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SKI ALPIN: Herger und sein Ärger mit Swiss-Ski

Elmar Herger ist beim SRF der Hauptverantwortliche für die Übertragungen der Ski-WM. Und das stellt den Zuger vor so manche Herausforderung.
Stefan Klinger, Schladming
Projektleiter Elmar Herger nimmt Platz in seinem Reich, dem WM-Studio von SRF im Schweizer Haus in Schladming. (Bild: Keystone)

Projektleiter Elmar Herger nimmt Platz in seinem Reich, dem WM-Studio von SRF im Schweizer Haus in Schladming. (Bild: Keystone)

Kaum hat Elmar Herger das Medienzentrum betreten, zückt er sofort sein Smartphone. Das US-Team hat laut dem im Foyer hängenden Tagesplan für den Nachmittag kurzfristig eine Medienkonferenz angesetzt. Und so heisst es für den 49-Jährigen aus Zug nun: handeln. Schnell ein Anruf bei den Kollegen, damit einer zu diesem Termin geht. Wer weiss, was bei dieser Medienkonferenz herauskommt? Der Projektleiter «Ski-WM» beim Schweizer Fernsehen, und damit der Hauptverantwortliche für das Programm des Deutsch-Schweizer Fernsehens während der Titelkämpfe, will für alle Fälle gewappnet sein.

Rund fünf Stunden sendet das SRF an den Wettkampftagen aus Schladming. Die Live-Übertragung der Rennen, die Sendung «Schladming aktuell» am Abend und noch den einen oder anderen Beitrag für «Sport aktuell» am späten Abend. Fünf Stunden, hinter denen die Arbeit von knapp 50 Personen – und die von Elmar Herger steckt.

Vor Sendebeginn alles mal proben

Und so betritt der in Engelberg aufgewachsene TV-Mann jeden Morgen um 8 Uhr sein Büro. Noch bevor die ersten Kollegen im Übertragungswagen sind, überprüft Herger, ob alle Beiträge rund um die anstehende Live-Übertragung parat sind. Jetzt besteht die letzte Möglichkeit, noch einmal zu reagieren, etwas zu verändern. Ist alles tipptopp, kann die Hauptprobe beginnen. Etwa eine bis eineinhalb Stunden vor dem Start der Live-Sendung testen sie beim SRF schon mal alle Abläufe und Anmoderationen. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Es folgt die Live-Übertragung. Ein Moment, in dem sich Herger zurücklehnt und seine Kollegen auf den Monitoren beobachtet. Immer wieder checkt er nebenher die Twitterseiten der Skistars im Internet. Twittert Michelle Gisin, dass sie ihrer Schwester Dominique für die Abfahrt alles Gute wünscht, greift Herger ein, bereitet eine Einblendung und dann den Moderator auf die kurze Programmänderung vor. Es hat sich eben einiges verändert, seit Herger, der bei verschiedenen Luzerner Tageszeitungen und einem hiesigen Radiosender seine journalistische Laufbahn begann, 2005 in Bormio erstmals fürs TV Beiträge von einer Ski-WM produzierte – und es Twitter noch nicht gab.

Probleme wegen unklarer TV-Quote

Ist die Sendung zu Ende, geht es für Herger erst richtig los. Eine Sitzung folgt der nächsten. Die Planungen für die Beiträge der kommenden Tage stehen an. Und das ist für ihn auch immer ein bisschen eine Reise ins Ungewisse. Denn während sie an den vergangenen Weltmeisterschaften täglich die Quote erhielten und damit ihren Programmumfang kurzerhand dem Zuschauerverhalten anpassen konnten, tappen sie beim SRF diesmal völlig im Dunkeln. Denn wegen Problemen mit dem Anfang des Jahres neu eingesetzten Messsystems zur Ermittlung von TV-Quoten gibt es seit dem 1. Januar für die Schweizer Fernsehsender keine TV-Quoten mehr. «Für uns ist das zwar ärgerlich, aber wir können es ja nicht ändern», sagt Herger, «aber unsere Erfahrung von früheren Skirennen ist, dass die meisten Zuschauer fünf bis zehn Minuten vor dem Rennen einschalten und hinterher nach den ersten Interviews wieder abschalten. Daher gehen wir auch nicht so früh wie andere Fernsehstationen auf Sendung, sondern beginnen maximal 15 bis 30 Minuten vor dem Start die Übertragung.»

ÖSV kooperativer als Swiss-Ski

Die ausbleibenden TV-Quoten sind dabei nicht das einzige, was Herger immer mal wieder ein paar unliebsame Momente beschert. «Swiss-Ski schottet die Athleten mitunter zu sehr ab. So können wir nach der Streckenbesichtigung nicht mit allen Schweizern sprechen, und am Abend vor dem Rennen kommt auch keiner zu uns ins Studio», sagt Herger, «das ist mitunter schon ein mühevoller Kampf. Da zeigt sich der Österreichische Skiverband gegenüber dem ORF kooperativer.»

Richtig kooperativ sind indes die ausländischen TV-Stationen. So bietet beispielsweise der US-Sender NBC exklusive Bilder von der frisch operierten Lindsey Vonn aus dem Spital an, wenn die amerikanischen Kollegen in Schladming dafür ein paar technische Geräte des SRF mitbenutzen dürfen. Die Norweger bieten Archivbilder von Aksel Lund Svindal im Tausch gegen Aufnahmen von Lara Gut an. Es herrscht ein reges Geben und Nehmen. «Wir haben bei den ausländischen Stars nicht allzu viel Archivmaterial», sagt Herger, «doch bei dieser WM sind wir umso mehr darauf angewiesen, weil wir wegen des bisherigen Abschneidens der Schweizer in diesem Winter den Fokus an der WM mehr öffnen und nicht die x-te Analyse, warum es den Schweizern nicht so besonders läuft, zeigen wollen.»

Doch so stressig, so mühsam sein Job manchmal auch ist – es ist genau diese tägliche Herausforderung, die Elmar Herger auch bei seiner fünften Ski-WM antreibt, jeden Tag aufs Neue alles für den Job zu geben. «Ich liebe diese Challenge, wenn du täglich vor der Frage stehst, wie wir das Rennen, das die Zuschauer vor Ort erleben, am authentischsten daheim in die Stube bringen und das dann eine Reihe von Aufgaben mit sich bringt», sagt Herger, «und vor allem mag ich das Gefühl, wenn dir das dann gelungen ist.»

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