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SKI ALPIN: Eine Übernachtung kostet 600 Dollar

Wer in Beaver Creek Ferien machen will, braucht ein dickes Portemonnaie. Dafür kommt der betuchte Gast in den Genuss von beheizten Strassen und Rolltreppen, die direkt zu den Skiliften führen. Ein Augenschein an der Ski-WM in den Rocky Mountains.
Verschneites Colorado. (Bild: Getty)

Verschneites Colorado. (Bild: Getty)

Christof Krapf, BEAVER CREEK

Schnee liegt auf den Strassen von Beaver Creek eigentlich nie. Auch wenn sich der Ort auf 2500 Metern über Meer befindet ähnlich hoch wie der Säntis. Unterirdisch verlegte Heizschlangen sorgen dafür, dass die Wege trocken bleiben. Denn der Schnee gehört auf die Skipiste und sonst nirgendwohin. Schliesslich soll niemand ausrutschen; auch nicht die herausgeputzten Damen in Pelzmänteln und High Heels, die man hier alle paar Meter trifft.

Dickes Portemonnaie ist nötig

Wer in Beaver Creek Ferien machen will, der muss ein dickes Portemonnaie haben. Das günstigste Hotel kostet über 600 Dollar pro Nacht. Auch beim Blick in die Schaufenster der Immobilienmakler stockt dem Normalverdiener der Atem. Diverse Appartements und Häuser kosten 2 Millionen Dollar und mehr. Dafür kriegt man allerlei Schnickschnack. Eine Immobilie verfügt sogar über eine eigene Sternwarte. Häuser ohne Pool im Garten sind praktisch nicht verfügbar.

Der Energieverbrauch ist hoch

Dass die beheizten Strassen und Plätze Unmengen an Energie verbrauchen, stört hier keinen. Schliesslich ist Beaver Creek kein Ort zum Arbeiten, sondern um sich zu erholen dabei will der betuchte Amerikaner auf nichts verzichten. Die Hotels verfügen über Freiluft-Schwimmbecken; beheizt, versteht sich. Damit die Skifahrer nicht erschöpft an der Sesselbahn ankommen, wurden Rolltreppen gebaut, welche ins Skigebiet führen. «Energiewende» – das ist hier noch ein Fremdwort.

Das Ferienhaus von Präsident Ford

Nur 300 Leute wohnen permanent in Beaver Creek. Sie sind entweder Angestellte von Hotels, Restaurants und Boutiquen oder gutbetuchte Rentner, die in den Rocky Mountains ihren Lebensabend verbringen. Das Resort wurde 1980 eröffnet. Am Reissbrett geplant als Retorten-Ferienort für Gutbetuchte hatte beispielsweise Gerald Ford, von 1974 bis 1977 US-Präsident, hier ein Ferienhaus.

«Feiern Sie verantwortungsvoll»

So mir nichts, dir nichts darf nicht jeder vom Tal nach Beaver Creek hinauffahren. Zu Beginn der Passstrasse stehen Wachhäuschen mit Barrieren. Security-Beamte passen auf, dass nur Gäste, die in einem Hotel einchecken oder ein Ferienhaus besitzen, mit ihren Fahrzeugen ins Resort gelangen. Weil vor allem die oberen Zehntausend in Beaver Creek Ferien machen, ist der Dorfkern mit schicken Boutiquen und edlen Restaurants gesäumt. Fast-Food-Läden sucht man vergeblich. Dafür sind die meisten bekannten Edelmarken mit einem Laden vertreten. Und wen es nach Hummern, Austern oder sonstigen Gaumenfreuden gelüstet, der ist hier richtig natürlich nur mit entsprechend gefülltem Geldbeutel. Das Bergrestaurant Beanos Cabin zeigt, an welche Klientel sich Beaver Creek richtet. Der Gourmettempel verzichtet darauf, auf seiner Speisekarte Preise anzuschreiben. Man hat es eben. Mittags ist das Lokal nur für Mitglieder geöffnet. Wer dazugehören will, muss 40 000 Dollar pro Jahr berappen.

«Was ist eigentlich ein Super-G?»

Dass in Beaver Creek aktuell die Ski-WM stattfindet, merkt man nur am Rand. Der Fanshop der Titelkämpfe ist in einem mickrigen Pavillon in einer Seitengasse untergebracht. Auf der Bea­ver Creek Plaza im Zentrum steht immerhin ein Festzelt. Wer die wilden Partys an der Ski-WM 2013 in Schladming oder die Stimmung an den Weltcup-Rennen in Wengen, Adelboden oder Kitzbühel erlebt hat, wird hier enttäuscht. Schon am Eingang steht ein Schild mit der Aufschrift: «Celebrate responsibly» «Feiern Sie verantwortungsvoll».

Nur gut 20 Leute haben sich in den Partytempel verirrt vor allem Familien mit Kindern. Von Apres-Ski in den Alpen ist die Stimmung weit entfernt. Viel lieber fotografieren stolze Eltern ihren Nachwuchs, wie dieser auf einem Skisimulator die WM-Strecke «Birds of Prey» zu bewältigen versucht. Es geht gesittet zu und her: Auf den Strassen, wo man an Skirennen in Europa auf feierwütige Zuschauer trifft, ist wenig los. Eine Gruppe Männer steht vor einer Bar; das Etikett ihrer Bierflaschen müssen sie sogar mit einer Serviette abdecken. Wegen der WM sind die wenigsten Amerikaner gekommen. «Ich bin jedes Jahr hier zum Skifahren», sagt etwa Cyrus, ein Versicherungsangestellter aus Denver. Für den Skisport interessiert er sich nicht. Nach einigem Nachdenken fällt ihm Lindsey Vonn als Beispiel für eine US-Athletin ein. «Ich schaue eigentlich nur Basketball», so Cyrus. Ähnlich klingt es bei Brandon, einem Bank­angestellten aus Pueblo, Colorado. «Ich bin mit meiner Familie hier. Die WM ist eine tolle Sache.» Auch er kennt nur Vonn und sagt lachend: «Ich war einmal in sie verliebt, aber Tiger Woods hat sie mir weggeschnappt.»

Obwohl sich das Interesse der Amerikaner für die WM in Grenzen hält, ist das Zielstadion an den Rennen voll. Dies liegt daran, dass der Eintritt gratis ist. Für viele ist es das erste Skirennen, das sie mitverfolgen. Eine Zuschauerin fragt im Bus, was eigentlich genau ein Super-G sei. Ob sie die Erklärung nachvollziehen kann, ist aber nicht so wichtig. Denn für die meisten Feriengäste in Beaver Creek ist die WM nicht mehr als ein unterhaltsamer Nebeneffekt.

Blick ins Beaver-Creek-Resort. (Bild: Keystone)

Blick ins Beaver-Creek-Resort. (Bild: Keystone)

Fans mit Gratiseintritt im Zielhang. (Bild: Keystone)

Fans mit Gratiseintritt im Zielhang. (Bild: Keystone)

Fondue im «House of Switzerland» (Bild: Keystone)

Fondue im «House of Switzerland» (Bild: Keystone)

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