SKI ALPIN: Corinne Suter steht auf der Sonnenseite

Die Schwyzerin Corinne Suter (21) verblüfft mit starken Resultaten im Weltcup. An diese will sie morgen in der Abfahrt von Zauchensee anknüpfen – auf einer Piste, die sie nicht kennt.

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Corinne Suter hat allen Grund zum Strahlen. Sie ist in diesem Winter mitten in die Abfahrtsweltspitze hineingefahren. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Corinne Suter hat allen Grund zum Strahlen. Sie ist in diesem Winter mitten in die Abfahrtsweltspitze hineingefahren. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Interview Claudio Zanini

Das Talent von Corinne Suter ist unbestritten. Spätestens vor zwei Jahren verbreitete sich diese Erkenntnis auch ausserhalb von Insiderkreisen. Damals gewann die Schwyzerin innert vier Tagen zweimal Gold an den Juniorenweltmeisterschaften. Insofern kommen die aktuellen Erfolge nicht von ungefähr – überraschend sind sie dennoch. Anfang Dezember sorgte die 21-Jährige mit dem sechsten Platz in der Abfahrt von Lake Louise für ihr bisher bestes Weltcup-Ergebnis. Die Leistung ging fast ein wenig unter, da die nicht verwandte Teamkollegin Fabienne Suter hinter Lindsey Vonn auf den zweiten Platz fuhr.

Knapp zwei Wochen später verbesserte Corinne Suter ihr Bestresultat sogar noch und komplettierte die blendende Schweizer Teamleistung in Val d’Isere: Lara Gut gewann die Abfahrt, Platz zwei ging an Fabienne Suter, Rang fünf an Corinne Suter. «Ich hatte nur die Linie im Kopf, die ich umsetzen wollte», sagte die Sechste der Disziplinenwertung hinterher in die Fernsehkamera. Vor der morgigen Sprintabfahrt im österreichischen Zauchensee (ab 9.15 Uhr, SRF 2) sucht Suter im Interview mögliche Gründe für ihren aktuellen Erfolg, redet über die positive Seite einer Verletzung und warum sie während der Saison nicht auf ihr Pferd steigt.

Corinne Suter, zwei Top-Ten-Plätze in der Abfahrt innert zwei Wochen. Sind Sie erstaunt?

Corinne Suter: Natürlich erstaunt es mich ein wenig, dass es plötzlich so gut läuft. Aber man sollte jetzt nicht zu viel von mir erwarten. Denn ich weiss, wie schnell der Erfolg wieder weg sein kann. Ich probiere jetzt einfach, auf diesem Niveau weiterzufahren.

Wie schwierig ist es, dieses Niveau zu halten?

Suter: Es ist schwierig. Aber ich darf mich deswegen nicht versteifen und muss versuchen, die nächsten Aufgaben locker anzugehen. Die Piste in Zauchensee kenne ich beispielsweise gar nicht. Ich verbringe nun viel Zeit damit, Videos zu schauen und mich bestmöglich vorzubereiten.

Noch vor einem Jahr zogen Sie sich in Hinterstoder eine Verletzung im Schienbeinkopf zu und mussten die Saison abbrechen. Sie scheinen sich gut erholt zu haben.

Suter: Definitiv, ja. Aber Verletzungen haben auch nicht nur negative Auswirkungen. Natürlich ist es frustrierend und wirft einen zurück. Ich persönlich habe in der letzten Verletzungspause meinen Körper besser kennen gelernt. Während des Aufbaus und der Physiotherapie hatte ich viel Zeit, um mir Gedanken zu machen. Mir ist klarer geworden, was ich will.

Heisst das, Sie haben sich vor allem mental verbessert?

Suter: Ich denke schon. Früher war ich aussergewöhnlich ehrgeizig und habe mir zu viel vorgenommen. Wenn ein Ergebnis nicht meinen Ansprüchen entsprach, brach für mich sogleich die Welt zusammen. Da stand ich mir oftmals selbst im Weg. Aber nebst dem Mentalen habe ich mich sicher auch konditionell verbessert.

Jetzt sind Sie Sechste in der Abfahrtswertung. Schlägt sich das bereits in der Menge der Fanpost nieder?

Suter: Ich bekomme tatsächlich seit den beiden Top-Ten-Platzierungen mehr Fanpost und gebe mehr Autogramme. Aber das ist im normalen Bereich, und ich bin ja auch noch genau dieselbe Person wie vor ein paar Monaten. Aber die Aufmerksamkeit gehört halt einfach dazu, und das lenkt mich auch überhaupt nicht ab.

Das Schweizer Team zeigt im Allgemeinen ansprechende Erfolge in diesem Winter. Wie ist die Stimmung in der Gruppe?

Suter: Sehr gut. Und es spornt enorm an, mit Fahrerinnen zu trainieren, die ein solches Niveau haben. Jede kann praktisch von jeder profitieren. Für mich ist etwa Fabienne (Suter, Anm. d. Red.) eine wichtige Bezugsperson. Sie ist sehr hilfsbereit und ist eines meiner Vorbilder.

Wie oft werden Sie eigentlich gefragt, ob Sie mit Fabienne Suter verwandt sind?

Suter: Das passiert öfters. Viele meinen immer noch, dass wir verwandt seien. Neulich, als ich im Zielraum ankam, hörte ich, wie eine Zuschauerin einer Gruppe erklärte, dass nun gleich noch meine Schwester runterfahren würde.

Eine Weltcup-Athletin ist viel unterwegs. Machen Ihnen die langen Reisen noch etwas aus?

Suter: Früher war das nicht immer einfach für mich. Aber da wächst man irgendwie rein. Dieses Aus-der-Tasche-Leben wurde irgendwann zum Normalzustand.

Reiten ist eines Ihrer grössten Hobbys. Setzen Sie sich immer gleich aufs Pferd, sobald Sie mal zu Hause sind?

Suter: Nein, so extrem ist es nicht. Reiten ist auf jeden Fall für mich der grösste Ausgleich zum Skisport. Aber während der Saison komme ich eigentlich nie dazu. Wenn ich mal für zwei Tage zu Hause bei der Familie bin, dann mache ich nicht viel anderes, als einfach zu Hause zu bleiben.

Rang 44 im ersten Abfahrtstraining

Zauchensee.sda/cza. Im ersten von zwei Trainings zur Sprintabfahrt in Zauchensee (AUT) musste sich Corinne Suter gestern mit dem 44. Rang begnügen. Die Schwyzerin verlor knapp 2 Sekunden auf die Liechtensteinerin Tina Weirather, welche die Bestzeit realisierte. Weirather nahm der zweifachen Saisonsiegerin Lindsey Vonn (3.) 11 Hundertstel ab. Lara Gut kam mit einem Rückstand von knapp einer halben Sekunde auf Platz 4. In dieser Saison hat Weirather im Riesenslalom mit zwei Podestplätzen bessere Resultate erzielt als in der Abfahrt mit den Rängen 5, 13 und 18.

Schon nach dem ersten Training zeichnet sich jedoch ab, dass der Sieg über Lindsey Vonn gehen wird. Die Amerikanerin, welche Anfang Dezember die beiden Abfahrten von Lake Louise für sich entschieden hatte, war erst am Mittwoch von Nordamerika her in Österreich angekommen und lieferte trotz Jetlag eine bemerkenswerte Trainingsleistung ab. Heute kommt es nochmals zu einem Training (11.30), die Sprintabfahrt vom Samstag findet in zwei Läufen statt (9.30/11.30). Wie in den technischen Disziplinen qualifizieren sich nur die ersten 30 des ersten Laufs für den zweiten Durchgang. Letztmals absolvierten die Frauen vor 13 Jahren eine Sprintabfahrt.