Sportgericht entscheidet über Zukunft bei den Frauen: Sechs Antworten zu sechs Fragen

Caster Semenya ist intersexuell. Ein Sportgericht entscheidet nun über ihre Zukunft bei den Frauen.

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Caster Semenya. (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)

Caster Semenya. (Bild: Laurent Gilliéron / Keystone)

Wieso ist Testosteron im Sport ein Vorteil?

Das Sexualhormon Testosteron, das von den Hoden und in weitaus geringerem Mass von den Eierstöcken produziert wird, gilt als Grund, wieso Männer im Sport gegenüber Frauen einen Leistungsvorteil haben. In der Leichtathletik liegt der Leistungsunterschied zwischen Frauen und Männern über alle Disziplinen hinweg bei 10 bis 12 Prozent. Die Einnahme von synthetischem Testosteron gilt als Doping, das vor allem im Frauensport oft angewendet wird.

Was will die Regelung?

Die Regelung betrifft Athletinnen mit sieben definierten Unterschieden bei den Geschlechtsmerkmalen. Diese dürfen an Wettkämpfen auf Strecken zwischen 400 m und einer Meile nur noch dann in der Frauenkategorie starten, wenn ihr Testosteronspiegel seit mindestens sechs Monaten kontinuierlich auf unter 5 Nanomol pro Liter reduziert ist. Der Weltverband stützt sich auf Studien, wonach Athletinnen mit erhöhtem Testosteronwert in den fünf betroffenen Disziplinen einen Leistungsvorteil zwischen 1,78 und 4,53 Prozent besitzen.

Wieso wurde der Grenzwert von 5 nmol/l gewählt?

Als normale Testosteronwerte bei Frauen gelten 0,12 bis 1,79 nmol/l im Blut. Die Bandbreite bei Männern liegt im Vergleich zwischen 7,7 und 29,4 nmol/l. Frauen mit einem polyzystischen Ovarialsyndrom (POS) können hingegen einen Wert von bis zu 4,8 nmol/l aufweisen. POS ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen. In Europa sind je nach Schätzung vier bis zwölf Prozent der Frauen davon betroffen.

Wie wird der Testosteronwert gesenkt?

Die Behandlung erfolgt mit einem Hormonpräparat, das der Verhütungspille ähnelt. Einige Wissenschafter gehen davon aus, dass diese Massnahme Caster Semenya über 800 m um fünf bis sieben Sekunden langsamer macht. Kritiker behaupten auch, die Einnahme dieses Medikaments könne Folgen auf die körperliche wie mentale Gesundheit haben. Der Leichtathletikverband bestreitet dies. Als Alternative gilt die operative Entfernung der männlichen Geschlechtsmerkmale.

Wie viele Sportlerinnen sind betroffen?

Aus Gründen des Datenschutzes sind genaue Zahlen im Sport nicht bekannt. Der Leichtathletikverband sagt, dass rund 30 Athletinnen betroffen sind. Die meisten davon starten auf den betroffenen Mittelstrecken. Statistisch kommen auf 1000 Spitzensportlerinnen in der Leichtathletik 7,1 mit Testosteronspiegel. Diese Zahl ist deutlich höher als der allgemeine Durchschnitt. Man geht davon aus, dass maximal 1,5 Prozent der Menschen unterschiedliche Geschlechtsmerkmale aufweisen.

Bis wann entscheidet das Sportgericht?

Das Urteil wird spätestens am 26. März verkündet. Dieses Datum ist nicht zufällig gewählt. Ein halbes Jahr später ­beginnen in Qatar die Weltmeisterschaften. Damit könnten intersexuelle ­Athletinnen die Vorschriften für einen WM-Start genau einhalten. (rs)