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SKI ALPIN: Vom Kantenschleifer zum Boss

Der neue Alpinchef Stéphane Cattin ist ein Mann aus dem Verband, aber gleichwohl wenig bekannt. Die Tellerwäscher-Karriere des 49-jährigen Berners.
Zuversichtlich, auch wenn er weiss, dass diese Saison alles andere als einfach wird: Stéphane Cattin, der neue Schweizer Alpinchef. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Zuversichtlich, auch wenn er weiss, dass diese Saison alles andere als einfach wird: Stéphane Cattin, der neue Schweizer Alpinchef. (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Richard Hegglin

Zusammengepfercht in einer Kabine der Matterhorn-Seilbahn, spekulierten einige Trainer über ihren möglichen neuen Chef. Viele Namen schwirrten herum, keiner hatte Stéphane Cattin auf der Liste. Nur Swiss-Ski-Direktor Markus Wolf, der nach der unerwarteten Wahl selber einräumte: «Für manche ist das vielleicht eine Überraschung.»

Wer ist nun dieser Stéphane Cattin, den Wolf aus dem Hut zauberte? Er stammt aus dem bernjurassischen Villeret bei St-Imier, ist zweifacher Familienvater und war schon als Lehrling Skiclub-Präsident. Als persönlicher Betreuer von Mike von Grünigen war er am Gewinn von dessen WM- und Weltcup-Siegen mitbeteiligt. Und als Kombi-Gruppentrainer der Frauen führte er Fränzi Aufdenblatten zum ersten Podestplatz und die Schwyzerin Nadia Styger zum ersten Sieg und zwölf Top-Ten-Klassierungen.

Trotzdem hielt sich Cattins öffentliche Wahrnehmung in überschaubarem Rahmen. Stets blieb er, bescheiden und unauffällig, im Hintergrund. Noch heute will er sich nicht mit fremden Lorbeeren schmücken: «Von Grünigen und ich waren kein Privatteam. Ich kümmerte mich um ihn, wenn er ausserhalb des Teams unterwegs war. Sonst arbeitete ich als Assistent der Gruppenchefs Louis Monnet oder Osi Inglin.»

Die Probleme mit Tina Maze

Es war die Zeit der vier Riesen-Musketiere von Grünigen, Kälin, Locher und Accola. Da von Grünigen auch Slaloms bestritt, die andern drei jedoch Super-Gs, erforderte das eine sorgfältige Planung. «Der damalige Cheftrainer Dieter Bartsch», so Cattin, «suchte deshalb eine Lösung und kam auf mich.» So wurde er Weltcup-Trainer, nachdem er sich als Pool-Servicemann im C- und B-Kader das fachtechnische Wissen angeeignet hatte. Und damit schlug er eine ähnliche Tellerwäscher-Karriere ein wie sein Mentor Dieter Bartsch, der Schöpfer des Schweizer «Frauen-Wunders» in den Achtzigerjahren, der es ebenfalls vom Kantenschleifer bis zum Skichef gebracht hatte.

Als von Grünigen 2003 aufhörte, wechselte Cattin zu den Frauen, wo er sich vor seiner zweiten Saison mit der neuen Chefin Marie-Theres Nadig überwarf. Nadig wollte die Kombi-Gruppe mit den Abfahrerinnen zusammenlegen, weil sie Cattin die nötige Kompetenz auf der Abfahrtspiste nicht zutraute. Er zog die Konsequenzen und ging.

Auch als Stöckli-Rennchef kam er mit einer selbstbewussten Frau ins Gehege. Es handelte sich um eine gewisse Tina Maze. «Die Zusammenarbeit war schwierig», erzählt Cattin. «Innerhalb eines Winters demontierte sie drei Serviceleute. Es gab unvorstellbare Übungen: Ski holen, Ski bringen, neue Ski bauen – alles empfand sie als negativ. Ich hatte die Nase voll und entschloss mich zu einem kompletten Wechsel.»

Der Wechsel in die Industrie

Nachdem er nach seinem Ausstieg aus dem Trainer-Metier vier Jahre in Kaderpositionen bei der Skifirma Fischer gearbeitet hatte, verliess er die Branche endgültig. Er heuerte bei der Usine Métallurgiques in Vallorbe an, einem Unternehmen mit 50 Millionen Umsatz, das Werkzeuge, Feilen, Raspeln, Sägeblätter und so weiter herstellte. «Als gelernter Forstwart», so Cattin, «hatte ich Erfahrung im Umgang mit solchen Dingen.» Innert kürzester Zeit stieg er vom nationalen und internationalen Verkaufsleiter bis in die Geschäftsleitung auf und reiste zwei-, dreimal im Jahr um die ganze Welt, von Indonesien und China über Japan bis nach Südamerika.

Teamplayer ohne Illusionen

Als die Firma nach Frankreich verkauft wurde, kündigte Cattin und kehrte zu Fischer zurück, mittlerweile als Geschäftsleiter. Bis ihn nach wenigen Monaten der Ruf von Swiss-Ski erreichte. Nach seiner Zusage erklärte er sein Pflichtenheft: «Eine Kernaufgabe betrifft das System des Athletenwegs. Wie bringen wir wieder genügend Athleten nach oben? An der Weltcup-Spitze mische ich mich nicht ein. Operativ braucht es mich dort nicht. Mit Hans Flatscher und Tom Stauffer haben wir zwei Chefs, von denen ich voll überzeugt bin.» Cattin sieht sich als Teamplayer: «Ich habe gerne Leute um mich herum, um Meinungen auszutauschen und die Kompetenz zu bündeln.»

Die Gefahr der Überheblichkeit ist bei Cattin gering. Er war nie ein Blender, wurde aber als seriöser Schaffer stets ernst genommen. Er gibt sich auch keinen Illusionen hin: «Diese Saison wird nicht einfach. Mehr als die Zitrone auspressen kann man nicht. Aber dafür sorgen, dass sie ein bisschen wächst und mehr Saft bekommt.»

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