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SKI ALPIN: Endlich raus aus dem Schatten

Für Patrick Küng ist der Sieg in der WM-Abfahrt der grösste Erfolg seiner Karriere und der Durchbruch. Denn trotz früherer Siege sass er in der zweiten Reihe fest.
«Es gibt nicht viel Schöneres, als eine WM-Abfahrt zu gewinnen», sagt Patrick Küng mit Gold um den Hals und lässt sich im House of Switzerland von den Schweizern und insbesondere von seinen Glarner Fans feiern. (Bild: EPA / Hans Klaus Techt)

«Es gibt nicht viel Schöneres, als eine WM-Abfahrt zu gewinnen», sagt Patrick Küng mit Gold um den Hals und lässt sich im House of Switzerland von den Schweizern und insbesondere von seinen Glarner Fans feiern. (Bild: EPA / Hans Klaus Techt)

Stefan Klinger, Beaver Creek

Eine der ersten Amtshandlungen des soeben gekrönten Abfahrtsweltmeisters Patrick Küng (31), des Triumphators in der Königsdisziplin, war ganz menschlicher Natur. Nachdem der Glarner am Abend im Zentrum von Vail die Goldmedaille erhalten hatte, den witzigen Klängen eines Kinderchors, der mit stark amerikanischem Akzent auf Deutsch die Schweizer Hymne sang, gelauscht hatte und anschliessend unter dem Jubel seiner Familie, Freunde, Trainer und Fans im House of Switzerland einmarschiert war, liess er seinen Betreuer den gleich für Sonntag geplanten Heimflug um einen Tag verschieben.

Im Schatten von Cuche, Janka, Feuz

Es gab ja auch einiges zu feiern. WM-Gold in der Abfahrt was nichts Geringeres als der grösste Erfolg seiner Karriere ist. «Der Sieg am Lauberhorn war ja schon sensationell, aber jetzt ist ein Traum in Erfüllung gegangen», jubelte Küng, «es gibt nicht viel Schöneres, als hier auf dieser so anspruchsvollen Piste Weltmeister zu werden. Diesen Moment werde ich jetzt erst einmal ausführlich geniessen.» Und dazu hat er auch allen Grund. Denn dieser Erfolg dürfte seinen endgültigen Durchbruch bedeuten. Oder wie es Urs Lehmann, Swiss-Ski-Präsident und 1993 selbst Abfahrtsweltmeister, formuliert: «Dieser Tag wird sein Leben verändern.»

Zwar gewann Küng vergangenen Winter bereits die prestigeträchtige Abfahrt von Wengen und avancierte mit einem weiteren Weltcup-Sieg und mehreren guten Leistungen zum Teamleader, doch im Grunde stand er immer im Schatten. Im Schatten der Erfolge von Didier Cuche. Im Schatten der Erfolge und vor allem der Leidensgeschichten von Carlo Janka und Beat Feuz. Die wurden in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen als die Karriere von Patrick Küng. Ein Mann, der an Junioren-Weltmeisterschaften nie eine Medaille gewann und schon 26 Jahre alt war, als er im Weltcup erstmals einen Top-10-Platz erreichte. Das war im März 2010, als Carlo Janka mit 23 den Gesamtweltcup gewann.

Als im Winter 2012/13 die Schweiz in der Ski-Krise steckte, bekam auch Küng sein Fett ab obwohl er nach einem Kreuzbandriss ein paar Monate zuvor schon wieder ganz gut fuhr. Und als er im Dezember 2013 in der Abfahrt von Beaver Creek als Fünfter bester Schweizer war, wollten alle nur mit Feuz reden, der als Sechster erstmals nach seinen Knieproblemen wieder ein gutes Resultat erreicht hatte. Ja, Patrick Küng sass jahrelang in der zweiten Reihe fest.

Die Schwierigkeit seiner Situation zeigte sich ganz deutlich vergangenen Sommer bei der Suche nach einem Kopfsponsor. Denn nach dem Rückzug seines bisherigen fand er keinen, der seinen Ansprüchen genügte. «Ich verkaufe mich nicht unter Wert», sagte Küng damals. Doch den anscheinend von ihm geforderten Jahres-Fixbetrag von 240 000 Franken wollte keiner bezahlen. Trotz Lauberhorn-Sieg war Küng noch keine Marke wie Cuche, Janka oder Lara Gut. Seither macht er auf seinem Helm Werbung für «Küng&Friends». Ein Projekt, mit dem er und ein paar Freunde Geld für den Schweizer und Liechtensteiner Ski-Nachwuchs sammeln, unter anderem mit der Versteigerung des Helmes.

Küngs Sieg für Verband wertvoll

Das alles wird sich nun ändern. Nun bekommt Küng einen anderen Stellenwert. Er selbst hofft das und Lehmann ist sich da ganz sicher. «Wenn du Weltmeister in der Abfahrt, in der Königsdisziplin, bist, begleitet dich das dein ganzes Leben», sagt Lehmann, «das ist eine riesige Sache für ihn – aber auch für uns als Verband.» Die Position von Swiss-Ski in den ewig zähen Verhandlungen ums Geld mit Kantonen, Bund und Swiss Olympic stärkt der prestigeträchtige Erfolg. «So viele Weltmeister laufen in der Schweiz nicht herum», sagt Lehmann, «um unser aktuelles Niveau im Verband halten zu können, brauchen wir aber mehr Geld.»

Am Abend von Küngs Triumph spielten diese Gedanken aber erst einmal keine Rolle. Da klatschte Urs Lehmann Patrick Küng, den er bei Olympia 2010 noch gemassregelt hatte, nachdem Küng nach verpasster Qualifikation im Swiss House bei einem Bier ein paar Lieder sang, herzhaft ab und gratulierte ihm von ganzem Herzen. Jetzt war erst einmal der Zeitpunkt, an dem gefeiert wird.

Zwei der drei Abfahrtsmedaillen gingen an die Schweiz: Weltmeister Küng posiert mit Beat Feuz (Bronze). (Bild: EPA / Jean-Christophe Bott)

Zwei der drei Abfahrtsmedaillen gingen an die Schweiz: Weltmeister Küng posiert mit Beat Feuz (Bronze). (Bild: EPA / Jean-Christophe Bott)

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