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Sie ist in der Schweiz das Mass aller Dinge im Geräteturnen: Sandra Garibay – zwischen Schnitzelgrube und Biologiestudium

An der 19-jährigen Sandra Garibay aus Adligenswil gab es im letzten Jahr fast kein Vorbeikommen. Auf den Lorbeeren ruht sie sich aber nicht aus, die Konkurrenz ist gewarnt. Obwohl ihre Prioritäten nicht nur beim Sport liegen.
Theres Bühlmann
Eine Tischbombe wird vielleicht auch am Silvesterabend gezündet, wenn Sandra Garibay im Kollegenkreis feiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 22. Dezember 2018))

Eine Tischbombe wird vielleicht auch am Silvesterabend gezündet, wenn Sandra Garibay im Kollegenkreis feiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 22. Dezember 2018))

Ihre Erfolge aufzählen? Das kann dauern. Was nicht weiter erstaunt, denn der Palmarès der 19-jährigen Geräteturnerin Sandra Garibay aus Adligenswil ist lang, sehr lang. 24 Medaillen hat sie an Schweizer Meisterschaften schon gewonnen, darunter 16 goldene, resultierend aus dem Mehrkampf, an den Gerätefinals und zusammen mit dem Turnverband Luzern, Ob- und Nidwalden an den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften. Dazu kommen jede Menge Auszeichnungen an regionalen Wettkämpfen sowie Titel und Podestplätze, die sie mit ihrem Verein, dem BTV Luzern, an den nationalen Vereinsmeisterschaften holte. Alles in allem mögen es wohl so um die 40 Medaillen an nationalen Titelkämpfen sein.

Auch im vergangenen Jahr gab es für die Konkurrentinnen fast kein Vorbeikommen an der elegant turnenden Sandra Garibay. An den nationalen Meisterschaften im November in Dietikon holte sie sich zum dritten Mal nach 2015 und 2017 den prestigeträchtigen Titel im Mehrkampf in der höchsten Stufe, der Kategorie 7, die auch als Königsklasse betitelt wird und deshalb im Geräteturnen äusserst wertvoll ist. In einer Sportart, die in dieser Form nur in der Schweiz ausgeführt wird und somit keine internationalen Weihen geniesst. Mit der Goldmedaille am Sprung und je einer silbernen Auszeichnung am Reck und an den Schaukelringen reiste sie als erfolgreichste Turnerin von diesen Meisterschaften nach Hause und avanciert somit zu einer der ganz Grossen im Turnsport. Sie ist für die jungen Turnerinnen zu einem Vorbild geworden, wird um Autogramme und Selfies gebeten: «Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich den Nachwuchs inspirieren kann», sagt Sandra Garibay.

Am Sprung ist sie der Konkurrenz voraus

Vor allem ihre Performance am Sprung sorgte für Aufsehen, sie zeigte den Doppelsalto gehockt und gebückt mit einer anschliessenden halben Drehung zum sicheren Stand und präsentierte das schwierigste Programm. Doch Sandra Garibay ruht sich nicht auf Lorbeeren aus, sie, die Perfektionistin, die immer wieder Neues anpeilt. «Ich bin immer bestrebt und kann mich motivieren, neue Elemente zu erlernen und daran zu feilen.» Also wird im neuen Jahr tüchtig daran geschraubt.

Die beiden Doppelsalti möchte sie mit einer eineinhalbfachen Drehung abschliessen. Um dies zu bewerkstelligen, trainiert sie ab und zu in der Turnwerkstatt in Malters, wo eine Schnitzelgrube zur Verfügung steht, um so die Landungen gefahrlos zu üben. «Im Training funktionieren die Abgänge schon ganz gut», sagt die 165 cm grosse Athletin. Aber nicht nur am Sprung will sie den Schwierigkeitsgrad erhöhen, auch an den anderen Geräten hat sie sich dies vorgenommen. Am Boden trainiert sie den freien Überschlag, am Reck eine freie Felge und an den Schaukelringen soll es in Zukunft der Doppelsalto gebückt als Abgang werden. Dies alles soll ihr im neuen Jahr zu weiteren Höhenflügen verhelfen. Vor allem ein Wettkampf steht im Fokus, das Eidgenössische Turnfest (ETF) in Aarau vom 13. bis 23. Juni. Dieser Grossanlass, der alle sechs Jahre zur Austragung gelangt, avanciert auch bei den Geräteturnern zu einem absoluten Highlight. Ein Eidgenössischer Turnfestsieg ist in dieser Sportart wohl das höchste aller Gefühle, zumal dieser Titel ausschliesslich der obersten Kategorie, also der K7, vorbehalten ist.

Doch ob Sandra Garibay im Sommer in Aarau am Start sein wird, ist noch nicht sicher, weil das ETF für die Biologiestudentin der Universität Zürich mitten in ihre Zwischenprüfungen fällt. «Das Studium hat Priorität», sagt die Luzerner Nachwuchssportlerin des Jahres 2015. Sollte ihre Wettkampfzeit am Wochenende terminiert werden, könnte es klappen – und dann gehört sie klar zu den Favoritinnen auf den Festsieg. Sonst haben ihre Konkurrentinnen freie Bahn.

Apropos Konkurrenz: Dass einige ihrer stärksten Widersacherinnen, Florence von Ziegler und Nicole Strässle, aus dem eigenen Verein, dem BTV Luzern, kommen, dem kann Sandra Garibay nur Positives abgewinnen: «Das sehe ich als grosse Motivation, man weiss immer, wo man steht, weil wir ja zusammen trainieren, und so mitbekommt, was die anderen draufhaben.»

Der Tipp der Primarlehrerin

Sandra Garibay fand relativ spät, erst im Alter von neun Jahren, zum Geräte­turnen. Dabei hatte sie familienintern ­einige Vorbilder in anderen Sportarten. ­Mutter Janine betätigte sich früher als Eiskunstläuferin, Vater Salvador, der aus Mexiko stammt, war Schwimmer und die drei Jahre ältere Schwester Adriana Hammerwerferinnen. Sandra spielte erst Badminton, besuchte auch ein Kunstturntraining, merkte aber bald, dass es in dieser trainingsintensiven Sportart äusserst schwierig ist, alles unter einen Hut zu bringen. Der Tipp einer Primarlehrerin brachte sie dann zum Geräteturnen. Ab und zu denkt sie daran, wo sie wohl heute stehen würde, wenn sie beim Kunstturnen geblieben und vielleicht an internationalen Anlässen dabei wäre. «Schade, dass Geräteturnen ausschliesslich in der Schweiz geturnt wird», sagt sie. Dass sie trotzdem zu einem internationalen Auftritt kommt, dafür sorgt die Gymnaestrada in Dornbirn vom 7. bis 13. Juli. Der BTV Luzern wird am Schweizer Abend die Schaukelringvorführung einem Publikum aus aller Welt präsentieren.

Neben ihrem Sport hat Sandra Garibay auch immer ein Augenmerk auf ihre berufliche Ausbildung. Nach der Matura 2017 legte sie ein Zwischenjahr ein, arbeitete während fünf Monaten bei einer Versicherung, bereiste dreieinhalb Monate lang Südamerika und Costa Rica und war auch als Aushilfe in einer Gärtnerei tätig. Im September nahm sie ihr Biologiestudium in Zürich auf, wohnt dort zusammen mit zwei Kolleginnen in einer WG. «Das mit den Ämtli funktioniert tipptopp», sagt sie. «Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, diskutieren wir das immer aus.» Das Training hat sie von einst 12 Stunden in der Woche auf 9 heruntergesetzt, um mehr Zeit für das Studium zu haben.

Zeit nahm sie sich auch über die Festtage. Weihnachten verbrachte sie mit ihrer Familie in Adligenswil, gemütlich, traditionell bei Fondue chinoise. Durchatmen, ausspannen, auftanken. Beim heutigen Silvesterabend ist Feiern im Kollegenkreis angesagt. Ausgehen, essen, das Jahr Revue passieren lassen. Was nimmt Sandra Garibay mit ins neue Jahr? «Veränderungen annehmen, immer das Beste daraus machen, Zeit frei halten und diese geniessen. Denn das Leben ist schön.» Nach ihren Vorsätzen gefragt, sagt sie: «Dinge, die ich erledigen muss, nicht immer aufschieben.»

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