Seltsamer Umgang mit dem FCL-Trainer: Meyers Interview bleibt rätselhaft – Häberli war nur mal kurz weg

Beim FC Luzern trainiert das in der Nati-Pause reduzierte Team mit Thomas Häberli, derweil schon neue Trainernamen die Runde machen.

Daniel Wyrsch
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FCL-Sportchef Remo Meyer (rechts) hat Trainer Thomas Häberli demontiert, wie das im Wallis bei Sion-Präsident Christian Constantin (links) mit den Coaches schon oft geschah. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 15. April 2018)

FCL-Sportchef Remo Meyer (rechts) hat Trainer Thomas Häberli demontiert, wie das im Wallis bei Sion-Präsident Christian Constantin (links) mit den Coaches schon oft geschah. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern, 15. April 2018)

Das Interview mit Luzern-Sportchef Remo Meyer nach der 1:2-Heimpleite gegen Servette hat hohe Wellen geschlagen. Wie noch nie hatte der sonst zurückhaltende 39-jährige Ex-Profi Kritik geübt, Trainer Thomas Häberli und die Leistungen der Mannschaft getadelt. Drei Niederlagen in Serie wurden bereits Häberlis Vorgänger René Weiler im Februar zum Verhängnis. Nur neun Monate später deutet alles darauf hin, dass auch die Zeit des Ballwilers Häberli beim FC Luzern bald abgelaufen ist.

Was der Sportchef mit dem Rundumschlag gegen seinen wichtigsten Mitarbeiter bezwecken wollte, bleibt rätselhaft. Für einige war es der ultimative Weckruf, für die meisten eine Demontage des Coaches, wie man das sonst nur im Wallis, in der Türkei oder in Italien erlebt.

Trainer ohne Job-Sicherheit bis zum nächsten Spiel

Remo Meyer will sich immer noch nicht äussern. Er bleibt bei seinen Aussagen im erwähnten Interview («zentralplus»), der Sportchef spricht nur intern. Offiziell stehen ihm dafür nur noch zwei Verwaltungsräte zur Verfügung: Präsident und Geschäftsführer Philipp Studhalter sowie Geldgeber Josef Bieri. Bekanntlich befindet sich derweil Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg mit den ebenfalls zurückgetretenen Verwaltungsräten Marco Sieber, Hans Schmid und Samih Sawiris in einem selbstzerstörerischen Kampf um die Besitzverhältnisse des Traditionsklubs.

Weil sich Meyer ohne Not aus dem Fenster lehnte und Häberli bis über die Nati-Pause hinaus keine Job-Garantie gibt, ist nun auch unklar, wer den FCL in zehn Tagen im nächsten Meisterschaftsspiel coacht. Am Samstag nächster Woche geht’s für die auf Platz 7 stehenden Innerschweizer auswärts gegen den viertplatzierten FC Zürich.

Häberli weiss zwar nicht, ob er Ludovic Magnin dann gegenübersteht, aber den FCZ-Trainer hat er am Dienstag in Gümligen BE getroffen. Ein obligatorischer Trainerkurs für Inhaber der Uefa Pro Lizenz stand auf dem Programm. Häberli war also nur kurz mal einen Tag weg, das Training leitete Assistent Manuel Klökler. Gestern Mittwoch übernahm der angezählte Cheftrainer wieder, zwei Einheiten standen auf dem Programm.

Van Eck würde für Luzern seine Mähne abschneiden

Bei der Trainertagung konnten sich die Coaches übrigens von der strukturierten Arbeitsweise von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer inspirieren lassen. René van Eck, der FCL-Aufstiegstrainer von 2006 mit Kultstatus bei den Fans, war begeistert von Fischers Vortrag.

Der 53-jährige Holländer würde übrigens per sofort auf die Allmend zurückkehren, wenn er denn könnte. Alpstaeg hatte aber schon vor Jahren gesagt, dass René van Eck mit den langen und wilden Haaren unter ihm in Luzern nicht eingestellt werde. Van Eck wiederholte, was er bereits damals gesagt hatte: «Sobald mir Alpstaeg und der FCL einen Vertrag geben, lasse ich mir die Mähne abschneiden.» Gestern flog er zurück nach Rotterdam, wo er seit Juni und dem selbst beendeten FCZ-Engagement wieder lebt.

Kommt Marc Schneider aus Thun oder SCK-Coach Bruno Berner?

Andere, realistischere Namen für die im Raum stehende Nachfolge von Häberli machen die Runde. Zum Beispiel der Name von Stéphane Henchoz (vorher Sion und Xamax). Urs Meier (früher FCZ und Rapperswil) soll gute Kontakte zu Meyer haben. Auf dessen Liste sollen weit oben Thun-Trainer Marc Schneider sowie Kriens-Coach Bruno Berner stehen.