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Serena Williams am US-Open: Dem Druck nicht gewachsen

Der erste Grand-Slam-Triumph einer Japanerin durch die 20-jährige Naomi Osaka am US Open in New York wurde von den Diskussionen um das Verhalten von Serena Williams überschattet. Nicht zum ersten Mal zeigte sich die Amerikanerin als schlechte Verliererin.
Christian Finkbeiner (Keystone-SDA), New York
Naomi Osaka und Serena Williams (von links) an der Siegerehrung des US Open. (Bild: EPA/DANIEL MURPHY)

Naomi Osaka und Serena Williams (von links) an der Siegerehrung des US Open. (Bild: EPA/DANIEL MURPHY)

Sie haderte und fluchte, zertrümmerte ihr Racket. Sie schimpfte und beleidigte, beschwichtige und flehte. Und als sich Serena Williams einigermassen beruhigt hatte und bei der Siegerehrung mit feuchten Augen die Zuschauer aufforderte, nicht mehr zu buhen, war es bereits zu spät. Der Schaden war angerichtet.

Die Amerikanerin hatte Anfang des zweiten Satzes wegen unerlaubten Coachings, das ihr Trainer Patrick Mouratoglou später zugab, und dem Zertrümmern ihres Rackets zwei Verwarnungen erhalten. Beim Stand von 3:4 beschimpfte sie den Referee Carlos Ramos und bezeichnete diesen erst als Lügner und dann als Dieb, worauf sie ihre dritte Verwarnung und einen Game-Abzug kassierte. Noch auf dem Platz klagte Williams beim Turnier-Schiedsrichter und dem Grand-Slam-Supervisor, dass solche Worte bei den Männern alltäglich seien und keine Bestrafung zur Folge hätten.

Nicht zum ersten Mal verlor die bald 37-Jährige auf der grössten Tennis-Bühne der Welt die Nerven und zeigte sie sich als schlechte Verliererin. 2009 beleidigte sie im Halbfinal gegen Kim Clijsters eine Linienrichterin aufs Übelste, nachdem diese einen Fussfehler von Williams gesehen hatte, 2011 lieferte sie sich im Final gegen Sam Stosur ein Wortgefecht mit Stuhlschiedsrichterin Eva Asderaki. Und nicht zum ersten Mal verpasste es Williams in Flushing Meadows, eine historische Marke zu erreichen. Vor drei Jahren wurde sie auf dem Weg zum Grand Slam im Halbfinal sensationell von der Italienerin Roberta Vinci gestoppt.

Im Nachgang trieb der "Fall Williams" seltsame Blüten. Die WTA, die Organisation der Frauen-Tour, sah sich gezwungen, ein Communiqué zu verfassen, in dem sie Williams in Schutz nahm. Auch der Veranstalter meldete sich zu Wort und protokollierte noch einmal den Verlauf des Abends, ehe sich Katrina Adams, die Präsidenten der USTA, höchst persönlich dem Thema annahm und nur lobende Worte für die Verliererin fand. Williams selbst erhob später den Vorwurf des Sexismus. Von (Selbst-)Kritik fehlte bei allen jede Spur, obwohl Williams' Verhalten dem der wohl grössten Spielerin aller Zeiten nicht würdig war.

Osakas weise Worte

Im ganzen Theater um Williams ging die Leistung von Naomi Osaka etwas unter. Die 20-Jährige trat ihrem ersten Grand-Slam-Final im Stil eines Champions auf. Sie liess sich weder von den 24'000 Zuschauern, die komplett hinter Williams standen, noch von den Schimpftiraden ihrer Gegnerin oder den eigenen Emotionen aus der Ruhe bringen. Osaka blieb stets fokussiert und gewann in nur 79 Minuten verdient 6:2, 6:4.

Rang sie während der Siegerehrung noch um die richtigen Worte, gab sie später, als sie ihre Fröhlichkeit und Unbeschwertheit wieder zurückerlangt hatte, gegenüber der Weltpresse über alle möglichen Dinge Auskunft: über ihren Herkunftsort Osaka, über ihre geplanten Feierlichkeiten ("Ich schlafe oder spiele Video-Games"), ihren Vater, der während den Spielen nie im Stadion ist ("Ich sollte ihm eine GoPro-Kamera montieren"), ihre weiteren Ziele oder ihr Idol Serena Williams, von der sie einst in der Schule ein Porträt zeichnete und sagte, sie wolle so werden wie sie.

Nur einmal noch verlor die Japanerin, die als Dreijährige in die USA kam, die Contenance. Auf die Frage, warum sie sich bei Williams nach der Partie entschuldigt habe, sagte sie mit zittriger Stimme: "Ich wusste, dass Serena diesen 24. Titel unbedingt wollte. Jeder weiss das, man sieht es in jeder Werbung." Es waren die Worte, die das ganze Drama des Abends erklärten. Die Stärke der Gegnerin, die Erwartungshaltung des Publikums und der Allzeit-Rekord von Margaret Court vor Augen erwies sich ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter als zu viel für Williams. Ihr Warten auf Titel Nummer 24 geht weiter.

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