SKI ALPIN: «Habe nie von dieser Kugel geträumt»

Lara Gut (24) fährt im letzten Rennen der Saison auf den 3. Platz. Im Interview lässt die Gesamtweltcup- Siegerin ihren erfolgreichen Winter Revue passieren.

Aufgezeichnet von Valentin Oetterli (sda), St. Moritz
Drucken
Teilen
Erhielt gestern die grosse Kristallkugel für den Gesamtweltcup: Lara Gut. (Bild: EPA/Jean-Christophe Bott)

Erhielt gestern die grosse Kristallkugel für den Gesamtweltcup: Lara Gut. (Bild: EPA/Jean-Christophe Bott)

Lara Gut, herzliche Gratulation, was haben Sie gedacht, als Sie nach dem zweiten Lauf des Riesenslaloms über die Ziellinie fuhren?

Lara Gut: Vor dem Start wurde mir bewusst, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt in der Saison noch nie so gut gefühlt habe wie jetzt. Ich wusste auch, dass Viktoria Rebensburg ein grossartiger Lauf gelungen ist. Im Ziel sah ich, dass ich mit recht grossem Rückstand Zweite bin, und glaubte schon, nur Vierte zu werden, da noch zwei Fahrerinnen folgten. Dennoch fühlte ich mich nach der Ziellinie glücklich, denn es war nicht immer einfach, den Fokus zu behalten.

Als Sie auf dem Podest die grosse Kristallkugel überreicht bekamen, war das so, wie Sie es sich zuvor erträumt hatten?

Gut: Ich habe nie von dieser Kugel geträumt. Mein Plan war wirklich, Rennen für Rennen zu nehmen. Aber natürlich ist es cool, diese Kristallkugel zu erhalten. Alle haben ja schon vor Wochen immer wieder gesagt, dass ich sie kriege. Doch nun werde ich ein bisschen Zeit brauchen, um das Ganze zu fassen. Dass das normal ist, darüber habe ich schon mit Anna Fenninger und Tina Maze gesprochen.

Sie haben in diesem Winter Siege in vier verschiedenen Disziplinen feiern können. Was war der Schlüssel zu Ihrem Erfolg?

Gut: Jahrelange harte Arbeit und das richtige Team um einen herum. Es gibt keinen grossen Unterschied zu früher, es müssen halt einfach die Details passen – und das taten sie in diesem Winter wohl besser. Aber es geht auch darum, einen Schritt nach dem anderen zu machen, und irgendwann hast du dann die Möglichkeit, um so etwas Grosses zu kämpfen. Aber ich habe nicht wirklich viel geändert, es war mehr eine Entwicklung.

Wie wichtig war der Materialwechsel?

Gut: Wohl entscheidend und damit auch richtig. Ich bin am ersten Tag auf die Ski gestanden und habe gemerkt, wie gut sich das anfühlt. Klar brauchte es danach Anpassungen, aber die Basis war bereits sehr gut. Auf dieser konnte man aufbauen.

In den Medien war viel von einem Duell zwischen Ihnen und Lindsey Vonn die Rede. Nahmen Sie es auch als solches war?

Gut: Nein, überhaupt nicht. Lindsey und ich haben immer wieder betont, dass es vielmehr ein Kampf gegen die Zeitmessung und nicht etwa gegen eine andere Person ist. Es geht bei jedem Rennen nur darum, so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen. Aber klar, es war ein spannender Winter, zwischen uns ging es immer sehr knapp zu und her. Das ist für die Medien wie fürs Publikum gut.

Haben Sie Gratulationen erhalten, über die Sie sich besonders freuen?

Gut: Ich freue mich über alle Gratulationen, die von Herzen kommen. Ich fühlte mich in diesem Winter selten allein, so wie dies Spitzensportlern manchmal passieren kann. Es gibt nur wenige, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie ich und die mich verstehen könnten.

Wie sieht Ihr Programm in den nächsten Tagen aus?

Gut: Ich werde für eine Woche in die Ferien verschwinden. Etwa in zehn Tagen geht es zurück auf Schnee. Ab dann versuche ich wieder, besser zu werden. Denn darum geht es im Sport.