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SKI ALPIN: Eine regionale Lücke im Männerteam

Zentralschweizer Athletinnen gibt es im Weltcup mehrere. Bei den Männern sieht es nicht so gut aus. Warum dem so ist, können auch die Verantwortlichen nicht vollständig erklären.
Einer von drei Zentralschweizern im Weltcup: der Hergiswiler Reto Schmidiger. (Bild: Markku Ojala/EPA)

Einer von drei Zentralschweizern im Weltcup: der Hergiswiler Reto Schmidiger. (Bild: Markku Ojala/EPA)

Für die Männer stehen am ­kommenden Wochenende keine Wettkämpfe an. Die Weltcup-Abfahrt und der Super-G von Lake Louise mussten wegen Schneemangels abgesagt werden. Bevor sich der Schweizer Cheftrainer Thomas Stauffer gestern wieder in den Flieger setzte, versuchte er zu erklären, warum die Zentralschweizer Männer gegenüber den Frauen markant unterver­treten sind (vergleiche Tabelle): «Nein, es gibt keine Gründe. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort die entsprechende Leistung bringen.»

Das Phänomen ist augenfällig: Die sechsköpfige Frauen-Nationalmannschaft beinhaltet vier Zentralschweizerinnen. Würde man die dem Zürcher Skiverband angehörige und aus dem Kanton Schwyz stammende Wendy Holdener ebenfalls zur Region zählen, wäre Lara Gut die Einzige im höchsten Kader ohne Bezug zur Zentralschweiz. Wer aber einen einheimischen Athleten in der Nationalmannschaft der Männer sucht, tut dies vergebens.

Erfolgserlebnis von Schmidiger

Für Bernhard Aregger, Präsident des Zentralschweizer Schneesport-Verbands, ist die Unterzahl der Männer längst kein Grund zur Sorge. «Wir haben über die Verbandsgrenzen gesehen einen starken Nachwuchs.» Für Weltcup-Einsätze kommen nebst dem Engelberger Marc Gisin (A-Kader) drei weitere Zentralschweizer in Frage: Marco Odermatt (19), Reto Schmidiger (24) und Bernhard Niederberger (23). Mit Blick auf das Nidwaldner Trio sagt Aregger: «Im Slalom stehen wir bei den Männern besser da als noch vor fünf Jahren. Besonders Reto Schmidiger scheint den Rank wieder besser gefunden zu haben, was mich sehr freut.» Der Hergiswiler fuhr als 26. in Levi in die Punkte. Ein Aufsteller, denn Schmidiger schaffte es bei seinen letzten 20 Weltcup-Starts erst zum dritten Mal in den zweiten Durchgang.

Der zweite Nidwaldner Slalom-Spezialist ist Bernhard ­Niederberger. Der Beckenrieder brach sich im vergangenen Frühjahr den rechten Daumen. «Die letzte Überzeugung fehlt noch», meldete Niederberger kürzlich. Er versucht zurzeit, über FIS- und Europacup-Rennen wieder Sicherheit zu erlangen, sodass sich ein Weltcup-Einsatz «lohnen würde». Besser läuft es derweil für Marco Odermatt, dem 19-jährigen Talent aus Hergiswil. In Sölden überraschte er im Riesen­slalom mit Rang 17.

Russi sieht einen «Magnet-Effekt»

Dass die Zentralschweizerinnen im Weltcup so gut vertreten sind, kennt Hans Flatscher nicht anders. Das sei schon vor fünf Jahren so gewesen, als er das Amt als Frauen-Cheftrainer übernahm, sagt der Österreicher. Es stellt sich die Frage, ob die Anzahl an Top-Athleten genau so stark von Glück und talentierten Jahrgängen abhängig ist wie von seriösen Verbandsstrukturen. «Es wäre zu einfach, dies nur mit Glück zu erklären. Zuerst braucht es Eltern, die bereit sind, den nötigen Aufwand zu betreiben. Dann braucht es einen funktionierenden Regionalverband und ein nationales Ausbildungszentrum, welches den Sprung in ein Kader ermöglicht», sagt Flatscher, dessen Team am Wochenende in Killington (USA) im Einsatz steht.

Von einem «Magnet-Effekt» im Frauenteam spricht hingegen Bernhard Russi. Der ehemalige Abfahrts-Olympiasieger sagt: «Wenn eine Athletin erfolgreich ist, kann das andere hochziehen. Das erlebe ich zurzeit in Andermatt, wo viele Mädchen noch mehr motiviert sind wegen Aline Danioth. Es braucht solche Zugpferde.» Dies könne aber schnell auch bei den Männern wieder der Fall sein, etwa durch Schmidiger und Odermatt, sagt Russi und hält fest: «Die Nachwuchsarbeit ist in der Zentralschweiz jedenfalls sehr gut.»

Ein Ende der grossen Präsenz von Zentralschweizerinnen im Weltcup ist nicht in Sicht: Nebst den Athletinnen der Nationalmannschaft kommen auch Aline Danioth und Priska Nufer im Weltcup zum Zug. Und für künftige Engpässe stünde überdies Leana Barmettler im C-Kader bereit. Die 20-jährige Engelbergerin gewann vor knapp einer Woche in Zinal den FIS-Riesen­slalom – mit fast einer Sekunde Reserve auf Wendy Holdener.

Claudio Zanini

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