Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SKI ALPIN: Die perfekte Fahrt des Patrick Küng

Patrick Küng holt den ersten Schweizer-WM- Titel in der Abfahrt seit 18 Jahren. Beat Feuz wird Dritter und komplettiert eine unglaubliche Geschichte.
In Schräglage zum insgesamt zwölften WM-Titel in der Abfahrt für die Schweiz: Der Glarner Patrick Küng erwischt alle Schlüsselstellen auf der «Raubvogel-Piste» in Beaver Creek ideal. (Bild: Keystone / Alessandro Trovati)

In Schräglage zum insgesamt zwölften WM-Titel in der Abfahrt für die Schweiz: Der Glarner Patrick Küng erwischt alle Schlüsselstellen auf der «Raubvogel-Piste» in Beaver Creek ideal. (Bild: Keystone / Alessandro Trovati)

Stefan Klinger, Beaver Creek

Patrick Küng ist nicht der Mann der grossen Emotionen eher ein stiller Geniesser. Als nach der WM-Abfahrt von Beaver Creek (USA), in der der 31-jährige Glarner das erste Schweizer WM-Gold seit 18 Jahren geholt hatte und damit den grössten Erfolg seiner Karriere feierte, zu seinen Ehren bei der Zeremonie im Zielraum die Schweizer Hymne erklang, schloss er die Augen. Vor seinem inneren Auge spulte er noch einmal seine Triumphfahrt von gerade eben ab. Diese perfekte Fahrt, «bei der ich keine einzige schwierige Situation hatte und gewusst habe, als ich über den Zielsprung bin, dass das eine sehr gute Fahrt war».

Als Küng seine Augen wieder aufmachte, schaute er seine ein paar Meter von ihm entfernt stehenden Eltern an, strahlte übers ganze Gesicht und blinzelte ihnen mit einer Mischung aus Stolz und Dankbarkeit zu. «Meine Familie hat sehr viel mit mir durchgemacht», sagte Küng hinterher, «aber sie haben mich immer unterstützt und mir geholfen.»

Für Küng gleicht sich alles aus

Nach seinem Kreuzbandriss 2012 beispielsweise. Vor einem Jahr, als er nach einer starken Saison als Medaillenkandidat zu den Olympischen Spielen anreiste, aber dort von einem Magen-Darm-Virus ausgebremst wurde oder wie es Patrick Küng mit dem für ihn so typischen, trockenen Humor erzählt: «Der letzte Grossanlass ging bei mir hinten raus – heute hat sich das ausgeglichen.» Oder als er Anfang Dezember ebenfalls in einer starken Form zur WM-Hauptprobe nach Beaver Creek anreiste, aber dann im Abfahrtsrennen plötzlich quer in der Luft lag und nur dank einer akrobatischen Leistung und mit viel Glück einen hässlichen Sturz vermeiden konnte. «Im Grunde muss ich froh sein, dass ich heute überhaupt dabei sein konnte», blickte Küng zurück, «das hätte auch anders ausgehen können und ich wäre heute daheim vor dem Fernseher gesessen.»

Körperlich blieb er zwar unversehrt, aber in den Wochen danach war es nicht allzu gut bestellt um sein Selbstvertrauen erst recht, weil er am Tag danach im Super-G auch gleich noch ausschied. Doch dann kamen die Abfahrten von Wengen und Kitzbühel, in denen Küng starke Fahrten zeigte, auch wenn sich das nicht in Podestplätzen auswirkte. «Durch diese beiden Rennen hatte ich wieder Vertrauen gefasst», sagte Küng.

So viel Vertrauen, dass er sich auf der für ihn so speziellen Piste «Birds of prey», wo er im Dezember 2013 seinen ersten Weltcupsieg damals im Super-G, gefeiert hatte – nun den WM-Titel in der Königsdisziplin sicherte. «Das heute ist das Beste, was mir passieren kann», schwärmte Küng, «für mich ist das heute ein herrlicher Tag, denn es ist nicht immer einfach, in der Schweiz Ski zu fahren. Wir Schweizer Athleten haben immer sehr viel Druck.»

Einen ebenso herrlichen Tag erlebte auch Beat Feuz und das, obwohl, der 27-Jährige aus dem Emmental «nur» Bronze gewann. Doch diese Medaille, seine erste bei der Elite, ist für Feuz im Grunde genauso so viel wert wie für Küng der WM-Titel. «Dieser Medaillengewinn ist extrem speziell. Es ist alles unglaublich. Vor zwei Jahren war ich sehr weit unten – so weit unten, dass ich teils selbst nicht mehr geglaubt habe, dass ein Medaillengewinn an einer WM für mich noch einmal möglich sein wird», sagte Feuz, «ich habe zwischendurch nur deshalb nicht aufgehört, weil meine Familie, meine Freundin und meine Trainer mir gut zugeredet und immer an mich geglaubt haben.»

Sein Durchhaltewillen, sein über zweijähriger Kampf hat sich gelohnt. Zweieinhalb Jahre, nachdem Feuz nach einer bakteriellen Infektion in seinem elfmal operierten linken Knie gar fürchten musste, nie wieder richtig laufen zu können, gelang ihm nun an der WM von Beaver Creek der Höhepunkt seiner bisherigen Karriere. Und das nicht auf irgendeiner, sondern auf einer der anspruchsvollsten Pisten der Welt, die den Athleten alles abverlangt. Eine Piste, die den technisch starken Schweizern seit Jahren entgegenkommt (elf Podestplätze in den letzten sechs Jahren).

Als Beat Feuz und Patrick Küng auf dem Podest standen, jubelten sie um die Wette. Später erzählten sie, dass das heute «der perfekte Tag» für sie ist. Für eine ausgiebige Feier bleibt aber kaum Zeit. Feuz tritt heute schon wieder in der Super-Kombination an und Küng fliegt bereits heute in die Schweiz zurück.

WM-Abfahrt der Männer

1. Patrick Küng (Sz) 1:43,18. 2. Travis Ganong (USA) 0,24 zurück. 3. Beat Feuz (Sz) 0,31. 4. Nyman (USA) 0,34. 5. Fayed (Fr) 0,39. 6. Svindal (No) 0,45. 7. Bank (Tsch) 0,56. 8. Théaux (Fr) 0,63. 9. Janka (Sz) und Weibrecht (USA) 0,67.11. Défago (Sz) 0,71. 12. Mayer (Ö) 0,92. 13. Reichelt (Ö) 0,94. 14. Poisson (Fr) 0,96. 15. Jansrud (No) 0,99. 16. Clarey (Fr) 1,08. 17. Sander (De) 1,13. 18. Thomsen (Ka) 1,18. 19. Franz (Ö) 1,31. 20. Goldberg (USA) 1,42. Ferner: 23. Paris (It) 1,94. 24. Innerhofer (It) 2,12. 29. Streitberger (Ö) 2,50. 32. Heel (It) 2,70.

Hinweis

Mehr zur Männer-Abfahrt auf Seite 29.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.