SKI ALPIN: Bode Miller rast den Sorgen davon

Bode Miller (36) ist einer der grössten Stars im Wintersport – und bei den Spielen von Sotschi in mehreren Disziplinen Medaillenkandidat. Wie nie zuvor konzentriert er sich auf seinen Sport, weil er dadurch den Problemen im Privatleben entflieht.

Drucken
Teilen
Lässt niemanden kalt: Amerikas Skistar Bode Miller. (Bild: Keystone)

Lässt niemanden kalt: Amerikas Skistar Bode Miller. (Bild: Keystone)

Es war der Februar 2008, als den Strategen beim Ski-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen vor lauter Zorn der Puls in die Höhe schnellte. Mit hochroten Köpfen und pulsierenden Halsschlagadern, dick wie ein Gartenschlauch, diskutierten sie über Bode Miller. Sie erwägten ein Startverbot. Denn so etwas hatten sie noch nie erlebt. Da erschien der US-Boy zur Besichtigung des Slaloms, als ob er nach einer durchzechten Nacht direkt aus der Disco an die Piste gekommen wäre: angetrunken und völlig verpeilt. Dass er wenig später gleich im ersten Durchgang ausschied, ist eigentlich müssig zu erwähnen. Was dagegen aber zwangsläufig erwähnt werden muss: Dieser Bode Miller von damals, der nicht jedes Rennen wirklich ernst nahm, sich auf wenige Highlights fokussierte und sonst vor allem auf die Partys konzentrierte, gehört längst der Vergangenheit an.

Miller: «Bin so fit wie noch nie»

«Früher bin ich technisch einfach überragend gefahren und habe dadurch sowie dank meines Selbstvertrauens meine schlechte Fitness oft wettmachen können», sagt er, «aber jetzt bin ich so fit wie noch nie – und zurzeit auch sehr viel fokussierter auf den Skirennsport als je zuvor.»

Vorbei ist die Zeit, in der ihn der Weltcup langweilte und er die FIS-Funktionäre verachtete. Miller, der mitten im Nirgendwo des US-Bundesstaates New Hampshire als Sohn eines Hippie-Paares aufgewachsen war und lange von seiner Mutter unterrichtet wurde, schaffte seinen Highschool-Abschluss nicht und er tat sich schon immer schwer mit Autoritäten.

Miller, der sich wegen eines schweren Knorpelschadens im linken Knie operieren lassen und 18 Monate pausieren musste und erst seit dieser Saison wieder antreten kann, ist so froh, wieder im Skizirkus dabei zu sein. «Nicht Ski fahren zu dürfen, ist schrecklich», sagt er, «es ist mehr als ein Sport für mich.»

Nächster Gerichtstermin im März

Denn der Skirennsport mit all den Herausforderungen und all den durch gute Resultate erreichbaren Selbstbestätigungen bietet Bode Miller eine glanzvolle Ablenkung von seinem Privatleben, in dem ihm zuletzt so einiges entglitten und schiefgelaufen ist. Er ist für ihn wie eine Flucht in eine andere Welt – wo es all die Probleme, die er selbst an die Öffentlichkeit brachte, nicht gibt.

Im April 2012 lernte der in San Diego lebende Miller in Kalifornien Sara McKenna über eine Partnervermittlung kennen. Das gemeinsame Glück hielt allerdings nicht allzu lange, weil sich Miller wenig später in die Beachvolleyballerin Morgan Beck verliebte. Bereits im Oktober 2012 heirateten Miller und die knapp einen Kopf grössere Beck, die nun bei jedem Skirennen im Zielraum an seiner Seite flaniert.

Nur dumm für Miller, dass seine ehemalige Kurzzeit-Freundin McKenna da bereits von ihm schwanger war. Es entbrannte eine Schlammschlacht, bei der beide Seiten immer wieder die Klatschpresse mit News füttern und gerne auch mal eine SMS des anderen veröffentlichen. Erst um die Anerkennung der Vaterschaft, dann um den Namen des Kindes. McKenna nennt ihn Sam, Miller Nate, in Anlehnung an seinen Bruder Nathaniel, der im April 2013 im Alter von 29 Jahren tot aufgefunden wurde. Aktuell geht es ums Sorgerecht. Inzwischen haben sich bereits einige Gerichte mit den beiden Eltern befasst, im März steht der nächste Termin vor Gericht an – nach den Olympischen Spielen von Sotschi.

Miller im Training der Schnellste

Denn nun will Bode Miller erst einmal (Abfahrts-)Olympiasieger werden. Der Favorit auf die Goldmedaille ist in diesen Disziplinen zwar der Norweger Aksel Lund Svindal, doch die jüngsten Rennen in Kitzbühel, wo sich Miller in Abfahrt nur knapp und im Super-G noch viel knapper geschlagen geben musste, waren für ihn verheissungsvoll. Und im gestrigen ersten Training auf der Olympiapiste war Miller die Nummer eins.
Die Piste ist «die anspruchsvollste in diesem Winter, weil sie alle Highlights, die es im Abfahrtssport gibt, vereint», wie Miller sagt. «Sie wird einige Favoriten eliminieren.» Doch wer könnte wohl besser mit so einer Piste zurechtkommen als ausgerechnet der Athlet, der stets so wild und tollkühn fährt und eine Linie wählt, die sonst keiner wagt?

Im Gebirge von Sotschi bestreitet Bode Miller seine fünften Olympischen Spiele. Fünf Olympiamedaillen hat er bereits gewonnen, darunter 2010 Gold in der Super-Kombination. Und es scheint ganz so, dass bei seinem letzten Olympiaauftritt nun noch mindestens eine Medaille dazukommt.

Sind Sie fit fürs Olympia-Rennen?

Beat Feuz hat vor zwei Jahren die einzige Weltcup-Abfahrt auf der Olympia-Piste gewonnen. An seiner Favoritenrolle für das Rennen am Sonntag gibt es nach dem ersten Training aber erhebliche Zweifel.

Beat Feuz, Sie sind aus Kitzbühel vorzeitig abgereist und haben dann auf den Weltcup in St. Moritz verzichtet. Wie fällt Ihr Fazit nun nach dem ersten Training aus: Sind Sie fit für die Olympia-Abfahrt?
Beat Feuz:
Das Knie tut mir nicht mehr weh – dafür etwas anderes: Mein rechtes Sprunggelenk ist sicher nicht optimal. Seit meinem Sturz im Super-G-Training von Kitzbühel habe ich eine Dehnung des Aussen- und des Syndesmosebandes. Beim freien Skifahren am Mittwoch und vor dem ersten Training habe ich zwar keine Probleme deswegen gehabt, aber im Training haben dann die Linksschwünge nicht so funktioniert, wie sie sollten.

Warum?
Feuz:
Vor allem im unteren Teil der Strecke, wo es eisig ist und schlägt, habe ich wegen der dadurch verursachten kleinen Rotationsbewegungen im Schuh Probleme mit dem angeschlagenen Sprunggelenk bekommen. Eigentlich ist diese Stelle ja nur ganz leicht geschwollen und wäre an sich kein Problem, wenn ich im Skischuh bin. Aber jetzt müssen wir schauen, dass es mich auch bei diesen kleinen Rotationsbewegungen des Gelenkes nicht mehr schmerzt und beim Fahren behindert.

Heisst das: Sie werden mehr Schmerztabletten einnehmen?
Feuz:
Das heute war der erste Test. Wir haben versucht, in dieser Richtung mit dem Minimum auszukommen. Nun werden wir das wohl steigern müssen, damit es besser wird.

Lassen Sie mal ein Training aus, um den Fuss zu schonen?
Feuz:
(schmunzelt). Wenn ich jetzt jeden Tag so wie heute über sieben Sekunden verliere, werde ich alle angesetzten Trainings bis zum Rennen brauchen.