YB-Trainer Seoane vor der Begegnung mit seinem Ex-Verein FCL: «Mit einem 1:0 wäre ich zufrieden»

Gerardo Seoane führte den FCL einst auf Platz 3. Am Samstag (19.00) ist ein Sieg mit YB gegen seinen kriselnden Ex-Klub Luzern absolute Pflicht.

Daniel Wyrsch aus Bern
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Gerardo Seoane hat mit YB auch europäisch Erfolg.

Gerardo Seoane hat mit YB auch europäisch Erfolg.

Bild: Luis Vieira/Keystone

Zu Besuch bei Gerardo Seoane im Berner Stade de Suisse, das bald wieder Wankdorf heisst. Der frühere Trainer des FC Luzern nimmt sich 45 Minuten Zeit. Bei den Young Boys ist der Luzerner mit spanischen Wurzeln angekommen. «Es gefällt mir sehr, im ersten Jahr durfte ich hier einiges erleben», sagt Seoane. Der 41-Jährige verteidigte mit YB den in der Vorsaison erstmals nach 32 Jahren unter Adi Hütter gewonnenen Meistertitel und qualifizierte sich für die Champions League.

Cheftrainer Gerardo Seoane sieht sich bei YB als Teil eines Teams mit grosser sportlicher Kompetenz, das angeführt wird von Sportchef Christoph «Wuschu» Spycher, zu dem auch Chefscout Stéphane Chapuisat, Nachwuchschef Gérard Castella und Verwaltungsrat Ernst Graf gehören. «Weil ich sehr gute Leute um mich herum habe, entwickelte ich mich in den letzten eineinhalb Jahren extrem weiter.» Seoane profitiert von Spezialisten, holt sich beispielsweise bei YB-Kommunikationschef Albert Staudenmann Ratschläge im Umgang mit den Medien. Oder er geht zu «Chappi», wenn er Tipps braucht für das Training mit den Stürmern.

Familiärer Zusammenhalt bei den Young Boys

Die Wege sind kurz. Seoane und sein Staff trainieren mit der Mannschaft meist auf dem Kunstrasen im Stadion, die Kabine befindet sich wenige Meter hinter dem einen Tor, direkt darüber befinden sich die Büros der sportlichen Abteilung. «Es geht sehr natürlich, sehr eng und sehr familiär zu und her bei YB, oft gehen wir zusammen zum Mittagessen ins Stadionrestaurant Eleven», erzählt Seoane. Man spürt, der Meistertrainer aus der Innerschweiz fühlt sich wohl in der Bundeshauptstadt.

Zuletzt hat die Mannschaft, die im Sommer acht Abgänge und zusätzlich viele Verletzte zu verkraften hatte, allerdings zwei schmerzhafte Niederlagen hinnehmen müssen. Zuerst ein 1:2 zu Hause in der Europa League gegen Porto und letzten Sonntag gar ein 0:3 beim Meisterschaftshauptrivalen Basel. «Resultatmässig war das eine schlechte Woche, aber wir konnten daraus wichtige Erkenntnisse gewinnen», erklärt der Coach.

Für den erfolgsverwöhnten Seoane ist es eine ungewohnte Situation, fast so etwas wie eine Minidelle. Beim FCL vom U21-Trainer zum Teamchef befördert, führte er eine bescheidene Equipe mit 34 Punkten aus 17 Partien vom vorletzten auf den dritten Rang. Bei YB holte er nicht nur den Titel, sondern hat das Team bis zum heutigen Tag mit seltenen Ausnahmen permanent auf Platz 1 gehalten.

Wegen Lustenberger macht Seoane eine Ausnahme

«Ich rede eigentlich nie über Abwesende, da jetzt aber einer wie Fabian Lustenberger ausfällt, wenn wir sonst schon viele Verletzte haben, dann spürt man das schon», spricht Seoane tatsächlich ausnahmsweise Personalprobleme an. Lustenberger sei für YB das Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff – wie auch zum Trainer. Der frühere FCL-Spieler aus Nebikon ist wie der Coach, dessen Assistent ­Pat­rick Schnarwiler und sogar Scout Oliver Schmid Luzerner.

Pikant also, wenn YB heute in der zweitletzten Ligapartie vor der Winterpause den FCL empfängt. Obwohl Seoane bei seinem Team eine mentale Müdigkeit festgestellt hat, hält er nichts davon, im Hinblick auf das finale Gruppenspiel der Europa League am Donnerstag bei den Glasgow Rangers die Kräfte zu dosieren. Obwohl der Leader YB auf das achtplatzierte Luzern trifft, müsse man den Leuten erklären: «Es spielen elf gegen elf, in beiden Mannschaften gibt es Topspieler. Jedes Mal ist es ein Kampf, der bei null anfängt.» In der umgekehrten Rolle gegen Porto mit einem Budget von 400 Millionen Franken würden sie sich als YB mit ihren 60 Millionen Franken auch sagen: «Auf dem Platz haben wir gegen diesen Gegner unsere Chance!»

Zuspruch für möglichen Luzerner Debütanten

Über Luzerns fünf Niederlagen in Serie sowie die sechs bis sieben abwesenden Stammkräfte weiss Seoane Bescheid. Trotzdem sagt er: «Ich wäre mit einem 1:0-Sieg zufrieden.» Ashvin Balaruban (18) könnte beim FCL zum Debüt kommen. Seoane kennt ihn, hatte den Verteidiger trainiert, bezeichnet ihn als talentierten Spieler. «Fussball ist ein Mannschaftssport, das Team muss Ashvin solidarisch helfen.» Das ist Seoanes Philosophie, die perfekt zu YB passt.