Ski alpin
Der selbstbewusste Jäger: Marco Odermatt macht das Rennen um den Gesamtweltcup spannend

Zwei Wochen vor dem Ende der Weltcup-Saison hat Marco Odermatt reelle Chancen auf den Sieg im Gesamtweltcup. Das Restprogramm spricht eher für den Franzosen Alexis Pinturault. Doch Odermatt sagt: «Das gibt einen grossen Kampf bis ganz am Schluss.»

Claudio Zanini
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Der Jäger im Rennen um den Gesamtweltcup: Marco Odermatt.

Der Jäger im Rennen um den Gesamtweltcup: Marco Odermatt.

Erich Spiess/Freshfocus

Marco Odermatts Ausrüster Stöckli wählte am Freitag salbungsvolle Worte, um die Vertragsverlängerung mit seinem Aushängeschild bekanntzugeben. «Der grösste Hoffnungsträger im Schweizer Skisport», «er steht für höchste Qualität und Präzision», «der ideale Markenbotschafter», war in einem Schreiben der Luzerner Skifirma zu lesen. Stöckli verlängerte die Zusammenarbeit mit Odermatt bis Ende der übernächsten Saison, Coronakrise hin, darbendes Skigeschäft her.

Warum Stöckli so viel vom 23-jährigen Nidwaldner hält, wurde 48 Stunden nach dem Versand der Mitteilung deutlich. Odermatt ist ein Mann für die grossen Momente, er kann Big Points gewinnen. Am Sonntag siegte er im Super-G von Saalbach-Hinterglemm. Auf den zweifachen Saisonsieger und Weltmeister Vincent Kriechmayr (3.) hatte er 81 Hundertstel Reserve. Kriechmayr kann somit die Disziplinenwertung erst im letzten Rennen für sich entscheiden.

Die Fahrt von Odermatt bewegte sich nahe an der Perfektion. Weil den Athleten im Super-G keine Trainingsläufe zur Verfügung stehen, ist viel Intuition gefragt. Es braucht einen spielerischen Umgang mit überraschenden Momenten, es braucht ein Gefühl für den Speed und technische Fähigkeiten. Odermatt zeigte am Sonntag, dass er all das hat.

Zwei Wochen vor dem Saisonende ist für ihn immer noch der Sieg im Gesamtweltcup möglich. Auf Leader Alexis Pinturault verkürzte er den Rückstand. 81 Punkte liegen noch zwischen den beiden. «Ich habe ehrlich gesagt schon auf Pinturault geschaut. Das gibt einen grossen Kampf bis ganz am Schluss», sagte Odermatt.

Video: Tele Züri

«Marco ist ein Wunder»

Sechs Rennen stehen noch aus. Am nächsten Wochenende geht es weiter in Kranjska Gora (Riesenslalom/Slalom), in der Woche danach steigt der Weltcup-Final in der Lenzerheide (Abfahrt/Super-G/Riesenslalom/Slalom). Das Restprogramm kommt eher Pinturault entgegen. Ihm stehen noch zwei Slaloms zur Verfügung, in denen Odermatt nicht am Start stehen wird. Im Riesenslalom bewegen sich beide auf ähnlichem Level. Die Abfahrt wird Pinturault nicht machen, im Super-G ist Odermatt klar im Vorteil. Und womöglich ist seine mentale Verfassung aktuell besser. «Ich bin vielleicht ein bisschen besser im Flow», sagt Odermatt. Die Ausgangslage scheint für Pinturault nicht besonders angenehm zu sein. Er spürt einen selbstbewussten Jäger im Nacken.

Eine erstaunliche Klassierung gelang Justin Murisier. Der Unterwalliser tauchte erstmals in einem Super-G in den Top 10 auf und wurde Fünfter, sogar einen Rang besser als Beat Feuz. Nie zuvor stand Murisier im Super-G in den Punkterängen. Mit Startnummer 40 profitierte er von sehr guten Lichtverhältnissen. «Eine solche Leistung hätte ich nicht von mir erwartet», sagte er etwas ungläubig im Zielraum. Auf Odermatt verlor er weniger als eine Sekunde. Mit dem entfesselten Teamkollegen wollte er sich aber nicht vergleichen. «Marco ist ein Wunder. Er zeigt in jedem Rennen, was möglich sein könnte.» Der Satz hätte sich nahtlos in die Stöckli-Mitteilung eingefügt.

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