SKI ALPIN: Wieder Knie-Schock für Gisin

Dominique Gisin wird höchstwahrscheinlich die WM im Februar in den USA verpassen. Trotz eindeutiger Diagnose ist die Dauer ihrer Verletzungspause ungewiss.

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Sekundenbruchteile nach dem Sturz: Dominique Gisin liegt im Schnee von Cortina d'Ampezzo. (Bild: Gepa)

Sekundenbruchteile nach dem Sturz: Dominique Gisin liegt im Schnee von Cortina d'Ampezzo. (Bild: Gepa)

Stefan Klinger

Nach zehn Stunden hatte Dominique Gisin Gewissheit. Zehn Stunden, nachdem die 29-Jährige im Super-G von Cortina d’Ampezzo gestürzt und anschliessend mit einem schmerzenden rechten Knie und bangen Gedanken im Kopf auf der langen Rückfahrt aus den Dolomiten im Auto gesessen war, erhielt sie in Zürich die bittere Diagnose: ein (nicht verschobener) Bruch des Schienbeinkopfes im rechten Knie. Eine Heilungsdauer von sechs bis acht Wochen normalerweise.

Dennoch wollte die Abfahrts-Olympiasiegerin aus Engelberg gestern am späten Abend noch nicht endgültig ihr Forfait für die Titelkämpfe in den USA (2. bis 15. Februar) bekannt geben. Erst nach einer weiteren Untersuchung am heutigen Dienstag in der Rennbahnklinik von Muttenz bei ihrem Vertrauensarzt Lukas Weisskopf, der sie schon bei vielen Knieverletzungen in den vergangenen Jahren behandelt hatte, wird sie einen definitiven Entscheid fällen.

Nächster mentaler Rückschlag

Nach dem Besuch bei Dr. Weisskopf wird Gisin Gewissheit haben, ob es doch noch irgendwie möglich ist, die für sie wichtigen Speedrennen, die in der ersten WM-Woche auf dem Programm stehen, bestreiten zu können oder ob sie doch mehr als einen Monat ausfällt. Danach wird sie entscheiden, ob es je nach Dauer der Zwangspause Sinn macht, in der bis Mitte März dauernden Saison überhaupt noch einmal zurückzukehren. Doch bis dahin bleibt die Hoffnung auf ein schnelles Comeback.

Es ist an Tragik kaum zu überbieten, dass es schon wieder Gisin erwischte, und dass alles auch noch in Cortina d’Ampezzo passierte. Dort, wo sie im Januar 2012 im Training zur Weltcup-Abfahrt ihre letzte schwere Knieverletzung erlitten hatte. Jenen Meniskusriss und Knorpelschaden im linken Knie, der damals die neunte Knieoperation ihres Lebens erforderte und ihr im mentalen Bereich lange zusetzte.

Weil sie nicht einmal gestürzt war und trotzdem eine so gravierende Verletzung erlitt, konnte sie danach in der Abfahrt nicht mehr bis ganz ans Limit gehen. Erst fast zwei Jahre später konnte sie sich in Sotschi im Training kurz vor der Olympia-Abfahrt endlich wieder überwinden, alles bis zum Limit auszureizen die Grundlage für den dann folgenden grössten Triumph ihrer Karriere.

Eine Karriere, die von Knieverletzungen geprägt ist und nun um ein Kapitel erweitert wird aber damit nicht enden muss. Vielleicht bleibt es tatsächlich nur bei ein paar Wochen Ausfall. Dominique Gisin hat sich schon von Schlimmerem zurückgekämpft.