Super League

Sion-Anwalt nach Verstössen gegen das Ausländergesetz: «Wir werden Rekurs einlegen»

Der FC Sion verstösst seit Monaten systematisch gegen das Ausländergesetz. Der Kanton Wallis hat reagiert und einige Entscheide getroffen. Sion-Anwalt Alexandre ZenRuffinen sagt nun, dass man dagegen vorgehen werde.

Sébastian Lavoyer
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Sions Léo Itaperuna wird ohne Bewilligung in der Promotion League eingesetzt. key

Sions Léo Itaperuna wird ohne Bewilligung in der Promotion League eingesetzt. key

KEYSTONE

Der FC Sion schert sich nicht gross um die geltende Gesetzgebung. Seit Monaten setzen die Walliser in der zweiten Mannschaft Spieler wie den Brasilianer Léo Itaperuna ein, Spieler, die nicht aus dem EU-Raum kommen und eigentlich nur in der Challenge League oder der Super League spielen dürften, so sieht es das Ausländergesetz vor. Am Montag bestätigte ein Beamter aus dem Wallis gegenüber der «Nordwestschweiz», dass man diesbezüglich ein Verfahren eröffnet und gewisse Entscheide in der Causa getroffen habe. Mehr Details wollte er nicht bekannt geben, nur dass diese Mitte April in Kraft treten könnten.

Die illegal eingesetzten Spieler in der U21 von Sion

1. Runde Chaux-de-Fonds – FC Sion U21 3:0
Eingesetzte Spieler aus Drittstaaten: keiner

2. Runde FC Sion U21 – FC Breitenrain 2:0
Léo Itaperuna (Brasilien, 1 Tor),
Elhadji Abdoulaye Ciss (Senegal)

3. Runde SC Kriens – FC Sion U21 4:2
Itaperuna, Ibrahima Gueye (Senegal, 1 Tor),
Rinjala Raherinaivo (Madagaskar)

4. Runde FC Sion U21 – SC Cham 0:1
Itaperuna, Gueye, Raherinaivo

5. Runde FC Köniz – FC Sion U21 2:2
Gueye, Raherinaivo

6. Runde FC Zürich U21 – FC Sion U21 5:2
Gueye

7. Runde FC Sion U21 – FC Bavois 3:1
Ebenezer Assifuah (Ghana,), Gueye, Raherinaivo

8. Runde SC YF Juventus – FC Sion U21 2:2
Arthur Boka (Elfenbeinküste), Gueye (1 Tor)

9. Runde FC Sion U21- United Zürich 2 :0
Boka (1 Tor), Gueye, Raherinaivo

10. Runde Rapperswil-Jona – FC Sion U21 3:0
Gueye, Boka, Raherinaivo

11. Runde FC Sion U21- FC Basel U21 2:0
Itaperuna, Paulo Ricardo Ferreira (Brasilien),
Raherinaivo

12. Runde FC Tuggen – FC Sion U21 3:5
Boka, Itaperuna, Raherinaivo (1 Tor)

13. Runde FC Sion U21 – BSC Old Boys 2:1
Raherinaivo

14. Runde SC Brühl SG – FC Sion U21 2:4
Raherinaivo

15. Runde FC Sion U21 – Stade Nyonnais 0:1
keiner

16. Runde FC Sion U21 – Chaux-de-Fonds 2 :2
Itaperuna

17. Runde FC Breitenrain – FC Sion U21 1 :0
Raherinaivo

18. Runde FC Sion U21 – SC Kriens 0:3
Itaperuna

So weit wird es nicht kommen. «Wir sind mit den Regeln nicht einverstanden, die momentan gelten. Deshalb werden wir gegen diese Entscheide Rekurs erheben», sagt Sion-Anwalt Alexandre Zen-Ruffinen. Aus sportlicher Sicht machen diese Regeln auch kaum Sinn. Denn um einen jungen oder vormals verletzten Spieler an die erste Mannschaft heranzuführen, gibt es naturgemäss nichts Besseres als Spielpraxis.

Entsprechend haben neben Sion auch Vereine wie der FC Basel, YB, Thun oder GC gegen die Auflagen verstossen. Aber bei all diesen Vereinen waren es Einzelfälle, Sion setzte im Nachwuchs in 17 von 19 Runden Spieler ein, die laut Gesetz nicht zum Einsatz hätten kommen dürfen.

So könnte künftige Lösung aussehen

Die «Schweiz am Wochenende» machte dies publik und schrieb von einem Gesetzesbruch mit Kalkül. Tatsächlich sind im Hintergrund seit Monaten Gespräche am Laufen zwischen der Swiss Football League (SFL) und dem Staatssekretariat für Migration (SEM). Die Vereine sind mit der Bitte an Liga-Boss Claudius Schäfer herangetreten, mit Staatssekretär Mario Gattiker eine Lösung zu suchen, die sportlich Sinn ergibt, also die Regeln anzupassen. Dieser Prozess ist am Laufen, dauert allerdings sehr lange, weil alle Kantone ihr Einverständnis zur Anpassung dieser Regeln geben müssen.

Beim FC Sion geht man nun offenbar davon aus, dass die neuen Regeln schon auf kommende Saison hin in Kraft treten. Sie sollen vorsehen, dass Klubs künftig Spieler aus Drittstaaten in ihren Nachwuchsmannschaften einsetzen dürfen, sofern sie auf der Kontingentsliste der ersten Mannschaft stehen. 25 Spieler können die Klubs auf diese Liste setzen, und nur wer dort vermerkt ist, darf in der Super League eingesetzt werden. Die Regelung scheint sinnvoll, da man nur Spieler auf diese Liste nimmt, die auch das entsprechende Potenzial haben.

Noch aber gelten die alten Vorschriften. Wann die neuen in Kraft treten könnten, dazu will sich niemand äussern. Es könnte also eng werden für den FC Sion.