SKI ALPIN: Michelle Gisin steht die Premiere bevor

Michelle Gisin (22) bestreitet heute ihr allererstes Weltcup-Rennen in der Schweiz. Die Engelbergerin hofft auf die nötigen Punkte: Sie sind die Voraussetzung für die Qualifikation für den City Event.

Interview Claudio Zanini, Crans-Montana
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Zuversichtlich für den Slalom von heute in Crans-Montana: die Engelbergerin Michelle Gisin. (Bild: Key/Jean-Christophe Bott)

Zuversichtlich für den Slalom von heute in Crans-Montana: die Engelbergerin Michelle Gisin. (Bild: Key/Jean-Christophe Bott)

Interview Claudio Zanini, Crans-Montana

Eigentlich hätte Michelle Gisin bereits am Samstag ins Wallis reisen sollen. Doch an diesem Rennwochenende in Crans-Montana brauchte es von allen Seiten – von den Athleten, Betreuern, Zuschauern, Medienschaffenden – eine gesunde Portion Flexibilität. Der Winter machte sich breit und stellte den Organisatoren eine grosse Menge Schnee auf die Piste. Abfahrt und Kombination wurden abgesagt (siehe Kasten). Für die Technikerinnen war bei diesen Verhältnissen nicht an ein Slalomtraining zu denken.

Gestern nun fand Gisin doch noch den Weg auf das Walliser Hochplateau. «Perfekte Trainingsbedingungen» haben die Slalomfahrerinnen im italienischen Aostatal, in Gressoney-Saint-Jean vorgefunden, wo sie sich am Wochenende den letzten Schliff holten. Im Interview spricht die Engelbergerin über die Bedeutung des Slaloms von heute (9.50/12.50, SRF 2) und erzählt, worüber die Familie Gisin beim Abendessen spricht.

Michelle Gisin, kaum zu glauben, aber das wird Ihr erstes Weltcup-Rennen in der Schweiz.

Michelle Gisin: Es ist tatsächlich unglaublich, das stimmt. Ich freue mich extrem auf diese Premiere. Das wird speziell, vor grossem Schweizer Publikum aufzutreten. Und das motiviert mich auch sehr.

Vorausgesetzt, das Rennen findet statt. FIS-Renndirektor Atle Skaardal meinte, es dürfte auch für den Slalom schwierig werden.

Gisin: Diesbezüglich bin ich sehr optimistisch. Ich bereite mich auch mit voller Überzeugung auf das Rennen vor. Beim Slalom ist es eine andere Ausgangslage als bei den Speedrennen. Da müssen nicht ganz so viele Kilometer vom Schnee befreit werden. Aber nicht nur für uns Athleten wäre die Durchführung wünschenswert. Auch für all die Helfer und die vielen Zuschauer.

Kennen Sie die Piste überhaupt?

Gisin: Ehrlich gesagt nicht. Ich war vielleicht vor vier oder fünf Jahren ... (überlegt), oder womöglich ist es bereits sechs Jahre her, das letzte Mal auf dieser Piste für ein Super-G-Training.

Wenn Sie sich um einen Platz in der Weltcup-Startliste verbessern, wären Sie für den City Event nächste Woche zugelassen, wo es auch bei einem Ausscheiden Punkte gibt. Ist das ein besonderer Anreiz?

Gisin: Definitiv. Das wäre ausgesprochen cool, am City Event in Stockholm dabei zu sein. Und mir fehlt relativ wenig. Ich werde alles daransetzen, diese letzten paar Punkte noch einzufahren.

In dieser Saison gelangen Ihnen schon drei Top-Ten-Plätze. Gegen Ende letzter Saison schien Ihnen die Luft ein wenig auszugehen. Was läuft besser in diesem Jahr?

Gisin: Solche Vergleiche zu ziehen, ist immer schwierig. In der letzten Saison haben sich verschiedene negative Aspekte kumuliert. Aber manchmal ist auch ganz einfach Pech dabei. Denn Einfädler sind schnell passiert. Mit der Stabilität in dieser Saison bin ich zufrieden. Ich will dieses Level bis zum Schluss halten. Zu hoch gesteckte Ziele zu formulieren, entspricht nicht meinem Wesen, ich bin eine Person, die sich langsam etwas aufbaut.

Ihr Bruder Marc Gisin ist diesen Winter äusserst erfolgreich unterwegs. Wie oft sehen Sie ihn während der Saison?

Gisin: Im Kontakt stehen wir eigentlich andauernd, aber gemeinsam zum Abendessen trifft sich die ganze Familie maximal ein- oder zweimal im Monat. Er investiert so viel in den Skisport, darum freut es mich extrem für ihn, dass sich das langsam auszahlt. Immer, wenn es ihm gut lief in der Vergangenheit, folgte prompt ein Rückschlag. Und jetzt wünsche ich ihm, dass es immer weiter nach vorne geht.

Ist das ein Klischee, oder wird am Gisin-Familientisch ausnahmslos über den Skisport gesprochen?

Gisin: Ich muss zugeben, dass dies viel der Fall ist. Aber wir reden nicht nur über den Skisport, sondern manchmal auch nur übers Skifahren selbst. (lacht)