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Sir Andys Ende unter Tränen

Andy Murray kapituliert vor seinem Körper. Der 31-jährige Brite beendet spätestens in Wimbledon seine Karriere.
Simon Häring, Melbourne
Brach während seinem Medienauftritt in Tränen aus: Andy Murray. (Bild: Pockett/AP (Melbourne, 11.1.2019))

Brach während seinem Medienauftritt in Tränen aus: Andy Murray. (Bild: Pockett/AP (Melbourne, 11.1.2019))

Kurz vor den Australian Open liess er seinen Schalk aufblitzen, als er sich mit dem Norman Brookes Challenge Cup fotografieren liess und dazu schrieb: «So nahe komme ich diesem Pokal nie mehr.» Doch Andy Murray, im Frühling 32-jährig, in Melbourne fünffacher Finalist, aber nie Sieger, wusste es schon da. Er wusste es schon seit Dezember. Dass das Ende seiner Karriere nahe ist. «Dass ich so nicht mehr weitermachen kann und will.» Es ist das Ende einer Karriere, die ihm drei Grand-Slam-Titel, zwei Goldmedaillen bei Olympischen Spielen und 41 Wochen an der Spitze der Weltrangliste gebracht hatte.

Als er am Freitag vor die Medien tritt, bricht ihm bei der ersten Frage, der Frage, wie sich seine Hüfte anfühle, die Stimme. «Nicht gut.» Tränen kullern ihm über die Wangen. Um sich wieder einigermassen zu sammeln, zieht sich Murray für mehrere Minuten in einen Nebenraum zurück. Dann erklärt er sich. «Ich habe seit zwanzig Monaten grosse Schmerzen.» Er habe alles unternommen, nur: nichts habe geholfen. Auch die Operation im Sommer 2017 brachte nicht die erhoffte Linderung. In Australien werde er gleichwohl spielen, «aber nicht auf dem Level, auf dem ich es mir wünschen würde». Es sei möglich, dass es sein allerletztes Turnier sei.

Spätestens nach Wimbledon ziehe er einen Schlussstrich, sagt Murray. «Dort, wo alles begann, soll es auch enden.» Das Turnier, das er 2013 als erster Brite seit Fred Perry 1936 gewinnen konnte. Dort, wo er 2012 Einzel-Olympiasieger geworden war. Dort, wo er 2016 seinen dritten und wohl letzten Major-Titel gewann. Der Zeitpunkt mag zwar überraschen, das Ende aber ist eines mit Ansage. Seit dem French-Open-Halbfinal 2017 gegen Stan Wawrinka quälte sich Murray mit Beschwerden an der rechten Hüfte durchs Leben. Er sagt: «Von diesem Match gegen Stan habe ich mich nie richtig erholt.» Murray gehörte zwar zu den Big Four um Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal, stand aber dennoch lange in deren Schatten. Bis er 2016 doch noch an die Spitze der Weltrangliste vorstiess.

Nicht weniger als acht Mal verlor Murray einen Grand-Slam-Final. Niederlagen ertrug er stets erhobenen Hauptes. Für seine Leistungen auf und neben dem Platz schlug ihn Queen Elizabeth II. 2017 zum Ritter. Im Tennis gilt er als Vorzeigekämpfer. Respektiert für seine totale Hingabe und Liebe zum Sport. «Bitte hör’ nicht auf, es zu versuchen. Kämpfe weiter!», schreibt Juan Martin del Potro. Rafael Nadal sagt: «Du weisst nicht, wie fest wir dich vermissen werden. Du bist ein Beispiel eines grossartigen Sportlers und Menschen.»

Kämpfer, Feminist, Volksheld

Murray, ein Scheidungskind, lange von Mutter Judy betreut, hat sich auch immer wieder für die Gleichstellung der Frauen starkgemacht. «Wenn jemand, dem es wichtig ist, dass alle die gleichen Rechte haben, ein Feminist ist, ja, dann bin ich ein Feminist», sagte er. Die Frauenrechtlerin Billie Jean King würdigte Murray als Inspiration für die nachfolgenden Generationen. Andrea Petkovic strich hervor, wie wichtig es sei, dass erfolgreiche Männer sich für die Rechte der Frauen einsetzen.

Murray erlebte 1996 das Massaker an einer Grundschule im schottischen Dunblane, bei dem ein 43-Jähriger 16 Erstklässler und eine Lehrerin erschoss. Er habe Jahre gebraucht, um das Trauma zu überwinden. Nun steht ihm eine weitere Prüfung bevor. Es geht dabei längst nicht mehr um die Rückkehr an die Weltspitze, sondern um Elementares. «Dass ich ohne Schmerzen Socken anziehen und die Schuhe binden kann. Um ein Leben ohne Schmerzen.» Eines, das es ihm ermöglicht, mit seinen Kindern Edie und Sophia Olivia zu spielen. Gespräche mit Psychologen hätten ihm nicht weitergeholfen. «Wie auch? Denn ich kann nicht tun, was ich am meisten liebe.»

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