SKI FREESTYLE: Fabian Böschs schmaler Grat

Fabian Bösch (16) steht kurz davor, sich im Slopestyle für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Der Engelberger lässt sich davon aber nicht beeindrucken.

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Fabian Bösch bei einem waghalsigen Sprung im Weltcup in Silvaplana. (Bild: Photopress/Marc Weiler)

Fabian Bösch bei einem waghalsigen Sprung im Weltcup in Silvaplana. (Bild: Photopress/Marc Weiler)

Die Olympischen Spiele in Sotschi sind für die meisten Wintersportler das Nonplusultra. Sie würden alles dafür tun, um dort dabei zu sein – und scheitern dann oftmals an den eigenen Erwartungen und Nerven. Fabian Bösch wird dies bestimmt nicht passieren. Der Engelberger hat gute Chancen, sich im Slopestyle (siehe Box) für Sotschi zu qualifizieren, geht damit aber ganz locker um. Denn Olympia ist nicht der einzige grosse Freestyle-Event, die X-Games haben auch einen hohen Stellenwert. «Olympia wäre ein Ziel, aber ich weiss nicht einmal, was es braucht, damit ich mich qualifiziere», sagt der 16-Jährige lässig.

Die Ausgangslage ist aber auch kompliziert. Die A-Limite hat kein Schweizer geschafft, die B-Limite allerdings schon mehr Athleten, als in Sotschi an den Start gehen dürfen – unter ihnen auch Fabian Bösch und der Sörenberger Christian Bieri. Voraussichtlich dürfen vier Schweizer Slopestyler an Olympia teilnehmen, sieben haben die B-Limite bereits erfüllt. Kai Mahler ist gesetzt, und auch an Elias Ambühl dürften die Selektionäre nicht vorbeikommen. Die restlichen Athleten müssen sich am letzten Selektionswettkampf mit guten Platzierungen nochmals ins Gespräch bringen. Dieser findet heute (Qualifikation) und morgen (Final) in Gstaad statt. Vor allem Christian Bieri wird gefordert sein, denn der 26-Jährige kam in dieser Saison im Weltcup noch nie über den 23. Platz hinaus. Seine Spitzenresultate – 13. an der WM und 12. im Weltcup in Silvaplana – stammen aus dem vergangenen Winter.

Perfekt oder gar nicht

Für Bösch ist die Ausgangslage nicht so schlecht. Mit dem achten Platz am Weltcup in Breckenridge (USA) von letzter Woche er in der laufenden Saison einen Spitzenplatz vorzuweisen. Da der Final wegen des schlechten Wetters abgesagt wurde, zählte das Resultat aus der Qualifikation. «Trotz starkem Wind gelang mir ein guter Run», blickt Bösch zurück. «Das Resultat habe ich gerne genommen, denn ich weiss nicht, ob es im Final besser rausgekommen wäre.» Im Slope­style ist es jeweils ein schmaler Grat zwischen Topresultat oder hinterer Platzierung. «Entweder man steht den Run oder eben nicht. Wenn er nicht perfekt ist, kann man es gleich vergessen», so der Absolvent der Sportmittelschule Engelberg. Und es braucht einiges, um an der Spitze mitzumischen. Einer der Sprünge in Böschs Repertoire ist zum Beispiel der Double Cork 1260, also zwei Saltos mit dreieinhalb Schrauben.

Seinen ersten Auftritt im Slopestyle-Weltcup hatte Fabian Bösch im Februar 2013. Als 15-Jähriger fuhr und flog er in Silvaplana sogleich auf den dritten Platz – ein Wahnsinnsdebüt. In seinen bisher fünf Weltcupauftritten schaffte er es dreimal unter die besten acht, dazu kam noch ein fünfter Platz an der Junioren-WM. Dies verschaffte ihm gleich die Aufnahme in die Nationalmannschaft von Swiss-Ski. Nun steht er bei jedem Weltcupanlass am Start, sei es in Neuseeland, in den USA oder in Europa. Dabei steht für Bösch die Rangierung nicht im Vordergrund, sondern der Spass. «Wenn man den nicht hat, kann man gleich aufhören.»

Vom Alpin-Talent zum Freestyler

Dies hat Fabian Bösch auch getan, und zwar mit den alpinen Skirennen. Als Junior galt er in seinem Jahrgang zu den besten der Schweiz. Er wurde 2011 Schweizer JO-Meister im Slalom und holte im Super-G Silber. Doch: «Es war alles sehr strikt. In den Trainings wurde befohlen, was zu tun ist.» Dies gefiel Bösch gar nicht, und so wechselte er zu den Freestylern. Dort sei man viel freier.

Am Weltcup in Gstaad möchte es der Engelberger wieder in den Final der besten 16 schaffen. «Und dann schauen wir mal weiter», so die Devise. Mit der Finalqualifikation würde Bösch einen weiteren Schritt in Richtung Sotschi machen. Absolute Gewissheit, ob es für Olympia reicht, bekommt er aber erst am 27. Januar. Dann werden die definitiven Selektionen bekannt gegeben.