Moto-2

Sein Motorrad röstet ihn: Dominique Aegerter muss lügen, um einen Skandal zu verschweigen

Dominique Aegerter hält seinen Kopf hin, um seinen technischen Ausrüster nicht zu kritisieren. Er sagt: «Die Luft ist mir ausgegangen. Ich musste auf den Geraden den Kopf heben, um Sauerstoff zu bekommen.» Dabei gibt sein Teamchef zu: Aegerter musste ausscheren, weil sich sein Motorrad viel zu sehr aufheizt.

Klaus Zaugg
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Bei Dominique Aegerter überhitzt das Motorrad, womit es für ihn brutal heiss wird.

Bei Dominique Aegerter überhitzt das Motorrad, womit es für ihn brutal heiss wird.

Keystone

Jammern über die Technik ist im Macho-Milieu Töff unehrenhaft. Und nicht gut fürs Geschäft. Kein technischer Ausrüster liest oder hört gerne über Mängel an seinen Höllenmaschinen.
Deshalb sagt Dominique Aegerter nach dem 17. Platz in Barcelona kleinlaut: «Die Luft ist mir ausgegangen. Ich musste auf den Geraden den Kopf heben, um Sauerstoff zu bekommen. Ich konnte einfach nicht mehr. Sonst wäre wohl ein 8. Rang möglich gewesen.» Er nimmt die Schuld auf sich. So möge die Kirche im Dorf leiben.

Aber die Kirche ist schon lange nicht mehr im Dorf. Ein Fahrer, der das Talent für Podestplätze hat, schafft es gerade in die 7. Startreihe (19.) und im Rennen auf den 17. Platz. Das stimmt etwas nicht. Und die Erklärung des Piloten ist ein Witz. Aegerter geht schon vor der Rennhälfte die Luft aus? Einem der am besten trainierten Töffpiloten der Welt? Einem jungen Mann, der Marathonläufe bestreitet?

Dominique Aegerter: «Die Luft ist mir ausgegangen. Ich musste auf den Geraden den Kopf heben, um Sauerstoff zu bekommen. Ich konnte einfach nicht mehr. Sonst wäre wohl ein 8. Rang möglich gewesen.»

Dominique Aegerter: «Die Luft ist mir ausgegangen. Ich musste auf den Geraden den Kopf heben, um Sauerstoff zu bekommen. Ich konnte einfach nicht mehr. Sonst wäre wohl ein 8. Rang möglich gewesen.»

Keystone

Tatsächlich ist Aegerters Erklärung barer Unsinn. Das Problem ist die Technik. Die gefährliche Überhitzung der Motoren. Diese bringen die beste Leistung bei einer Betriebstemperatur von knapp 80 Grad. Heisser sollten die Triebwerke nicht werden. Weil dann die Leistung abbaut. Wenn ein Motor gar über 100 Grad erhitzt, dann nimmt die ganze Maschine die Hitze auf, wird im besten Sinne zu einer Höllenmaschine und macht das Fahren für den Piloten zur Qual. Wie die neue Suter.

Das Problem mit der Maschine

Teamchef Jochen Kiefer bestätigt den Augenschein des Chronisten in der Box: «Ja, es stimmt, die Überhitzung war besorgniserregend. Die Temperatur stieg auf über 100 Grad. Dominique konnte nicht mehr Windschatten fahren. Er musste ausscheren, um sich und den Motor zu kühlen ...» Aegerter wurde in Barcelona auf einer Maschine, die 100 Grad Hitze abstrahlte, buchstäblich geröstet. Er musste auf den Geraden nicht den Kopf heben, um Sauerstoff zu bekommen – sondern um sich zu kühlen.

Aegerter gehört zu den am besten trainierten Töffpiloten der Welt.

Aegerter gehört zu den am besten trainierten Töffpiloten der Welt.

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In der Moto2 haben alle die gleichen Motoren (Honda) und die gleichen Reifen – aber unterschiedliche Fahrgestelle und Verschalungen. Das Marc VDS-Team, das mit Alex Marquez und Franco Morbidelli die Klasse dominiert, hat sogar ein eigenes Kühlungssystem für die Kalex entwickelt. Aegerter hingegen fährt auf einer Schweizer Suter-Maschine.

Kiefer sagt: «Der Kühler der Suter-Maschinen ist kleiner als bei der Kalex. Aber das eigentliche Problem ist ein anderes: die heisse Luft fliesst nicht ab und es kommt zu einem Hitzestau. Das wird bei Hitzerennen zum grossen Problem.» In Mugello hatte die Hitze bereits Probleme bereitet – aber bei einer Temperatur von 23 Grad und 31 Grad auf dem Asphalt ging es gerade noch. In Barcelona war es 32 Grad warm und der Asphalt erhitzte auf 50 Grad.

Dominique Aegerter in der Rekrutenschule.

Dominique Aegerter in der Rekrutenschule.

Keystone

Was nun? Bei Hitzerennen ist Aegerter arg im Nachteil. Kiefer verspricht Besserung. «Wir werden in den nächsten Tagen am Problem arbeiten. Aber auf die Schnelle ist keine Lösung möglich.» Kiefer ist zwar sauer, aber auch diplomatisch. «Es gibt nur Lösungen mit einer konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Hersteller.» Eskil Suter, der Schweizer Hersteller der Höllenmaschinen von Dominique Aegerter, ist gefordert.

Lüthi auf Rang drei

Tom Lüthi, auf einer Kalex unterwegs, schloss derweil mit Rang drei bis auf sieben Zähler zu WM-Leader Franco Morbidelli auf, der gestern nur Rang sechs belegte. Der Schweizer Töffstar will aber noch nichts wissen von einem Titelkampf mit dem Italiener: «Ich nehme Rennen für Rennen. Wenn ich und meine Mechaniker-Crew weiterhin so gut schaffen, ist aber vieles möglich.»