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Nico Siegrist: «Wir müssen das Leiden annehmen»

Der SC Kriens spielt heute Samstag (17.30, Kleinfeld) gegen Servette. Trotz 1:1-Resultat im ersten Duell in Genf treten die Krienser mit grossem Respekt an. Aber auch mit dem Liga-Torschützenleader in den eigenen Reihen.
Arthur Bucher
Fühlt sich beim SC Kriens wohl: Nico Siegrist. (Bild: Eveline Beerkircher (Kriens, 25. Oktober 2018))

Fühlt sich beim SC Kriens wohl: Nico Siegrist. (Bild: Eveline Beerkircher (Kriens, 25. Oktober 2018))

Fussball-Luzern spricht zur Zeit nicht von Shkelqim Demashaj, auch nicht von Blessing Eleke, den Stürmern des FC Luzern. Fussball-Luzern spricht von Nico Siegrist, dem 27-jährigen Offensivspieler des SC Kriens. Siegrist, der einst ebenfalls für den FCL stürmte (52 Spiele/8 Tore), erstaunt sogar über die Zentralschweizer Fussballgrenzen hinaus: Als Spieler zwischen Mittelfeld und Sturm beim Aufsteiger-Underdog Kriens, der in der Tabelle lediglich auf dem 7. Platz rangiert, ist er der aktuelle Torschützenleader der Challenge League. Siegrist hat nach der Rückkehr des SCK in die Challenge League in 10 Spielen 8 Tore erzielt und dabei – wegen einer Gelb-Rot-Spielsperre – erst noch eine Partie weniger bestritten als zahlreiche Stürmer von höher dotierten Klubs der Liga.

Siegrist möchte die Spitzenposition in der Torschützenliste nicht überbewertet eingeordnet sehen. Er spricht von einem «klassischen Fussballphänomen. Mir ist es in diesen zehn Spielen einfach gut gelaufen, während anderen vielleicht weniger gelingt. Es werden auch wieder schwierigere Zeiten kommen.»

Beim familiären SCK auch als Mensch geschätzt

Ein Beispiel für «schwierigere Zeiten» gibt zur Zeit Teamkollege Saleh Chihadeh ab. Der palästinensische Nationalspieler aus dem Wallis traf in der Promotion League für Kriens 20-mal, in der Challenge League sind es bisher nur zwei Tore. Im Krienser Anhänger-Umfeld wird auch schon die eine oder andere Stimme laut, oder zumindest kleinlaut, dass Chihadeh in der zweithöchsten Liga der Schweiz wenn nicht überfordert, dann doch ziemlich deutlich am Lehrgeld zahlen sei. Doch Siegrist nimmt Stürmer Chihadeh, der in der Sommerpause vom FC Sion umworben worden war, sofort in Schutz: «Ich habe solche Situationen auch schon erlebt. Es spielt sich vieles im Kopf ab. Wenn du zwei, drei Torchancen hintereinander vergibst, machst du dir schnell einmal Gedanken. Andererseits: Wer gedacht hat, Chihadeh würde in der Challenge League nochmals 20 Tore schiessen, hat schlicht eine falsche Erwartungshaltung.» Siegrist findet aber, dass «Chihadeh auf dem Platz Schwerstarbeit verrichtet, und harte Arbeit wird irgendwann belohnt. Was er für uns auf dem Rasen leistet – ehrlich gesagt, ich möchte nicht mit ihm tauschen.»

Dass Siegrist aktueller Torschützenleader ist, bedeutet ihm selber nicht besonders viel. Er sagt: «Das ist eine Randnotiz, im Grunde genommen ist das egal. Ich weiss, dass ich einen grossen Einfluss auf unser Spiel habe, ich kenne meinen Wert für den SCK. Aber die Krienser schätzen mich auch als Menschen, das bedeutet mir mindestens ebenso viel.»

Als Siegrist noch als Stürmertalent beim FC Luzern galt und damals von Murat Yakin trainiert wurde, begab es sich einmal, dass Yakin Zettel an seine Spieler verteilte, um von ihnen zu erfahren, wie sie mit Druck umgehen würden. Siegrist erlaubte sich, zu Handen seines namhaften Trainers zu notieren, es gäbe auch noch Wichtigeres im Leben als Fussball. Diese Haltung vertritt Siegrist, der Sohn eines Luzerners und einer aus Molise (120 km nördlich von Neapel) stammenden Italienerin, auch heute noch.

Die Frage eines Angebots von einem höher klassierten Verein stellt sich für ihn deshalb heute nicht mehr. In Kriens ist er glücklich, zufrieden. Denn: «Als Spieler des SC Kriens kann ich mein Studium beenden, als Lehrer arbeiten und gleichzeitig auf recht hohem Niveau Fussball spielen. Ich glaube, es gibt keinen anderen Verein, der mir das bietet.» Siegrist arbeitet in Hitzkirch an der Sekundarschule als Fachlehrperson und unterrichtet in einem 65%-Pensum Sport, Geschichte sowie Geografie. Siegrist sagt: «Als ich im Sommer beim SC Kriens den Vertrag verlängerte, habe ich gar nicht verhandelt. Ich habe blind unterschrieben.»

HC Kriens statt SC Kriens gegen Servette?

Eines ist klar: Der SC Kriens könnte auf dem neuen Kunstrasen und im Kampf um den Ligaerhalt gut und gerne zwei, drei weitere Siegrists vertragen. Doch der SCK hat gar nicht die finanziellen Mittel, um Topspieler ins Kleinfeld zu locken und lotsen. «Es braucht nach 18 Spielen, nach Abschluss der Vorrunde, eine ehrliche, realistische, faire Analyse», meint Siegrist. «Eine Analyse, die offen legt, was und wie viel jeder einzelne Spieler gebracht hat. Einerseits kommen wir mit Schönreden nicht weiter, andererseits stellt sich die Frage, welcher neue Spieler in unser Team passt.»

Siegrist meint damit eine allfällige Verstärkung, die bereit wäre, sich für einen minimalen Lohn für den SCK zu opfern, «einen Spieler, der tatsächlich einen derart krassen Mehrwert darstellen würde, dass man sich sagen müsste: den müssen wir jetzt unbedingt holen.»

Nun kommt es heute Samstag also zum Duell mit dem Topteam von Servette. Die Krienser holten sich in Genf ein beachtliches 1:1. Trainer Bruno Berner und Sportchef Bruno Galliker schwärmten hinterher, das sei der bisher beste Gegner gewesen, auf den der SC Kriens getroffen ist. Auch Nico Siegrist meint: «Was die spielerische Qualität betrifft, ist Servette in dieser Liga sicher am falschen Ort.»

Das Spiel werde, so Siegrist weiter, aus Krienser Sicht «eine kämpferische Angelegenheit. Wir müssen bereit sein, zu leiden, müssen das Leiden annehmen. Es kann sein, dass wir unsere Strafraumlinie verteidigen werden müssen wie Handballer ihren Kreis.» Und es könne laut Siegrist sein, dass Kriens den Ball um die Ohren kombiniert bekomme, dass Servette 90 Prozent Ballbesitz habe. Aber: «Plötzlich machen sie Fehler, und diese Aussetzer müssen wir gnadenlos ausnützen.»

Mit dem 9. Saisontreffer durch Nico Siegrist vielleicht?

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