SKI ALPIN: Sein Lohn ist das Weltcup-Ticket

Marco Odermatt (18) eroberte an der Junioren-WM in Sotschi Gold im Riesenslalom und Bronze im Super-G. Einiges ist für den Buochser nicht mehr wie früher – das Wesentliche aber schon.

Roland Bucher
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Marco Odermatt präsentiert in Engelberg seine beiden WM-Medaillen. (Bild Eveline Beerkircher)

Marco Odermatt präsentiert in Engelberg seine beiden WM-Medaillen. (Bild Eveline Beerkircher)

Ein Mann der verbalen Kapriolen, nein, das ist Marco Odermatt ganz gewiss nicht. Ruhig, besonnen und in seiner typisch bescheiden-sympathischen Art erzählt der Blondschopf, wie sich sein Leben in den letzten Tagen halt schon ein wenig verändert habe. Der Auslöser war das Medaillen-Double an den Junioren-Weltmeisterschaften in Sotschi. Dort heftete sich der Buochser im Kampf gegen die grösstenteils zwei Jahrgänge ältere Konkurrenz Riesenslalom-Gold und Super-G-Bronze an die Brust. «Bei der Rückkehr in die Schweiz», gesteht der Nidwaldner, «hat sich für mich eine neue Welt aufgetan: Der Empfang am Flughafen in Kloten und das mediale Interesse an meiner Person – das war überwältigend und hat mich sehr gefreut.» Zu spüren, dass seine grossartige Leistung entsprechend honoriert werde: «Das tut jedem Sportlerherz gut.»

Verdiente sich gute Startnummer

Wenn schon Luftsprünge, dann sportliche. Marco Odermatt, Mitglied des Skiclubs Hergiswil, bleibt sich auch in den Tagen seiner grössten Erfolge treu: «Ich bin, wie ich bin. Ich will einfach aus meinen Möglichkeiten das Beste herausholen.» Einer halt, der die Bodenhaftung nicht verliert. Einer halt, der weiss, dass er lernen muss, mit dem Glamour umzugehen – aber nichts lieber tut, als auf der Klewenalp, seinem Hausberg, zarte Schwünge in den Neuschnee zu zeichnen. Die Bodenhaftung, die gab der junge Mann auch im übertragenen Sinne nicht preis: Sein Riesenslalom-Auftritt an den Titelkämpfen der weltweit besten Nachwuchsleute in Russland war perfekter Natur. «Ich wusste, dass ich gut in Form bin», erzählt der Sportmittelschüler im Engelberger Internat, «und ich habe mir dank einigen guten Resultaten in den vorhergegangenen Rennen, zum Beispiel beim North America Cup in Kanada, wichtige FIS-Punkte für eine gute Startnummer geholt. Das war entscheidend dafür, dass ich mit guten Voraussetzungen in den Wettkampf steigen konnte.» Marco Odermatt sagte ein Dankeschön, raste der Konkurrenz um die Ohren und ...

Papa hatte Tränen in den Augen

... löste im Elternhaus in Buochs Begeisterungsstürme aus. «Meine Mutter Priska hat mir erzählt», verrät der Goldgewinner verschmitzt, «dass Papa Walti einige Tränen in den Augen hatte, als mein Sieg feststand, er lebt halt beim Skisport emotional enorm mit.» Walti Odermatt, früher ein geschätzter Ausbildner beim Hergiswiler Skiclub, hatte es sich am Sonntagabend natürlich nicht nehmen lassen, den Klassenprimus der Riesenslalom-Nachwuchsweltelite persönlich in Kloten abzuholen. «Der Empfang war wunderbar und ging unter die Haut. Es gab aber viele Sachen, die auf mich zukamen, und so blieb kaum Zeit, um uns in der Nähe des Flughafens noch ein kleines Nachtessen zu gönnen. Und dann habe ich mich so richtig darauf gefreut, wieder einmal im eigenen Bett einschlafen zu können.»

Am darauffolgenden Montag gönnte sich Marco Odermatt einen Freitag: «Es gab viele Glückwünsche, die mich so sehr gefreut und berührt haben, zu beantworten, Administratives zu erledigen.» Preisgeld-Überweisungen aufs eigene Konto? «Nein», sagt der in allen Disziplinen Hochtalentierte lachend, «an den Junioren-Weltmeisterschaften gibt es kein Geld zu gewinnen.» Immerhin: Dank seinen Verträgen mit treuen Sponsoren lohnt sich der doppelte Medaillengewinn in einem vierstelligen Bereich. «Das nehme ich natürlich gerne», gesteht Marco Odermatt.

Jetzt lockt St. Moritz

Der wertvollste Preis indes, den der junge Buochser, der übrigens am Sonntag von seiner Heimatgemeinde noch gebührend empfangen und gefeiert werden wird, einheimste: Der ist nicht pekuniärer Art. Als Junioren-Weltmeister empfängt Marco Odermatt nämlich eine Wildcard für das Weltcup-Saisonfinale in St. Moritz. «Vor einem Jahr war der Weltcup ungefähr noch so weit entfernt wie der Mond», meint er schmunzelnd, «jetzt stehe ich schon bald neben diesen Superstars am Start. Das ist einfach fantastisch.»

Die Bodenhaftung wird der junge Aufstrebende hoffentlich auf der Piste nicht verlieren. So wie er sie auch daneben nicht preisgibt.