Nach der WM-Vergabe

Sepp Blatter: «Ich brauche keine kugelsichere Weste»

Nach der umstrittenen WM-Vergabe an Russland und Katar hat er sechs Tage lang geschwiegen. Nun spricht Fifa-Präsident Sepp Blatter über Korruption, die Arroganz des Abendlandes, persönliche Angriffe und seine grösste Vertrauensperson.

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Keystone

«Ich wüsste nicht, was man der Fifa vorwerfen könnte», sagt Sepp Blatter im Interview in der aktuellen «Weltwoche». Was die Vergabe der WM angehe, sei nichts passiert, was von juristischer Bedeutung wäre.

Überrascht sei er aber schon, dass ausgerechnet in England, dem Mutterland des Fairplay-Gedankens, sich einige Leute als schlechte Verlierer erweisen würden. «Ich spüre in gewissen Reaktionen tatsächlich ein wenig die Arroganz des Abendlandes christlicher Prägung.»

Auch mit den Medien geht Baltter hart ins Gericht: «Die Unseriosität der Angriffe zeigt sich darin, dass man mich gar nicht erst fragt», so Blatter weiter. Die Anti-Fifa-Journalisten seien nicht an der Wahrheit interessiert, sondern an der Fortschreibung ihrer falschen Vorurteile. Und dann legt Blatter gleich noch eine Schippe drauf: «Ich sage es deutlich: Es gibt keine systematische Korruption in der Fifa. Das ist Unsinn.»

Blatter, der Entwicklungshelfer

Der Fifa-Boss sieht auch nichts Verwerfliches daran, die WM in Regionen zu vergeben, in denen der Fussball noch keine grosse Rolle spielt. «Was ist falsch daran, wenn wir mit dem Fussball in Regionen aufbrechen, wo diese Sportart ein Potential aufweist, das weit über den Sport hinausgeht?», fragt der Walliser.

Es sei schon immer seine Philosophie gewesen, die Expansion voranzutreiben. Er habe als Entwicklungsberater vor über 30 Jahren bei der Fifa angefangen, das sei er bis heute geblieben.

Einsames Amt

Trotzdem: Die Angriffe auf seine Person tropften nicht einfach von ihm ab, so Blatter. «Ich schlafe aber noch immer gut, habe mir einen Schutzwall aufgebaut und brauche keine kugelsichere Weste.»

Freunde habe er aber tatsächlich fast keine. Seinem Nachfolger würde er deshalb sagen: «Mach dich darauf gefasst, dass du keine Freunde haben wirst.» Sein einziger Freund sei gestorben, das mache ihn noch heute traurig und seine einzige Vertrauensperson sei seine Tochter.

Auf die Frage, ob es für ein Leben nach der Fifa gebe, antwortete der 74-Jährige fast schon philosophisch: «Ja, es gibt ein Leben nach dem Tod.» (jep)