Sina Frei greift aus dem Sog des E-Bikes ihrer Mutter zur Medaille an der Mountainbike-EM

Mit den Europameisterschaften in Rivera im Tessin endet an diesem Wochenende die kurze Mountainbike-Saison. Mit Sina Frei zählt eine Schweizerin zu den grössten Anwärterinnen auf eine Medaille.

Simon Häring
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Bei den Weltmeisterschaften im österreichischen Leogang belegte Sina Frei den vierten Rang, 45 Sekunden hinter dem Bronzeplatz.

Bei den Weltmeisterschaften im österreichischen Leogang belegte Sina Frei den vierten Rang, 45 Sekunden hinter dem Bronzeplatz.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Ihr Palmarès ist derart reich geschmückt, dass man vermuten könnte, Sina Frei sei ein Naturtalent. Bei den Juniorinnen war die 23-Jährige Schweizer Meisterin in drei Radsportdisziplinen: auf der Strasse, im Cyclocross und im Mountainbiken. In der U23-Kategorie wurde sie zwei Mal Weltmeisterin und vier Mal Europameisterin. Doch sie habe sich alles hart erarbeiten müssen, sagte ihre Mutter einmal. Dazu passt auch die Anekdote aus den Anfängen der Karriere. Bei ihren beiden ersten Rennen als Kind sei sie nämlich Letzte geworden, sagt die 1,51 Meter grosse Frei.

Deshalb habe sie sich beim Übergang von der U23-Kategorie zur Elite, den sie schon letzte Saison eingeleitet hatte, nicht daran gewöhnen müssen, nicht immer zuoberst auf dem Podest zu stehen. Bisher belegte sie im Weltcup mehrfach den vierten Rang. Und am letzten Wochenende landete sie im österreichischen Leogang an den Weltmeisterschaften erneut auf dem ungeliebten vierten Platz, 45 Sekunden hinter dem Bronzeplatz. Sie sagt: «Ich arbeite daran. Aber als ich angefangen habe, habe ich auch nicht immer gewonnen. Ich habe das Verlieren schon als Kind gelernt.»

Fehlende Rennhärte

Was fehlte zur WM-Medaille, Sina Frei? «Sicher auch die Rennhärte», sagt sie. Ihre Konkurrentinnen hätten in den Sommermonaten zum Teil an kleineren Wettkämpfen teilgenommen, während sie in der Lenzerheide trainiert hat, wo ihre Familie eine Ferienwohnung besitzt. Gesellschaft leistete Frei die Mutter. «Sie ist Spielgruppenleiterin und konnte während der Pandemie nicht arbeiten.» Also begleitete sie ihre Tochter während der Trainings - allerdings auf dem E-Bike, wie Frei anfügt. Gab es nie so etwas wie einen Lagerkoller? «Nein, wir verstehen uns super», sagt Frei.

Die fehlende Rennhärte lässt sich während der kurzen Saison, die nun an diesem Wochenende mit den Europameisterschaften in Rivera im Tessin bereits endet, nicht mehr kompensieren. Dennoch rechnet sich auf der technisch anspruchsvollen Strecke gute Chancen aus, sagt Frei. Ihr Rezept für das Rennen? «Mich vorne einreihen und abwarten, wie sich die Situation entwickelt.» Auf der Strecke, die ihr liege, sei «alles möglich». Auch eine Medaille. Quasi aus dem Sog des E-Bikes ihrer Mutter. Sie, die als Kind erst immer Letzte wurde, wäre wieder ganz oben angekommen.