen zu bewahren. Vor allem will man verhindern, dass die zahlenden Zuschauer plötzlich nur noch Kameras vor der Nase haben. ESV-Geschäftsführer Rolf Gasser sagt: «Wir wollen nicht, dass 20 Kameraleute auf dem Platz rumrennen.» Man habe die Situation derzeit gut im Griff. Aber: «Vor wenigen Jahren waren wir noch vollkommene Amateure, was TV-Übertragungen betrifft. Wir befinden uns nach wie vor in einer Lernphase.»

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