Sie führten Spono Eagles zu Titeln – jetzt spielen sie in Dänemark, Deutschland und Frankreich

Sie führten die Spono Eagles zu Titeln, nun spielen sie in verschiedenen Ligen: Lisa Frey (24), Chantal Wick (25) und Lea Schüpbach (22).

Stephan Santschi
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Lisa Frey, die Leaderin

Die 24-jährige Aargauerin wechselte im Sommer 2018 von den Spono Eagles nach Dänemark in die zweithöchste Liga zu Vendsyssel. «Mittlerweile bin ich hier angekommen. Ein Jahr habe ich für die Angewöhnung aber schon gebraucht, schliesslich war alles neu», erzählt Lisa Frey, die als Halbprofi angestellt ist und nebenbei mit Aushilfsarbeiten in einem Lager noch etwas dazuverdient. Mit ihrem Freund Tobias wohnt sie in Aalborg, rund 50 Kilometer vom Spielort Syvsten entfernt. «Dort haben wir nun eine eigene Halle, bis letzte Saison trugen wir unsere Heimspiele noch an verschiedenen Orten in der Region Vendsyssel aus.»

Lisa Frey beim Sprungwurf

Lisa Frey beim Sprungwurf

Bild: PD

Sportlich läuft es rund, ihr Team steht auf Platz zwei. Der Abschluss des Jahres gelang allerdings nicht, im Spitzenkampf bei Ringkøbing setzte es eine 18:30-Niederlage ab. Damit verlor Vendsyssel die Leaderposition an Ringkøbing, das vom ehemaligen Schweizer Frauen-Nationaltrainer Jesper Holmris gecoacht wird. «Am Ende möchten wir mindestens in den Top 3 sein, um in die Aufstiegs-Playoffs zu kommen. Wir sind auf Kurs.»

«Ich greife nicht mit Samthandschuhen zu»

Lisa Frey, die von 2012 bis 2018 in Nottwil spielte und dort je zweimal Meister und Cup-Sieger wurde, füllt mittlerweile auch in Dänemark eine Leaderrolle aus. In der 6:0-Abwehr fungiert sie als Chefin, im Angriff spielt sie als Rechtshänderin auf der anspruchsvollen Position im rechten Aufbau. In 10 Partien hat sie 32 Tore erzielt, wobei 12 durch Penaltys zu Stande kamen. Doch es ist ein anderer Wert, der aufhorchen lässt: Nur eine Zweiminutenstrafe hat sie sich eingehandelt. «Ich bin nicht die liebste Verteidigerin, ich greife nicht mit Samthandschuhen zu», erklärt sie fast schon rechtfertigend und lacht. «In Dänemark ist mehr erlaubt, wir sind hier näher an der internationalen Härte dran als in der Schweiz.»

Ihr Vertrag läuft Ende Saison aus, doch die 61-fache Schweizer Internationale würde gerne in Dänemark bleiben. In welchem Klub ist noch offen, aber fest steht, dass sie den Durchbruch auch in der höchsten Liga des Landes schaffen möchte. Aktuell weilt sie in der Schweiz, in Frick bei ihrer Grossmutter wird sie mit der Familie Weihnachten feiern. Dann geht es zurück nach Dänemark – bereits am 5. Januar wird die Meisterschaft fortgesetzt.

Chantal Wick, die Kämpferin

«Grundsätzlich gut, wir sind im Fahrplan.» So resümiert die 25-jährige Stadtzürcherin ihre ersten Monate in der 1. Deutschen Bundesliga, nachdem sie in der vergangenen Sommerpause aus Nottwil zur Neckarsulmer Sport-Union gewechselt war. Ihr Team steht zwar nach sieben Spieltagen nur auf dem 10. von 14 Tabellenplätzen. Doch das macht Chantal Wick keine grossen Sorgen. «Die Partien gegen die direkten Konkurrenten kommen erst noch», sagt sie. Freude macht ihr die Atmosphäre in der heimischen Ballei-Halle, die 1200 Zuschauer fasst. «Das ist etwas vom Coolsten hier.» Das nächste Heimspiel am 29. Dezember gegen die Kurpfalz Bären sei bereits ausverkauft.

Die persönliche Bilanz fällt derweil nicht ganz so positiv aus, «zu 100 Prozent zufrieden bin ich noch nicht». Als offensiv eingestellte Verteidigerin werden ihre Qualitäten auf der Zweier-Position zwar genutzt, vorne wünschte sich die bisher noch torlose Spielmacherin aber etwas mehr Spielzeit. «Ich habe mit dem Wechsel einen riesigen Schritt gemacht. Ich glaube aber, dass ich in diesem Team gut aufgehoben bin. Was ich jetzt brauche, ist Geduld», sagt Wick, die gerade ihr Masterstudium der Kommunikations- und Politikwissenschaften beendete und deren Profivertrag bis 2021 läuft. Bei der Integration geholfen hat ihr übrigens Seline Ineichen. Die Ruswilerin spielt seit 2015 in Neckarsulm und ist mittlerweile zum Captain aufgestiegen.

Chantal Wick

Chantal Wick

Bild: PD

Erschwerend kam für Chantal Wick hinzu, dass sie sich am Rücken verletzte. Die Schmerzen hätten sie schon länger begleitet, erst im November nach Abschluss der ersten Saisonhälfte sei aber die Diagnose «Bandscheibenvorfall» gestellt worden. Seither ist sie in der Physiotherapie, macht Kraft- und Ausdauertraining. Am 12. Januar, wenn zu Hause gegen Göppingen das Viertelfinalspiel des Deutschen Cups auf dem Programm steht, möchte sie wieder dabei sein. «Das Final-Four-Turnier zu erreichen, wäre eine Riesensache.»

7 Nationalspielerinnen im Ausland unter Vertrag

 Aktuell stehen sieben Schweizer Nationalspielerinnen im Ausland unter Vertrag. Fünf davon spielen in der 1. Deutschen Bundesliga, je eine in Frankreichs höchster Liga und Dänemarks zweiter Spielklasse (siehe Auflistung unten). Seline Ineichen ist zudem seit 2015 bei der Neckarsulmer Sport-Union engagiert und dort zum Captain avanciert. Die 29-jährige Ruswilerin läuft seit letztem Jahr nicht mehr für die Schweiz auf. Vor kurzem den umgekehrten Weg machte Xenia Hodel, die nach eineinhalb Jahren von Leverkusen zu den Spono Eagles zurückgekehrt ist. (ss)
Schweizer Legionärinnen. Deutschland, 1. Bundesliga: Manuela Brütsch (Bad Wildungen), Daphne Gautschi (Bietigheim, ex-Zug), Romy Morf (Göppingen, ex-Spono), Jennifer Murer (Blomberg-Lippe), Seline Ineichen, Chantal Wick (beide Neckarsulmer Sport-Union, beide ex-Spono). – Frankreich, Division 1: Lea Schüpbach (Paris 92, ex-Spono). – Dänemark, 1. Division (2. höchste Liga): Lisa Frey (Vendsyssel, ex-Spono).

Kein Zweifel: Die 23-fache Schweizer Nationalspielerin ist eine Kämpferin, davon profitierten auch die Spono Eagles, bei denen sie zwischen 2016 und 2019 spielte und einmal die Meistertrophäe und zweimal den Cup gewann. «Ich bin nicht mit dem grössten Talent gesegnet, deshalb sind der Kampf und die Härte wichtige Faktoren, die mich auszeichnen», erklärt Wick. In der Bundesliga will sie sich auf jeden Fall durchbeissen.

Lea Schüpbach, die Mutige

Bei den Spono Eagles war die Torhüterin nach ihrer Ankunft 2017 rasch zur Leistungsträgerin avanciert. Sie gewann eine Meisterschaft, zwei Cups und fühlte sich anschliessend zu Höherem berufen. «Mit Mut beginnen die schönsten Geschichten», so lautet das Motto von Lea Schüpbach. Und so wagte die Winterthurerin in dieser Saison im Alter von erst 22 Jahren den Sprung in die höchste französische Liga zu Paris 92. Dort beisst sie vorderhand auf hartes Brot, hinter der Tschechin Lucie Satrapova ist sie die Nummer zwei. «Klar habe ich nicht von Anfang an mit einer grossen Rolle rechnen können, ein wenig mehr Einsatzzeit wäre trotzdem schön», sagt sie. Immerhin stehe sie im Cup in der Startformation, da steht ihr Team in den Achtelfinals.

In der Meisterschaft läuft es den Pariserinnen ausgezeichnet, aktuell belegen sie den überraschenden vierten Platz, nachdem sie letzte Saison noch die Finalrunde (Top 8) verpasst hatten. Unvergesslich war das Startspiel in Brest vor knapp 4000 Zuschauern. «Vor so vielen Leuten habe ich noch nie gespielt, es war sehr eindrücklich», erzählt Schüpbach. In der Division 1 herrscht eine eigene Zählweise. Für Siege gibt es drei Punkte, für ein Remis zwei und selbst eine Niederlage wird noch mit einem Zähler belohnt.

Torhüterin Lea Schüpbach.

Torhüterin Lea Schüpbach.

Bild: PD

«Ich möchte nicht nach einer Saison in die Schweiz zurück»

Obwohl Schüpbachs Spielzeiten noch etwas zu wünschen übrig lassen, macht sie Fortschritte. Als Profi kann die Schweizer Nationaltorhüterin (20 Länderspiele) den Fokus auf Handball richten, in Nottwil war sie neben dem Sport noch zu 80 Prozent bei einer Glasfirma in Wikon angestellt. Ihr Vertrag läuft bis Ende Saison, dann verfügt sie über eine Option für ein weiteres Jahr. Wie es weiter geht, weiss sie noch nicht. «Ich möchte aber nicht schon nach einer Saison in die Schweiz zurückkehren.»

Und so hat Lea Schüpbach noch etwas Zeit, um Paris zu erkunden, den Sacré-Coeur zum Beispiel oder verschiedene Museen. «Im Moment bleibe ich aber eher zu Hause, seit zwei Wochen streiken die Metros» erzählt sie mit einem Lächeln. Wohnhaft ist sie in Issy-les-Moulineaux, einer 70000-Einwohnerstadt rund sieben Kilometer südwestlich von Paris, dort hat auch der Klub seine Heimat. «Es ist ein familiärer, sicherer Ort», erzählt Schüpbach, die etwa 20 Gehminuten von der Heimhalle entfernt lebt.