SKI ALPIN: Neureuther: Schnell, erfolgreich – und anders

Felix Neureuther (30) ist am Samstag in Wengen zusammen mit Marcel Hirscher Favorit. Der Deutsche hat aber noch einiges mehr zu erzählen.

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Der einzige Star der Deutschen in Jubelpose: Felix Neureuther. (Bild: Keystone)

Der einzige Star der Deutschen in Jubelpose: Felix Neureuther. (Bild: Keystone)

Slalom kli. Im Interview mit dem Magazin «Playboy» hat Deutschlands Skistar Felix Neureuther (30) dieser Tage ein Geständnis abgelegt, das landesweit Schlagzeilen machte. Er habe, erzählte Neureuther, bis vor ein paar Jahren regelmässig in der bayerischen A-Klasse, der zehnthöchsten Liga, beim TSV Farchant Fussball gespielt. Selbst zu einem Zeitpunkt noch, als der Spezialist für die technischen Disziplinen im Ski-Weltcup oft in die Top 10 und hin und wieder gar aufs Podest fuhr.

«Wenn ich mal ein Tor gemacht habe, stand in der Lokalzeitung nicht mein Name, sondern ein anderer drin ­damit es nicht so auffällt», erzählte Neureuther. Vor seinem Vater – dem ehemaligen Weltklasse-Skirennfahrer Christian Neureuther (65) – versuchte er das geheim zu halten. «Der hätte mir das umgehend verboten und mir ziemlich deutlich klargemacht, welche Verletzungsrisiken ich da eingehe», sagte Neureuther, «aber für mich war der Teamgeist, dieses Gefühl, mit einer Mannschaft zu gewinnen oder zu verlieren, unheimlich wichtig.» Das sei etwas anderes, als immer nur rechts, links durch die Stangen zu fahren.

Der charmante Lausbub

Es passt perfekt ins Bild, das Felix Neureuther, inzwischen zehnfacher Weltcup-Sieger und beim heutigen Slalom in Wengen (10.30/13.30 Uhr, SRF2) neben Marcel Hirscher der Topfavorit, von sich abgibt. Dieser charmante Lausbub aus Garmisch-Partenkirchen, der keinen Gag auslässt und bei seinen Posts auf Facebook auch mal die politische Korrektheit ein bisschen beiseite lässt und Altherrenwitze reisst.

Aber wer will es ihm verübeln? So ist er eben, der Felix stets für jeden Blödsinn zu haben. Er ist inzwischen 30 Jahre alt, aber manchmal gefühlt auch erst 18. Es lässt sich wohl auch auf seinen Hang zu jugendlichem Leichtsinn zurückführen, dass er sich vor knapp einem Jahr die Olympischen Spiele von Sotschi selbst zerstörte. Bei der Anreise zum Münchner Flughafen kam Neureuthers Auto damals am frühen Morgen auf Glatteis ins Schleudern und knallte gegen die Leitplanke.

Also erschien er bei den Spielen, die seine werden sollten, mit Halskrause, war gehandicapt und schied später im Slalom aus. Er hätte die Russland-­Reise professioneller angehen können, indem er einfach am Vorabend am Münchner Flughafen in einem Hotel übernachtet hätte. Doch Neureuther ist, wie er ist und zurzeit kann man ihm wegen gar nichts böse sein.

In 9 von 10 Rennen auf dem Podest

Immerhin fährt der lustige Felix die Saison seines Lebens: sicher, kraftvoll, und meist ohne Ausfall wie früher so oft. In Adelboden schied er zwar am vergangenen Wochenende wie im Jahr zuvor aus. In den zwölf Monaten zwischen den beiden Slaloms von Adelboden stand er indes bei allen neun Weltcup-Slaloms auf dem Podest und gewann drei davon. An der WM in den USA soll Mitte Februar nach Slalom-Silber vor zwei Jahren nun der Titel her. Die Chancen stehen nicht gerade schlecht. Und das alles, obwohl ihn Anfang der Saison chronische Rückenschmerzen plagten und er am Saisonauftakt in Sölden noch passen musste.

Die Alpin-Abteilung des Deutschen Skiverbandes ist jedenfalls heilfroh, dass Neureuther noch mitmacht. Er ist der einzige Star und erhält das Interesse an Skirennen im ersten Winter nach dem Rücktritt von Deutschlands Wintersport-Superstar Maria Höfl-Riesch wenigstens noch ein bisschen am Leben. Sein Teamkamerad Fritz Dopfer zeigt zwar ebenfalls starke Leistungen, und Viktoria Rebensburg gehört bei den Frauen zur Weltspitze doch markante Frontfiguren sind die beiden sehr sympathischen, aber auch kreuzbraven Skirennläufer eben nicht.

Felix Neureuther ist da anders. Und das ist nicht nur für den Skirennsport in Deutschland gut. Sein Duell gegen Marcel Hirscher ist ein packendes.