Interview

SCK-Trainer Berner: «An die Limite gehen, das genügt nicht»

Der SC Kriens startet morgen als Tabellenvorletzter in die Challenge-League-Rückrunde. Ein Rang tiefer bedeutet: sofortiger Wiederabstieg. SCK-Trainer Bruno Berner sagt, in Kriens werde nicht gezweifelt.

Turi Bucher
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Blickt zuversichtlich in die Challenge-League-Rückrunde: Kriens-Coach Bruno Berner. (Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 29. Januar))

Blickt zuversichtlich in die Challenge-League-Rückrunde: Kriens-Coach Bruno Berner. (Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 29. Januar))

Bruno Berner, zuerst ein kurzer Blick zurück auf die Vorrunde: Hat sich Kriens erwartungsgemäss präsentiert, oder sind Sie enttäuscht oder positiv überrascht?

Wir haben im Sommer vor dem ersten Spiel gesagt: Wir werden vor Weihnachten schauen, was wir in den Händen halten. Sportchef Bruno Galliker und ich sind zum Schluss gekommen, dass der SC Kriens dazugehört, nicht abseitssteht. Es ist ja nicht so, dass Kriens mit fünf Punkten Rückstand Tabellenletzter ist. Summa summarum und nüchtern betrachtet sind wir also zwischen «erwartungsgemäss» und «positiv» platziert.

Sie sind als Trainer gleich im ersten Jahr mit Kriens von der Promotion League in die Challenge League aufgestiegen. Das hat Sie für einige Zeit resistent gegen die Kritiker gemacht. Aber mit nur zwei Siegen in 18 Spielen sind diese Kritiker nun mehr als nur in Lauerstellung. Was entgegnen Sie denen vor dem Rückrundenstart?

Haben Sie denn unsere Spiele überhaupt gesehen? Die Lautesten sind oft die, welche kaum Spiele gesehen haben. Den fundierten Kritikern sage ich: Geduld! Wir arbeiten akribisch und sind überzeugt, dass wir in der Rückrunde mehr Siege holen als in der Vorrunde. Müssen wir ja auch, damit wir nicht absteigen. Aber ich muss meinen Spielern auch bewusst machen: An die Limite gehen, das genügt nicht. Wir müssen über die Limite hinaus.

Wird es im Rennen gegen den Abstieg zum Dreikampf zwischen Chiasso, Kriens und Rapperswil kommen?

Rapperswil hat in der Winterpause viel investiert, bestandene Spieler verpflichtet. Bei Chiasso passiert halbjährlich immer viel. Vaduz hat sich auch noch nicht aus der Abstiegszone verabschiedet, hat aber viel Potenzial nach oben. Die Direktbegegnungen werden enorm wichtig sein, je nachdem, welche Clubs diese Direktbegegnungen betreffen. Umgekehrt können jene, die in den Abstiegskampf involviert sind, auch eine Spielverderberrolle einnehmen und das Aufstiegsrennen beeinflussen. Eines ist klar: In Kriens sind keine Zweifel, keine Ängste vorhanden.

Nur zwei Siege, das ist schon mickrig. So wenig hat kein anderer Club gewonnen. Was muss sich ändern, damit der SCK mehr Siege landen kann?

Ich erwarte und verlange von meinen Spielern mehr Aufmerksamkeit für die entscheidenden Details. Wir haben einige Partien kurz vor Spielende aus den Händen gegeben. Wenn wir in aussichtsreicher Position sind, müssen wir cool bleiben. Wir müssen uns in der Chancenauswertung steigern, bei den Standardsituationen im gegnerischen Strafraum und auch im eigenen effi­zienter arbeiten. Ja, ich verlange eine Qualitätssteigerung von jedem einzelnen Spieler. Aber ich finde auch: Kriens hat in der Vorrunde teils beherzte, begeisternde Spiele gezeigt und ist nach wie vor eine Bereicherung für die Challenge League.

Und was lässt Sie an den Klassenerhalt glauben?

Meine Mannschaft! Meine Clubführung! Mein Staff! Beim SCK arbeiten so viele Leute mit Herz und Engagement. Das gibt mir das Gefühl: Die Überzeugung ist da, wir packen es.

Sind Sie der Trainer mit dem Zuckerbrot oder mit der Peitsche?

Man muss wohl beides im richtigen Moment einsetzen. Aber ich glaube, ich bin ein Trainer, der von der ‹Ruhe› her kommt.

Hatten Sie unterdessen Angebote von anderen Clubs?

Nein. Im Sommer 2020 werde ich die Uefa-Pro-Lizenz haben. Jetzt gilt es für mich, mit Kriens Punkte zu holen.

Kriens hat in der Rückrundenvorbereitung vier von fünf Testspielen gewonnen. Sind Sie zufrieden?

Nur teilweise. Denn es gibt immer noch sehr viel zu verbessern. Aber meine Jungs sind ganz klar weiter als noch in der Winterpause vor einem Jahr. Und wir konnten immerhin die ersten Siege im neuen Stadion landen, auch wenn es nur Testspiele waren. Ausserdem erfreulich: Wir haben zweimal zu null gespielt.

Ihre Taktik für das Startspiel in Lausanne?

Wir wollen stabil verteidigen, sind aber auf Angriff eingestellt. Das ist meistens so bei mir. Im Testspiel gegen den FCL-Nachwuchs haben meine Spieler zu viel quer gespielt. Da haben sie mich dann aber sofort gehört. Von Lausanne, das im Vergleich mit dem SC Kriens ein zehnfach höheres Budget hat, erwarten wir sehr viel Druck.

Gibt es vor dem Spiel gegen Lausanne beim SC Kriens Verletzte oder Absenzen?

Alle Mann an Bord.

Auch Captain Daniel Fanger, der ja aufgrund seiner Arbeit für den Internationalen Skiverband an einigen Wochenenden bei Skirennen weilt und für den SCK nicht im Einsatz stehen kann?

Ob Fanger dabei ist oder nicht, werden wir im Vorfeld der Spiele dem jeweiligen Gegner sicher nicht unter die Nase reiben.

Sie haben einige Fussballvereine kennen gelernt, als Profi selber bei GC gespielt, beim FC Basel, beim SC Freiburg, bei Leicester City und bei den Blackburn Rovers. Seit eineinhalb Jahren sind Sie nun in Kriens. Was ist der SC Kriens für ein Club?

Ein Club mit warmem Herzen, ein familiärer Verein. Ein Club aber auch, der meiner Meinung nach in die Challenge League gehört, und diese Liga ist für den SCK mit dem aktuellen Modell nur kurzfristig zu halten. Wenn Kriens in der zweithöchsten Schweizer Liga bleiben will, muss er dieses Modell mit Amateurspielern überdenken.

Der SC Kriens steigt im Sommer nicht ab, weil ...

... der SCK mindestens ein anderes Team hinter sich lassen wird.

Transfers und Testspiele
Zuzüge: Omer Dzonlagic (Thun), Albin Sadrijaj (FC Zürich U21), Liridon Berisha (FC Zürich U 21).
Abgänge: Dominic Schilling (Goldau), Kevin Röthlisberger (Cham), Dario Kurmann (Schötz), Marco Mangold (Zug 94).
Testspiele:
Kriens – Köniz (Promotion League) 2:1 (Tore für Kriens: Chihadeh, ­Selmani).
Kriens – Cham (PL) 3:0 (Siegrist, Sulejmani, Chihadeh).
Kriens – Bellinzona (PL) 2:1 (Chihadeh, ­Siegrist).
Kriens – FC Luzern U 21 (1. Liga) 2:0 (Costa, Wiget).
Thun (Super League) – Kriens 1:0.