SKI ALPIN: Hoffen auf ein Wunder am Lauberhorn

Carlo Janka, Marc Gisin und Beat Feuz sind nach ihren Leistungen in der Kombi-Abfahrt auch heute die Schweizer Trümpfe. Der Sieg wird wohl über die Norweger und Hannes Reichelt führen.

Richard Hegglin, Wengen
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Setzte am Vortag der Abfahrt ein starkes Zeichen: Der Engelberger Marc Gisin fuhr gestern in der Kombination von Wengen auf den 6. Schlussrang – sein erster Top-Ten-Platz. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Setzte am Vortag der Abfahrt ein starkes Zeichen: Der Engelberger Marc Gisin fuhr gestern in der Kombination von Wengen auf den 6. Schlussrang – sein erster Top-Ten-Platz. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Die prekäre Situation im Schweizer Abfahrtsteam mit zahlreichen Verletzten tut der Anziehungskraft des Lauberhorns keinen Abbruch. Die Magie des Berges ist unwiderstehlich – schon die Kombination erfreute sich gestern einer imposanten Kulisse von 14 000 Zuschauern.

Wenig fehlte, und die sich hinziehende Nullnummer der Männer-Mannschaft wäre beendet worden. Carlo Janka war im Slalom schneller unterwegs als der spätere Sieger Kjetil Jansrud – der dritte Lauberhorn-Triumph in der Kombination lag in Reichweite. Aber in der Abfahrt (9. Rang) war es ihm wie auch dem Engelberger Marc Gisin (12.) nicht nach Wunsch gelaufen. «Ohne nennenswerten Fehler habe ich viel Zeit verloren. Ich muss das noch genauer analysieren», ärgerte sich der Stoiker Janka unüblich emotional.

Beat Feuz verblüfft

Das sind in der Regel Hinweise, dass mit dem Material etwas nicht optimal lief. Auch seine Rossignol-Werkskollegen Marc Gisin (12.) und Christof Innerhofer (21.) büssten in ihrer Spezialdisziplin beträchtlich Zeit ein. «Leider ist mir im Seilersboden ein Fehler unterlaufen», beklagte Gisin. Dort verlor er sieben Zehntel, insgesamt 1,70 Sekunden – für einen Mann seines Kalibers in der Kombi-Abfahrt eine Nuance zu viel.

Dafür verblüffte einer, den man mit Fug und Recht als medizinisches Wunder bezeichnen darf. Beat Feuz, der am Donnerstag im Training sich noch vage über seine Zukunft geäussert hatte und für den auch der Abbruch der Saison eine Option war, klassierte sich zur Überraschung aller zwischen Janka und Gisin – ein Exploit der Marke Feuz. Erfreut gab er danach zu Protokoll: «Wenn in der Nacht mit meinem Fuss (operierter Achillessehnenanriss, Anm. d. Red.) nichts Aussergewöhnliches passiert, werde ich im Rennen dabei sein.» Und nicht einfach als Mitfahrer: Wenn Feuz fährt, hat er Ambitionen.

Erster Top-Ten-Platz für Gisin

So werden heute mit Janka (2010) und Feuz (2012) zwei ehemalige Lauberhorn-Sieger am Start stehen und den Ausländern die Lorbeeren nicht kampflos überlassen. Und Gisin wird heute in der Abfahrt das zu kopieren versuchen, was er mit seinem 6. Schlussrang in der Kombination vorgespurt hat. Es war sein erster Top-Ten-Platz im Weltcup.

Die weiteren Starter im Schweizer Rumpfteam (nur 5 Mann, Minusrekord!) werden mit dem Ausgang des Rennens kaum etwas zu tun haben. Ralph Weber, 11. im Dezember im Val Gardena, plagt sich mit einer Oberschenkelverletzung herum, Nils Mani kam sowohl im Training wie in der Kombi-Abfahrt übers Mittelmass nicht hinaus. Und Marc Berthod, der nach einjähriger Pause erstmals wieder auf Abfahrtsski stand, verzichtet auf einen Einsatz. So bleiben auch die Leistungsziele von Cheftrainer Tom Stauffer bescheiden: «Mit den gleichen Resultaten wie in Santa Caterina plus einem Wengen-Bonus wäre ich zufrieden.» In Santa Caterina belegten Gisin und Janka die Plätze 11 und 12. Alles Weitere wäre die Wengen-Zugabe.

Nationenwertung sieht düster aus

Bei Joker Beat Feuz ist alles möglich – im Negativen wie im Positiven. Folgt dem medizinischen gar ein sportliches Wunder? So oder so wird das Männer-Team Mühe haben, vom 7. Platz der Nationenwertung wegzukommen – eine Position, die einer Skination sehr schlecht ansteht, selbst unter Berücksichtigung aller Unwägbarkeiten und des Verletzungspechs.

Das totale Kontrastprogramm bilden die Norweger, die seit dieser Saison mit dem einstigen Swiss-Ski-Europacup-Chef Reto Nydegger ebenfalls einen Berner Oberländer Trainer haben. Diesbezügliche Fragen der Schweizer Medienleute geben Aksel Lund Svindal langsam auf den Keks: «Wir hatten schon Trainer aus Italien, Österreich oder Deutschland. Noch nie gab es so viele Fragen wegen der Nationalität des Trainers ...» Es ist quasi ein Kompensationsmechanismus: Mangels Erfolgen der eigenen Athleten hält man sich wenigstens an die Erfolge der Schweizer Trainer – eine verständliche, aber fragwürdige Entwicklung.

Weiterer Doppelsieg für Norweger

Und so wird es auch in Wengen weitergehen: Aksel Lund Svindal und Kjetil Jansrud befinden sich in einer unglaublichen Form und feierten bereits in ihrer vierten Disziplin einen Doppelerfolg: Nach Abfahrt, Super-G und Parallel-Riesenslalom standen sie auch gestern in der Kombination zu zweit auf dem Podest. Zum Glück startet Alexander Aamodt Kilde vorläufig noch mit einer 40er-Nummer. Sonst wirds für die Konkurrenz allmählich eintönig. Und sogar Österreich müsste um seine Vormachtstellung bangen.

Kombination in Wengen

1. Jansrud (NOR) 2:37,61. 2. Svindal (NOR) 0,04 zurück. 3. Théaux (FRA) 0,13. 4. Mermillod Blondin (FRA) 0,28. 5. Paris (ITA) 0,49. 6. Gisin (SUI) 0,98. 7. Kosi (SLO) 1,12. 8. Baumann (AUT) 1,30. 9. Kriechmayr (AUT) 1,32. 10. Fill (ITA) 1,38. 11. Zrncic-Dim (CRO) 1,60. 12. Goldberg (USA) 1,63. 13. Pinturault (FRA) 1,68. 14. Moine (FRA) 1,75. 15. Franz (AUT) 1,94. 16. Zampa (SVK) 2,27. 17. Muzaton (FRA) 2,34. 18. Casse (ITA) 2,62. 19. Klotz (ITA) 2,66. 20. Cater (SLO) 3,12. 21. Murisier (SUI) 3,16. – Ferner: 24. Kostelic (CRO) 3,49. 26. Mani (SUI) 3,54. – Ohne Weltcup-Punkte: 35. Weber (SUI) 4,92.

Die besten Laufzeiten. Abfahrt: 1. Svindal 1:48,10. 2. Théaux 0,72. 3. Jansrud und Reichelt (AUT) 0,90. 5. Paris 1,34. 6. Franz 1,36. – Ferner:9. Janka (SUI) 1,48. 10. Feuz (SUI) 1,55. 11. Blondin 1,64. 12. Gisin 1,70. 20. Baumann 2,33. 23. Kosi 2,50. 24. Pinturault 2,53. 31. Mani 2,86. 43. Murisier 3,55. 46. Weber 4,02. 56. Berthod (SUI) 5,72. – 59 Fahrer gestartet und klassiert.

Slalom: 1. Kosi 48,13. 2. Blondin 0,02 zurück. 3. Baumann 0,35. 4. Zrncic-Dim 0,41. 5. Zampa 0,47. 6. Jansrud 0,48. 7. Paris und Pinturault 0,53. – Ferner: 10. Gisin 0,66. 11. Théaux 0,79. 14. Murisier 0,99. 22. Svindal 1,42. 30. Mani 2,06. – 53 Fahrer gestartet, 44 klassiert. – Ausgeschieden u. a.:Janka.– Nicht gestartet u. a.: Feuz, Berthod und Reichelt.

Aksel Lund Svindal. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Aksel Lund Svindal. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hannes Reichelt. (Bild: Epa / Claudio Onorati)

Hannes Reichelt. (Bild: Epa / Claudio Onorati)

Kjetil Jansrud. (Bild: Epa / Herbert Neubauer)

Kjetil Jansrud. (Bild: Epa / Herbert Neubauer)

Guillermo Fayed. (Bild: AP / Marco Trovati)

Guillermo Fayed. (Bild: AP / Marco Trovati)

Carlo Janka. (Bild: EPA / Jean-Christophe Bott)

Carlo Janka. (Bild: EPA / Jean-Christophe Bott)