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SCHWINGEN: Wicki: Nichts ist so wie vorher

Mit dem ersten Kranzfestsieg unterstreicht Joel Wicki (18) seine Aus­nahmestellung im aktuellen Schwingsport. Der Sören­berger kommt damit früh im Konzert der Grossen an.
Schwinger Joel Wicki bedankt sich auf dem Sörenberger Dorfplatz via Mikrofon bei der Bevölkerung für den herzlichen Empfang. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Schwinger Joel Wicki bedankt sich auf dem Sörenberger Dorfplatz via Mikrofon bei der Bevölkerung für den herzlichen Empfang. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Interview Claudio Zanini

Am Tag nach dem Triumph am Schwarzsee-Schwinget in Plaffeien muss Joel Wicki die Schulbank drücken. Für den angehenden Baumaschinenmechaniker steht ein Weiterbildungskurs auf dem Programm. Doch an diesem Montag ist alles ein wenig anders. Wicki ist jetzt Kranzfestsieger. Und als wäre es damit nicht genug, fuhr er den ersten Sieg gleich an einem Bergkranzfest ein. Mit Matthias Glarner hatte der 18-jährige Sörenberger bereits im ersten Gang einen «Bösen» mit der Maximalnote aus dem Weg geräumt. Gegen König Kilian Wenger folgte im 3. Gang die erste Niederlage. Doch davon liess sich der Jungspund nicht aus dem Konzept bringen. In seiner zweiten Schlussgang-Teilnahme innert Wochenfrist legte er den Schwyzer Adrian Steinauer nach 100 Sekunden auf den Rücken. Dass Wicki enormes Potenzial hat, wissen mittlerweile alle. Doch dass er so schnell zum ersten Festsieg stürmte, überraschte die meisten. Kurz vor dem grossen Empfang in Sörenberg findet der Sennenschwinger Zeit für ein Interview.

Joel Wicki, Sie mussten am Montag bereits wieder zur Schule. Kamen Sie überhaupt zum Feiern?

Wicki: Nicht wirklich. Wir waren am Sonntag etwa um 20.30 Uhr zu Hause. In einem Restaurant haben wir gemeinsam mit dem Fanclub noch Pouletflügeli gegessen. Aber wegen dem Weiterbildungskurs am Montag ging ich etwa um 22.30 Uhr schlafen. Aber das war für mich schon vorher klar. Wäre ich nicht zur Schule gegangen, hätte ich den Kurs nachholen müssen.

Wie wurden Sie von den Mitschülern empfangen?

Wicki: Sie hatten natürlich Freude und gratulierten mir. Auch der Kursleiter hat mich auf den Sieg angesprochen und mir gratuliert. Das war wirklich speziell. Irgendwie ist momentan nichts so wie vorher. Schauen Sie nur mal diese Leute (Wicki zeigt nach draussen, wo sich schon die ersten Fans für den Empfang einfinden.)

Ihre Karriere nimmt mit diesem Kranzfestsieg aber auch rasant Tempo auf. Geht Ihnen das nicht alles zu schnell?

Wicki: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich bleibe unabhängig von meinen Erfolgen realistisch. Jede Woche wird es wieder Montag, und ich habe im Sommer 2016 meine Abschlussprüfungen. Solange meine Ausbildung nicht wegen dem Schwingen leidet, kann ich von mir aus in diesem Tempo weitermachen. Ansonsten müsste ich mit dem Schwingen zurückfahren. Ich bin auch nach meinem Abschluss noch jung und habe auch dann noch genügend Zeit für die Karriere.

Wenn ich Ihnen bei unserem Treffen vor Saisonbeginn gesagt hätte, dass Sie im Juni ein Bergkranzfest gewinnen ...

Wicki: (lacht) ... dann hätte ich gesagt, Sie spinnen.

In diesem Jahr hat sich aber schon einiges getan: Erster Festsieg, Fahrausweis gemacht, und anscheinend haben Sie jetzt auch eine Freundin, hört man sagen.

Wicki: (lacht erneut) Man sagt, ich hätte eine Freundin, ja.

Und darf man wissen, wer die Glückliche ist?

Wicki: Da will ich lieber nichts dazu sagen. Aber es ist so: 2015 ist bereits wahnsinnig viel passiert.

Dann wechseln wir das Thema. Am Sonntag verloren Sie im dritten Gang gegen König Kilian Wenger. Was ging danach in Ihrem Kopf vor?

Wicki: Ich habe mir ganz klar gesagt, dass ich trotz Niederlage nach wie vor im Rennen bin. Von solchen Niederlagen darf man sich nicht zu fest beeindrucken lassen. Und vor dem Schlussgang war ich dann auch nicht nervös.

Ihr Schwingstil gilt als sehr explosiv und ungestüm. Zuweilen wird kritisiert, dass Ihre Art zu schwingen längerfristig zu gesundheitlichen Schäden führen könnte. Ihr hohles Kreuz beim Kurzzug ...

Wicki: (unterbricht) ... ich weiss, diesbezüglich wird sehr viel geredet. Aber was den Kurz betrifft, ziehe ich den schon von klein auf so. Leute, die mich deswegen kritisieren, haben ja gar keine Ahnung, wie ich trainiere. Im Training baue ich die Rückenmuskeln auf. Oftmals werden einfach negative Dinge gesucht.

Und jetzt wächst auch die Erwartungshaltung. Sie haben sich zu ei­- ner der prägnantesten Figuren im Schwingsport entwickelt.

Wicki: Natürlich registriere ich die steigenden Erwartungen. Aber deswegen werde ich doch nicht nervös. Warum auch? Wenn ich jetzt am nächsten Fest keinen Kranz mache, dann nimmt mir das niemand übel gerade, weil ich noch jung bin.

Sie haben vor dem Schwarzsee-Schwinget den Kranz als Ziel ausgerufen. Aber ganz ehrlich: Sie werden wohl künftig andere Ziele haben als «nur» den Kranz, oder?

Ich will grundsätzlich an jedem Fest mit den Spitzenschwingern mithalten. Aber an meiner Zielsetzung ändert sich nichts wegen diesem Festsieg. Ich werde sicher nicht sagen, dass ich am Innerschweizerischen den Sieg will. Man kann sich auch zu hohe Ziele setzen.

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