SKI ALPIN: Den Feinschliff erledigt er selber

Er ist noch keine 16 Jahre alt und bereits ein riesiges Versprechen für die Zukunft: Der Sempacher Joel Lütolf eroberte sich kürzlich in seiner Kategorie den Super-G-Meistertitel – und tritt in die Fussstapfen grosser Vorbilder.

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Joel Lütolf, selbst ist der Mann: Bei sich zu Hause in Sempach präpariert der 15-Jährige seine Ski für die Rennen in St. Moritz. (Bild Corinne Glanzmann)

Joel Lütolf, selbst ist der Mann: Bei sich zu Hause in Sempach präpariert der 15-Jährige seine Ski für die Rennen in St. Moritz. (Bild Corinne Glanzmann)

Roland Bucher

Wer an der Trofeo Topolino, ausgetragen in der Region des Gardasees und gemeinhin als inoffizielle Weltmeisterschaft der U-16-Jahrgänger gehandelt, ja wer hier mitmachen darf, der hats schon fast geschafft. Der hat in seiner Skilaufbahn Grosses vor. Kleiner Einblick in die Siegerliste dieses von 40 Nationen mit je zwei Teilnehmern beschickten Anlasses gefällig? Passen Sie auf, lassen Sie diese Namen auf der Zunge zergehen: grosse Karrieren wie jene von Beat Feuz, Benjamin Raich, Marc Girardelli, Lara Gut oder Lindsey Vonn starteten mit einem Volltreffer an ebendieser Trofeo Topolino.

Nun, Joel Lütolf, wohnhaft in Sempach und für den Skiclub Bannalp-Wolfenschiessen eingeschrieben, kletterte an der Trofeo zwar nicht aufs oberste Treppchen, doch mit einem sechsten Rang im Slalom, seiner präferierten Disziplin, und vor allem mit dem Silber-Coup in Riesenslalom setzte das Technikertalent eine zünftige Marke. «Das ist mein bisher wertvollstes Resultat in meiner jungen Karriere», wertet Joel Lütolf den vor Wochenfrist besiegelten Erfolg, «es ist die Bestätigung dafür, dass ich in der richtigen Spur bin. Und es ist für mich auch ein wichtiges Zeugnis für die Arbeit, die ich leiste.» Das musste natürlich gebührend gefeiert werden: Die Mama lud den erfolgreichen Filius nach der Heimkehr aus Italien spontan zu einem feinen Nachtessen in einem Restaurant in Sursee ein. Die Wahl auf der Menükarte fiel dem Silbergewinner leicht: «Mit einem schön grossen, gut zubereiteten Rindersteak kann man mir eine echte Freude bereiten.»

Ein strebsamer junger Mann

Wenn Joel Lütolf, dessen Eltern skilehrerisch tätig sind, in Engelberg nahe beim Domizil von Olympiasiegerin Dominique, Marc und Michelle Gisin eine Ferienwohnung besitzen und ihren Springinsfeld schon früh in die Geheimnisse eines respektablen Parallelschwungs einweihten, nicht auf den Skiern steht, dann wird es ihm alles andere als langweilig. Am Sempachersee zum Beispiel lauert der passionierte Fischer auf veritable Hechte, ausbildungsmässig steht er kurz vor dem Eintritt in die Sportmittelschule in Engelberg. «Es gibt ja schliesslich auch ein Leben nach dem Sport», weiss der seine Kondition gerne auf dem Rennrad schärfende Luzerner.

Ein Autogramm von Hirscher

Doch dieser Tage und auch viele nächste Jahre hat der Rennskisport im Leben von Joel Lütolf absolute Priorität. «Ich habe das Glück, gute Talente für diesen Sport zu besitzen, dafür bin ich dankbar. Und gewillt, sie möglichst optimal zu verwerten.» Mit einer berechtigten Prise Stolz erzählt der Sempacher, wie toll die Reaktionen vor einigen Wochen gewesen sind, als seine beeindruckenden Leistungen schon einmal in einem Zeitungsartikel gewürdigt wurden: «Das war ein schönes Gefühl, wie mir die Leute auf der Strasse gratuliert haben.»

Das soll sich noch oft wiederholen. Zum Beispiel nach dem Longines Future Ski Championat, welches diese Woche im Vorfeld des Weltcup-Finals in St. Moritz stattfindet. «Ich bin als einziger Schweizer für diesen Wettbewerb qualifiziert. Und wer mich kennt, der weiss, dass ich alles geben werde, um unser Land würdig zu vertreten.»

Zu einem weiteren Höhepunkt ist Joel Lütolf anschliessend während der letzten Saisonrennen der Weltelite berufen. «Den Weltstars zuschauen zu dürfen, was sie alles noch viel besser machen als ich, das wird spannend.» Genau wie das Erlebnis, seinem absoluten Vorbild Marcel Hirscher über die Skikanten schauen zu dürfen: «Ich habe mir fest vorgenommen, von ihm ein Autogramm zu ergattern.»

Weltmeister? Warum nicht?

Und, Joel, haben Sie noch etwas anzufügen? Der junge Sempacher verlegen: «Ich bin nicht sicher, ob das die Leser dieser Zeitung interessiert. Aber ich möchte es trotzdem loswerden. Es ist eine meiner Macken, dass ich meine Ski selber präpariere. Ich bearbeite die Kanten exakt auf meine individuellen Bedürfnisse, besorge den Wachsaufstrich und erledige den Feinschliff – das hat mir mein Vater beigebracht. Und diese Tradition will ich weiterführen.» So lange, bis er dort angekommen ist, wo er hin will: «Es tönt vielleicht ein bisschen überheblich», sagt er lächelnd, und vielleicht sei es auch nicht ganz realistisch: «Aber ich habe es mir in den Kopf gesetzt, Weltmeister zu werden.» Ja, der Topolino aus Sempach will weiterhin rasante Fahrt aufnehmen.