SKI ALPIN: Gisins Premiere auf der Frutt

Michelle Gisin (20) gewinnt den Europacup-Nachtslalom auf Melchsee-Frutt in eindrücklicher Manier. Ein Erfolg, der für sie eine sehr grosse Bedeutung hat.

Jonas von Flüe
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Die Engelbergerin Michelle Gisin macht ihren Fehler vom Vortag mehr als wett und distanziert die Konkurrenz im Kampf um den Slalom-Sieg um mehr als eine Sekunde. (Bild Roger Grütter)

Die Engelbergerin Michelle Gisin macht ihren Fehler vom Vortag mehr als wett und distanziert die Konkurrenz im Kampf um den Slalom-Sieg um mehr als eine Sekunde. (Bild Roger Grütter)

Michelle Gisin begriff zunächst gar nicht, was sie soeben geschafft hatte. Ungläubig starrte sie auf die Anzeigetafel, bevor sie die Arme in die Höhe streckte und einen Freudenschrei in den Nachthimmel ausstiess. Auch nach dem zweiten Lauf leuchtete die 1 auf. Die Führende nach dem ersten Lauf gewann ausgerechnet bei ihrem Heimrennen auf Melchsee-Frutt ihr erstes Europacup-Rennen. «Mir ist eine nahezu perfekte Fahrt gelungen», sagte sie unmittelbar nach der Zieleinfahrt mit zittriger Stimme. «Hier zu gewinnen ist unglaublich schön», fuhr sie fort. Mit einer Sekunde Vorsprung auf die zweitplatzierte Nastasia Noens erreichte sie das Ziel – eine extrem starke Leistung der jungen Engelbergerin, die am Donnerstag an selber Stelle Siebente geworden war.

Hauptprobe vor Flachau-Slalom

Noens war nur eine von vielen prominenten Fahrerinnen, die normalerweise im Weltcup an den Start gehen. Würde in Altenmarkt/Zauchensee nicht am Sonntag die letzte Super-Kombination vor den Olympischen Spielen in Sotschi über die Bühne gehen, hätten sicher noch mehr Weltklasse-Athletinnen den Weg nach Obwalden gefunden. So auch die einheimischen Priska Nufer (Alpnach), Denise Feierabend (Engelberg) und Wendy Holdener (Unteriberg).

Denn der Europacup-Slalom auf Melchsee-Frutt liegt terminlich perfekt, wie Noens erklärt: «Am Dienstag findet in Flachau ja ein Weltcup-Nachtslalom statt. Mir war es sehr wichtig, dass ich im Vorfeld noch eine Hauptprobe unter Flutlicht absolvieren konnte. Und die ist mir doch relativ gut gelungen», sagt die 25-jährige Französin, die am letzten Sonntag im Weltcup-Slalom von Bormio hervorragende Dritte wurde und seit Jahren mit dem Slalom-Weltmeister von 2011, Jean-Baptiste Grange, liiert ist.

Dass Michelle Gisin so erfahrene und Weltcup-erprobte Fahrerinnen wie Noens oder die Schwedin Anna Swenn-Larsson (3.) derart distanzieren konnte, überraschte auch sie selbst: «Das Teilnehmerfeld war extrem stark. Deswegen schätze ich diesen Sieg auch sehr hoch ein. Er fällt in eine Phase, in der ich sehr konstante Resultate abliefern konnte», erklärt sie. Vergessen ist der Fehler vom Vortag, über den Gisin «irgendwann nur noch lachen konnte».

Vater und Bruder erste Gratulanten

Der Stress war für sie nach dem Rennen aber noch lange nicht zu Ende. Vater Beat war der erste Gratulant, Bruder Marc via Telefon der zweite. Danach nahmen es sich auch unzählige Fahrerinnen und Zuschauer nicht, Michelle Gisin zu ihrem Triumph zu gratulieren. Die 20-Jährige erfüllte jeden Autogrammwunsch und bedankte sich auch bei den Organisatoren, die wieder perfekte Rahmenbedingungen schufen. «Die Piste war in einem viel besseren Zustand als am Donnerstag», sagte auch Nastasia Noens.

Am Dienstag in Flachau stehen die beiden wieder im Weltcup im Einsatz. Michelle Gisin will den «Groove» mitnehmen, wie sie sagt, und sich mit einer weiteren guten Leistung für einen Startplatz in Sotschi empfehlen. Gestern aber genoss sie einfach nur ihren Triumph.

Frauen-Europacup, Melchsee-Frutt

2. Slalom:1. Michelle Gisin (Sz) 1:42,11. 2. Noens (Fr) 1,00 zurück. 3. Swenn-Larsson (Sd) 1,01. 4. Wikstöm (Sd) 1,69. 5. Wirth (De) 1,87. 6. Schneeberger (Ö) 2,07. – Ferner: 12. Kopp (Sz) 2,67. 25. Vogel (Sz) 3,84.

Europacup-Stände. Gesamt: 1. Mona Löseth (No) 460. 2. Staalnacke (Sd) 382. 3. Ortlieb (Ö) 360. – Ferner: 5. Michelle Gisin 312.

Slalom: 1. Swenn-Larsson 331. 2. Michelle Gisin 312. 3. Noens 280.