Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SKI NORDISCH: Der Herr über die Titlis-Schanze

Albin «Bini» Amstutz ist der Chef der Engelberger Sprungschanze. Er und sein Team rüsten sich für die Weltcup-Springen vom Samstag und Sonntag.
Hat ganz Engelberg hinter sich: Albin «Bini» Amstutz mit dem «technischen» Schnee auf der Titlis-Schanze. (Bild Nadia Schärli)

Hat ganz Engelberg hinter sich: Albin «Bini» Amstutz mit dem «technischen» Schnee auf der Titlis-Schanze. (Bild Nadia Schärli)

daniel wyrsch

Albin «Bini» Amstutz (45) ist sozusagen der Herr über die grosse Titlis-Schanze, wo am Samstag und Sonntag (jeweils ab 14.15) die beiden Weltcup-Skispringen stattfinden. Der einheimische Bergführer ist seit drei Jahren Schanzenchef. Seit Anfang November ist er dafür verantwortlich, dass in den nächsten vier Tagen die besten Bedingungen auf der Skisprunganlage herrschen. In der Aufbauphase zählt er auf ein Team von rund einem Dutzend Personen, die ihn bei der Arbeit unterstützen. Für die Springen selber hat er 17 Helfer aufgeboten. Allerdings ist das die Untergrenze, weil Amstutz gemäss den Wetterprognosen auf gute Bedingungen zählt.

Selbst wegen der Schneemenge müssen sich die Organisatoren keine Sorgen machen – obwohl es unten im Tal in Stans und erst recht in Luzern überhaupt nicht den Anschein macht, als ob die Wintersaison begonnen hätte. Amstutz stellt zufrieden fest: «In Engelberg hat es so viel Schnee gegeben wie weit herum nirgends.»

Trotz dem Wärmeeinbruch ist es heuer im Gegensatz zum Vorjahr kein Thema, den Schnee mit Lastwagen herankarren zu müssen. Aber ohne die maschinell hergestellte weisse Unterlage kämen die Engelberger auch in diesem Jahr wohl kaum aus. Amstutz spricht von «technischem Schnee», der viel kompakter und resistenter auf Regen reagiert. Deswegen nahm er das Nass von oben gestern Nachmittag auch völlig gelassen hin. Er zeigt sich überzeugt, dass die präparierte Anlage den Witterungsbedingungen trotzen wird.

Das Wetter ist nicht planbar

Mit dem technischen Delegierten des Skiweltverbandes FIS, Christian Kathol, machte Amstutz direkt vor dem Gespräch eine Besichtigung der Titlis-Schanze. Es gab keine grösseren Beanstandungen. Doch der Engelberger Schanzenchef weiss aus eigener Erfahrung, dass die Bedingungen schnell ändern können. «Skispringen ist ein Freiluftsport, der in den Bergen ausgetragen wird. Bei uns kann sich die Situation innerhalb von wenigen Minuten verändern.» Erlebt hat er diesen Ausnahmezustand im letzten Jahr während des Continental-Cups, der jeweils in den Tagen nach dem Weltcup stattfindet. Da musste er sich sofort mit Renndirektor Walter Hofer kurzschliessen. Es blieb ihnen wegen des Wetterumsturzes nichts anderes übrig, als das Springen zu unterbrechen. Allerdings verbesserten sich die Bedingungen auch bald wieder, und der Wind liess nach.

Amstutz würde nie sagen, er habe als Schanzenchef ausgelernt. «Ich versuche diese Aufgabe nun zum vierten Mal zu erfüllen. Jedes Jahr konnte ich unheimlich viel Neues lernen. Ich kann nur feststellen, dass die Bedingungen jedes Jahr anders sind.»

Grösser als die Innsbrucker Schanze

Das Besondere an Engelberg ist, dass dort die grösste Naturschanze der Welt steht. Weil der Anlauf am Berg liegt, sieht die Anlage viel weniger gigantisch aus als zum Beispiel jene von Innsbruck mit dem von weither sichtbaren Sprungturm. Doch überraschenderweise ist die Titlis-Schanze grösser als jene vom Bergisel, wo Olympia 1976 stattfand und alljährlich über die Festtage an der prestigeträchtigen Vierschanzentournee gesprungen wird.

In Engelberg wird übrigens ab April 2016 die Schanze saniert und mit einer Flutlichtanlage komplettiert. Die Gesamtkosten betragen 3 Millionen Franken. Die modernsten Skisprunganlagen in Russland kosten dagegen um die 50 Millionen Franken. Dabei sind die neuen Infrastrukturen heute überall so ähnlich, dass sich die Athleten kaum mehr umstellen müssen. In Engelberg wird aber auch nach der Sanierung der eigene Charakter und die eigene Flugbahn der Schanze bleiben. Übrigens können die Zuschauer nirgendwo so nahe dabei sein wie im Innerschweizer Touristenort.

Selber will er nicht runterfahren

Mit 90 Stundenkilometern fahren Simon Ammann, Gregor Deschwanden und Co. über den Anlauf auf den Schanzentisch zu. Selbst Schanzenchef Amstutz fröstelt es beim Gedanken, selber springen zu müssen. «Da würde ich nie runterfahren», gibt er zu.

Jetzt freut sich «Bini» Amstutz auf die beiden Springen am Samstag und Sonntag. «Weil ich weiss, dass meine Crew alles für einen sicheren und fairen Wettkampf getan hat, kann ich die Wettkämpfe ruhig verfolgen. Nervös werde ich nicht sein.»

Am Sonntagabend jedoch gehe es ihm wie allen anderen Beteiligten des Weltcup-Springens in Engelberg: «Wenn ­alles gut gelaufen ist, wird das wieder ein schönes Gefühl der Erlösung sein.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.