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SCHWINGEN: Zum Titel reichte es mit dreijähriger Verspätung

Der neue König Glarner Matthias schwingt seit Jahren konstant stark. Dennoch musste er 30 Jahre alt werden, um sein perfektes Eidgenössisches abzuliefern.
Flüe Jonas, Estavayer
Zweieinhalb Minuten vor Ende eines unterhaltsamen Schlussgangs besiegt Glarner Matthias den Jungstar Orlik Armon (oben) und spendet dem Bündner sogleich Trost. (Bilder Grütter Roger)

Zweieinhalb Minuten vor Ende eines unterhaltsamen Schlussgangs besiegt Glarner Matthias den Jungstar Orlik Armon (oben) und spendet dem Bündner sogleich Trost. (Bilder Grütter Roger)

von Flüe Jonas, Estavayer

Die Episode liegt längst hinter Glarner Matthias. Doch sie beschreibt das Wesen das Meiringers, seine Überzeugung von den eigenen Stärken wunderbar. Glarner hat nach seiner Lehre zum Polymechaniker an der Universität Bern Sport und Geschichte studiert, um später als Turn- und Sportlehrer arbeiten zu können. Zu jener Zeit war er bereits ein etablierter Schwinger, gewann regelmässig Kränze, aber ausserhalb der Schwingerszene kannte ihn praktisch niemand. Unter den Sport-Studenten war er, der Schwinger, eher ein Exote. Doch Glarner versprach seinen Kommilitonen schon damals: «Irgendwann werde ich der stärkste Schwinger der Schweiz sein.»

Gestellter gegen Giger

Es hat bis ins Jahr 2016 gedauert, bis Glarner sein Versprechen in die Tat umsetzen konnte. Dank seines Schlussgang-Sieges über den Bündner Orlik Armon beerbte er gestern Sempach Matthias auf dem Königsthron. Einzig am Samstagmorgen, gegen den späteren Zweiten Giger Samuel, konnte er einen Gang nicht siegreich gestalten – ein Gestellter ist der einzige Makel an Glarners ansonsten perfektem Wettkampf.

Im Schlussgang stand ihm mit Orlik der Newcomer des Jahres gegenüber. Der erst 21-jährige Bündner imponierte dem neun Jahre älteren Oberhasler derart, dass Glarner später, nach getaner Arbeit, sagte: «Ich bin während des Eidgenössischen Fan von ihm geworden. Er ist der Mann der Zukunft.»

Aber so sehr Glarner Freude an Orliks Auftritt hatte, so gut hatte er sich auf seinen Gegner vorbereitet. «Ich habe ihn beobachtet, weil ich mit einem Duell gerechnet habe», erzählte Glarner. Er habe das Video von Orliks Schlussgang-Niederlage am St. Galler Kantonalen gegen Clopath Beat im Kopf gehabt und darum gewusst, dass seine Angriffschance mit fortlaufender Zeit noch kommen würde. Nach 13 Minuten und 30 Sekunden bezwang er Orlik mit Kreuzgriff. «Ich hatte einen klaren Kampfplan und mich auf Konter fokussiert», sagte Glarner.

Ungewohnte Reaktion

Nach seinem Sieg blieb der grosse Jubel vorerst aus. Glarner half Orlik auf die Beine, zollte seinem Gegner so Respekt. Er wirkte gefasst, beinahe emotionslos, was so gar nicht zu ihm passt. Als er Mitte Juli das Berner Kantonale in seinem Heimatdorf Meiringen gewann, hüpfte er vor Freude umher. Und als er vor drei Jahren in Burgdorf im siebten Gang gegen den späteren Schwingerkönig Sempach Matthias verlor, konnte er die Tränen nicht zurückhalten. Denn Glarner wäre schon damals bereit gewesen für den Königstitel. Das dachte er zumindest. «Ich war 27 und im besten Schwingeralter. Dort zu gewinnen, war ein grosser Traum von mir», sagte er gestern.

Doch das Eidgenössische in Burgdorf steht trotz Kranzgewinn eher für den bittersten Moment seiner erfolgreichen Karriere. Er wurde Opfer des Berner Erfolgs und wurde im sechsten und siebten Gang gegen seine Teamkollegen Stucki Christian und Sempach eingeteilt. Aus dieser Enttäuschung habe er die richtigen Lehren gezogen, sagte er: «Ich habe mir nochmals drei Jahre Zeit gegeben, um alles dem Schwingen unterzuordnen.» Im Alltag hiess das: Alles andere musste hinten anstehen. Auch seine Freundin Claudia und seine Familie. Doch weil die Glarners den Sport im Blut haben, war das Verständnis gross. Bruder Stefan ist Verteidiger beim FC Thun, Schwester Katrin spielt ebenfalls Fussball, in der NLB bei Worb.

Seit 2003 immer fünf Kränze

Nun also, drei Jahre später als eigentlich geplant, wurde Glarner doch noch Schwingerkönig. Als erster Athlet seit 76 Jahren, der seinen 30. Geburtstag schon hinter sich hat. Glarner hat schon 109 Kränze gewonnen, den ersten 2003 und seither in jedem Jahr mindestens deren fünf. Das ist eindrücklich, aber dennoch ist er ausserhalb des Sägemehls ein unbeschriebenes Blatt geblieben.

Denn anders als Wenger Kilian ist Glarner kein Mädchenschwarm. Anders als Sempach Matthias hat er die Szene nicht schon vor dem Eidgenössischen dominiert. Wird er dennoch von Sponsorenanfragen überrannt werden? Werden sich die Medien um ihn reissen? Glarner sagt, er sei gut vorbereitet, möge kommen, was wolle. Bislang trat er auf nationaler Ebene nicht gross in Erscheinung – zumindest nicht im Bewusstsein der Öffentlichkeit. Der Werbespot einer grossen Versicherungsgesellschaft, in dem ein Schwinger sich als diebstahlsicheres Veloschloss beweist, lief in der Schweiz jedoch rauf und runter: Hauptdarsteller: Glarner Matthias.

Egal, was auf ihn zukommt: Glarner, der in einem 80-Prozent-Pensum als Projektleiter bei den Bergbahnen Meiringen-Hasliberg arbeitet, scheint gerüstet zu sein. Mit Knecht Beni kümmert sich ein erfahrener Mann um sein Sponsoring. Dieser kennt sich mit Schwingerkönigen aus: Er ist der Berater von Wenger Kilian. Und der wurde nach seinem Königstitel 2010 von Anfragen nur so überrannt.

Schurtenberger Sven hatte viel Grund zum Jubeln. (Bild Grütter Roger)

Schurtenberger Sven hatte viel Grund zum Jubeln. (Bild Grütter Roger)

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