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SKI ALPIN: Der Kampf um mehr Geld

Die Schweizer haben an der WM ihren Aufwärtstrend bestätigt. Die finanzielle Situation bereitet dem Präsidenten von Swiss- Ski aber Sorgen.
Freute sich am Samstag in der Männer-Abfahrt über Gold und Bronze: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Freute sich am Samstag in der Männer-Abfahrt über Gold und Bronze: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Interview Christof Krapf, Beaver Creek

Urs Lehmann, am Ende des vergangenen Winters sagten Sie, Swiss-Ski brauche mittelfristig 3 Millionen Franken mehr pro Jahr. Was passiert, wenn Sie dieses Geld nicht auftreiben?

Urs Lehmann: Wir brauchen die zusätzlichen Mittel, um unser aktuelles Leistungsniveau zu halten. Neun von elf Schweizer Olympiamedaillen in Sotschi gingen auf das Konto von Swiss-Ski. Unser Verband könnte ohne diese 3 Millionen funktionieren. In diesem Fall müssten wir aber unsere Ansprüche an die Leistungen hinunterschrauben und darüber nachdenken, einzelne Disziplinen nicht mehr zu betreiben.

Braucht ein kleines Land wie die Schweiz überhaupt alle Wintersport-Disziplinen?

Lehmann: Wir haben den Anspruch, diese Vielfalt zu fördern, und wollen überall besser werden. In der nordischen Kombination verfügen wir mit Tim Hug über einen Athleten im Weltcup. Es gab Diskussionen, ob wir ihn weiter fördern sollen oder nicht. Hätten wir darauf verzichtet, hätten wir zwar Geld gespart. Eine solche Massnahme täte aber meinem Sportlerherz weh.

Das Interesse für Telemark oder nordische Kombination hält sich aber in Grenzen.

Lehmann: Wir sehen es dennoch als unsere Aufgabe an, auch die kleineren Sportarten zu fördern. Skicross, Freeski, Aerials, Buckelpistenfahren, nordische Kombination oder Snowboard sind olympisch. Telemark ist historisch wichtig, und es gibt Bestrebungen, es bis 2022 ins olympische Programm aufzunehmen.

Dadurch stehen aber den grossen Sportarten weniger Gelder zur Verfügung.

Lehmann: Es ist so, dass die Alpinen die anderen Sportarten alimentieren. Langlauf ist dank Dario Cologna selbsttragend, Skispringen schon nicht mehr. Wir haben aber im Präsidium den Entscheid gefällt, dass wir die olympischen Sportarten fördern wollen. Dazu stehen wir.

In Sotschi und aktuell in Beaver Creek hatte Swiss-Ski ohne das zusätzliche Geld Erfolg. Warum brauchen Sie nun plötzlich zusätzliche Mittel?

Lehmann: Wir haben alle unsere Sportarten durchleuchtet und aufgenommen, was die Teams brauchen, um an Olympia 2018 gleich erfolgreich zu sein wie 2014. Die Wünsche der Disziplinenchefs haben wir überprüft und werden nicht alle erfüllen. Würden wir dies tun, wären wir eher bei 5 statt 3 Millionen Franken. Wir brauchen mehr Geld, weil auch die Konkurrenz investiert.

In welchen Bereichen setzen Sie die 3 Millionen ein?

Lehmann: Wir haben in den neuen Sportarten Nachholbedarf. Als diese Disziplinen eingeführt wurden, gehörten wir zu den besten Ländern. Im Skicross waren wir die Nummer eins der Welt. Es gibt aber Länder, vor allem in Osteuropa, die massiv mehr investieren. Dadurch laufen wir Gefahr, überholt zu werden. Bei den Alpinen wird das Südamerika-Training jedes Jahr 10 Prozent teurer. Und das nicht, weil wir mehr Athleten mitnehmen.

Woran mangelt es konkret?

Lehmann: Wir merken, dass die Alpinen weniger Geld und Unterstützung durch ihre Skifirmen erhalten. Dies liegt daran, dass weltweit immer weniger Ski verkauft werden. Als ich mit 18 Jahren Junioren-Weltmeister wurde, habe ich einen eigenen Servicemann erhalten. Heute interessieren sich die Ausrüster für Feuz, Janka und Küng. Um den Rest soll sich der Verband kümmern. Swiss-Ski muss immer mehr Kosten abfedern, welche früher die Ausrüster trugen. Wir haben so viele Serviceleute engagiert wie nie zuvor. Und der Trend geht in die Richtung, dass wir noch mehr benötigen.

Wie viel der zusätzlichen Gelder hat Swiss-Ski schon aufgetrieben?

Lehmann: Wir sind gut unterwegs. Wir haben einige Projekte realisiert, beispielsweise die Nachwuchsstiftung von Swiss-Ski. Ausserdem erhalten wir über 1 Million Franken mehr pro Jahr von Swiss Olympic. Ich bin zuversichtlich, dass wir das Geld auftreiben werden.

Dennoch betonten Sie nach dem WM-Titel von Patrick Küng, Swiss-Ski brauche mehr Geld. Warum?

Lehmann: Aus meiner Sicht gibt es zwei Ebenen. Wir als Swiss-Ski werden das Geld auftreiben. Bei meiner Aussage ging es mehr um die Situation des gesamten Sportes in der Schweiz. Wir brauchen ein deutliches Bekenntnis zum Sport, wenn es zum Beispiel um Infrastrukturprojekte geht.

Welche zusätzliche Infrastruktur braucht es denn in der Schweiz?

Lehmann: Unsere Nachbarländer verfügen beispielsweise über Biathlon-Stadien, in welche die öffentliche Hand Millionen investiert hat. Ich sage nicht, dass wir dies in der Schweiz auch brauchen. Wir kämpfen aber bei uns nur schon um ein vernünftiges Stadion auf der Lenzerheide. Mir geht es darum, dass der Sport als Ganzes mehr Mittel braucht.

Sie fordern mehr Geld für den Sport aus dem Lotteriefonds, der jährlich 520 Millionen für Sport, Kultur und Soziales ausschüttet. Ist der Sport wichtiger als die anderen Bereiche?

Lehmann: Das ist er nicht. Was mich stört, ist, dass der Sport nur rund 20 Prozent der Lotteriegelder erhält; 80 Prozent gehen an Kultur und Soziales. Ich verstehe nicht, warum wir so viel weniger bekommen. Wollen wir eine Wintersportnation sein, dann muss dieses Verhältnis anders werden. Würde der Sport 50 Millionen mehr pro Jahr bekommen, würden alle gleich viel bekommen. Ich habe nicht den Anspruch, dass wir mehr bekommen. Ich will einfach gleich lange Spiesse.

Zur Person

* Seit 2008 präsidiert Urs Lehmann (46) Swiss-Ski. 1993 holte der Aargauer in Morioka (Jap) WM-Gold in der Abfahrt. Nach seiner Sportkarriere studierte er an der Universität St. Gallen Betriebswirtschaft und schloss das Studium 2009 mit dem Doktortitel ab. Nebst seinem Engagement bei Swiss-Ski steht Lehmann als Geschäftsführer einer Arzneimittel-Firma vor.

WM-Restprogramm

Donnerstag: Riesenslalom, Frauen. Freitag: Riesenslalom, Männer. Samstag: Slalom, Frauen. Sonntag: Slalom, Männer (jeweils 18.15/22.15).

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