SEGELN: Erfolgreiche Zuger Junioren

Gleich fünf junge Regatteure haben sich für Welt- und Europameisterschaften qualifiziert. Das ist angesichts der schwierigen schulischen Voraussetzungen umso höher zu werten.

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Livio Erni (links) vom Segelclub Cham hat sich mit dem Bieler Florian Geissbühler für die Europameisterschaft qualifiziert.

Livio Erni (links) vom Segelclub Cham hat sich mit dem Bieler Florian Geissbühler für die Europameisterschaft qualifiziert.

Vor zwei Wochen noch waren Achille Casco und Manuel Herbst nach einem Bootscrash mit ihrer 420er-Jolle bei der Heimregatta bitter enttäuscht (Sportjournal vom 23. Mai), aber bereits einige Tage später war das Duo mit professionell repariertem Boot an einer Qualifikationsregatta am Gardasee (ITA) erfolgreich. In einem starken internationalen Feld von 36 Teams belegten sie nach neun Wettfahrten den dritten Platz. Damit haben sich die 16- und 17-jährigen Chamer für die Junioren-EM in Riva del Garda qualifiziert. Mit Livio Erni, der zusammen mit einem Bieler Segler regattiert, darf auch noch ein dritter Akteur vom Segelclub Cham daran teilnehmen.

Auch bei den kleinen Optimisten-Booten sind junge Zuger erfolgreich. Nach der letzten Selektionsregatta in Holland steht fest, dass zwei der fünf jungen Schweizer Segler, die im Sommer an die Weltmeisterschaft nach Thailand fahren dürfen, aus dem Kanton sind: Maxime Thommen vom YC Zug und Maxim Dneprov vom SC Cham.

Für Carmen Casco, die Juniorenbeauftragte des Chamer Segelclubs, kommen diese guten Ergebnisse nicht zufällig: «Wir nehmen Kinder schon mit sechs Jahren auf, haben einen langjährigen, soliden Trainerstaff und suchen auch immer Möglichkeiten, Kinder in Lagern zu fördern. Kontakte mit anderen Gewässern und fremden Regatteuren bringen nicht nur die grössten Fortschritte, dieses Umfeld wirkt auch stark motivierend.»

Sportgymnasium nimmt keine Segler

Da die Windverhältnisse am Meer viel besser sind, trainieren junge Elitesegler oft im Ausland. Für Schüler und Gymnasiasten bedeutet dies, dass es nebst den Schulausfällen bei Regatten zu noch mehr Absenzen kommt, bis zu fünf Wochen pro Schuljahr. Das ist noch verkraftbar, wenn junge Sportler die Volksschule besuchen, wer aber ans Gymnasium geht, bekommt grosse Probleme, die schulischen Anforderungen zu meistern. Der Besuch eines Sportgymnasium wäre für diese Regatteure die ideale Lösung. Aber das Sportgymnasium Luzern nimmt keine Segler auf. Eine entsprechende Anfrage hat Stefano Nicosanti, Leiter der Sport- und Musikklassen an der Kantonsschule Alpenquai, Luzern, schriftlich wie folgt beantwortet: «Ich pflege keine Zusammenarbeit mit einem Segelverein oder mit dem Segelverband.»

Natürlich ist Segeln im Binnenland Schweiz eine Randsportart. Der Segelsport geniesst aber weltweit eine hohe Popularität, und, seitdem die Schweiz schon zweimal bei den jüngsten Seglern den Weltmeister stellen konnte und in Rio olympische Medaillen nur knapp verfehlt hat: Wäre es nicht an der Zeit, umzudenken?

Walter Rudin

sport@zugerzeitung.ch