Olympische Spiele

«Sion 2026» sucht das Momentum – Swiss Olympic äussert sich zur Kandidatur

Im Sport spricht man vom Momentum, wenn es für eine Mannschaft oder einen Athleten wie am Schnürchen läuft. Die Schweizer Olympiabewerbung «Sion 2026» hat dieses Momentum definitiv noch nicht gefunden.

Rainer Sommerhalder
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Noch ist die Begeisterung für Olympische Spiele in der Schweiz überschaubar.

Noch ist die Begeisterung für Olympische Spiele in der Schweiz überschaubar.

Keystone

Das Land ist angesichts des Mammutprojekts keineswegs in kollektive Ekstase verfallen. Dies hat auch Swiss Olympic, der Dachverband des Schweizer Sports, in den letzten Wochen feststellen müssen.

«Ich hätte nach dem Entscheid des Bundesrates, die Spiele mit einer Milliarde Franken zu unterstützen, auch lieber mehr Rückwind gehabt als diesen starken Gegenwind», stellte Verbandspräsident Jürg Stahl fest. Es seien namhafte Personengruppen quer durch alle Gesellschaftsschichten gegen das Projekt.

Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg orakelte, dass die nationale Zustimmung durch die Volksbefragung im Kanton Wallis (10. Juni 2018) und die Behandlung des Geschäfts im National- und Ständerat (Wintersession 2018) wohl die grössere Hürde sei als die eigentliche Vergabe der Spiele durch das Internationale Olympische Komitee (IOC).

Roger Schnegg hat mit der Kandidatur für Sion 2026 noch einige Arbeit vor sich.

Roger Schnegg hat mit der Kandidatur für Sion 2026 noch einige Arbeit vor sich.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

«Auf jeden Fall steht uns noch sehr viel Überzeugungsarbeit bevor, wir sind in den nächsten Monaten stark gefordert», sagte Schnegg beim traditionellen Mediengespräch von Swiss Olympic in Zürich. Es sei bisher nicht gelungen, die Diskussionen in Medien und Öffentlichkeit von den negativ beladenen Themen «Kosten und Sicherheit» zu den positiven Aspekten einer Bewerbung zu verschieben.

Alte Geschichten um OK-Chef

Den Olympiamachern werden auch anderweitig immer wieder Steine in den Weg gelegt. Sei es bei SVP-Nationalrat Stahl mit den lautstarken Negativmeldungen zum Projekt durch die eigene Partei. Sei es im Wallis mit der hektischen Flucht von Olympia-Turbo Christian Constantin aus dem Organisationskomitee nach seiner Attacke auf Rolf Fringer.

Oder sei es diese Woche mit den Medienberichten zu Sions OK-Präsidenten Jean-Philippe Rochat und den «Panama Papers» im Zusammenhang mit seinem Arbeitgeber, der Lausanner Anwaltskanzlei «Kellerhals Carrard». Die Westschweizer Medien kritisieren zudem die Verflechtung Rochats mit dem IOC und dessen langjährigen Generalsekretär François Carrard.

SVP-Nationalrat Jürg Stahl.

SVP-Nationalrat Jürg Stahl.

KEYSTONE/GAETAN BALLY

«Ich sehe in diesen Storys keine Neuigkeiten und habe keine Freude daran, dass die Sache 18 Monate nach dem erstmaligen Erscheinen aufgewärmt wird», sagte Stahl und sprach Rochat sein vollstes Vertrauen aus.

Egal ob angemessene Kritik oder warme Luft – für den dringend benötigten Rückenwind sorgen solche Schlagzeilen nicht. Selbst die von allen Seiten betonte formidable Zusammenarbeit zwischen OK und IOC taugt nur bedingt für ein Momentum.

Es geht auch um das Image

Dass sich der olympische Verband mit einer halben Milliarde Bargeld und diversen Sachleistungen in ähnlicher Grössenordnung in die Winterspiele in der Schweiz einbringt, mag genauso lobenswert sein wie die Tatsache, dass das IOC einer Schweizer Kandidatur grundsätzlich viel Goodwill entgegenbringt.

Schliesslich geht es höchstgradig auch ums eigene Image. Doch angesichts wiederkehrender Korruptions- und Dopinggeschichten hat das IOC selber genug Bürde, den angestrebten Turnaround zu schaffen.

Die fünf Ringe haben viel von ihrer Strahlkraft verloren. Also müssen sich die Schweizer Olympiamacher auf andere Leuchttürme stützen, um dem Momentum doch noch den Weg zu bahnen. Eine Pro-Kampagne mit Schweizer Sympathieträgern gehört ebenso dazu wie die für nächste Woche geplante Vorstellung des konkreten olympischen Vermächtnisses.

Schweizer Höhenflüge bei den Winterspielen in drei Monaten in Pyeongchang schaden bestimmt auch nicht. Vielleicht gelingen diese ja dank der grössten Sportlerdelegation aller Zeiten.