SKELETON: Er geniesst den Temporausch

Der 17-jährige Samuel Keiser aus Neuheim brillierte an den Schweizer Skeletonmeisterschaften. Nun will er sich auch international einen Namen machen.

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Samuel Keiser (auf dem elterlichen Hof) hat klare Ziele vor Augen. (Bild Werner Schelbert)

Samuel Keiser (auf dem elterlichen Hof) hat klare Ziele vor Augen. (Bild Werner Schelbert)

Martin Mühlebach

Im Eiskanal in St. Moritz fanden kürzlich die Schweizer Meisterschaften statt. Dabei gelang Samuel Keiser aus Neuheim ein grosser Coup. Er fuhr auf den 3. Rang und sprengte damit die Phalanx der dominierenden Bündner, die vier Fahrer unter den ersten fünf zu platzieren vermochten. Dieser schöne Erfolg ist keine Selbstverständlichkeit. Keiser gibt unumwunden zu: «Da ich im vergangenen Jahr an der Schweizer Meisterschaft nur auf dem 9. Rang landete, war ich vor dem Start äusserst nervös. Dass ich Dritter wurde, löste bei mir ein unbeschreibliches Glücksgefühl aus.»

Als ihm sein Vorbild Gregor Stähli, der dreifache Skeleton-Weltmeister und zweifache Bronzemedaillengewinner an Olympischen Spielen, die Medaille überreichte, habe er die Emotionen kaum noch im Griff zu halten vermocht. Stähli habe ihm zu seinem Erfolg gratuliert und ihn gleichzeitig ermuntert, dranzubleiben. Die Worte seines Vorbilds sind anscheinend beim 17-Jährigen angekommen, denn er sagt: «Nun unternehme ich alles, um mich in der kommenden Saison für die Teilnahme am Europacup qualifizieren zu können. Und im Februar 2017 möchte ich an den Skeleton-Juniorenweltmeisterschaften für die Schweiz an den Start gehen.»

Auf Anhieb fasziniert

Dass Keiser Gefallen fand am Skeleton, hat er seiner Tante Kerstin Szymkowiak zu verdanken, die 2010 an den Olympischen Winterspielen in Vancouver für Deutschland die Silbermedaille gewann. Im Februar 2014 lud sie ihren Neffen, zusammen mit fünf Kollegen, zu einer verkürzten Probefahrt durch den Eiskanal in St. Moritz ein. Keiser und der heute 20-jährige Marco Derungs aus Menzingen waren von dieser Sportart derart begeistert, dass sie im Sommer unter der Anleitung von Trainer Urs Vescoli in Andermatt auf einer Anschubbahn Startübungen absolvierten und an Trainingslehrgängen des Schweizer Juniorenkaders teilnahmen.

Im November, anlässlich einer Trainingswoche im österreichischen Igls, konnten die beiden auf einem kurz zuvor gemieteten Stahlschlitten ihre ersten Fahrten auf dem Eiskanal in Angriff nehmen. Der Wechsel vom Stahl- auf den von Urs Vescoli gebauten Karbonschlitten bereitete Keiser keine Probleme. Er sagt: «Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, sich auf diesem Schlitten kopfvoran in die Tiefe zu stürzen und im Temporausch den Fahrtwind zu geniessen.» Wenn es dann noch gelänge, die Vorgaben des Trainers umzusetzen, sei er restlos glücklich und zufrieden.

Der 176 Zentimeter grosse und 75 Kilogramm wiegende Samuel Keiser, der dem Bobclub Frauenfeld angehört, steckt in der Ausbildung zum Zimmermann. «Mein Chef Daniel Abt zeigt viel Verständnis, wenn ich meiner mit viel Reiserei verbundenen Sportart nachgehe. Dafür danke ich ihm an dieser Stelle von ganzem Herzen. Genauso wie meinen Eltern, die für mich finanzielle Opfer in Kauf nehmen, zumal ich noch keinen persönlichen Sponsor gefunden habe.» Dem Bobclub Frauenfeld, der die Fahr- und Trainingskosten übernehme, wolle er mit guten Leistungen etwas zurückgeben.

Ein starker Charakter

Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich der angehende Zimmermann in der Skeletonszene einen Namen gemacht. Nicht zuletzt wegen seines starken Willens und Charakters. Der Neuheimer betont nämlich: «Wenn ich mir ein Ziel setze, unternehme ich alles in meiner Macht Stehende, um es erreichen zu können. Dank des Sports habe ich gelernt, ungenügende Leistungen abzuhaken und den Blick sofort wieder nach vorne zu richten.»