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SKI NORDISCH: Der Lokalmatador ist in der Spur

Gregor Deschwanden (24) freut sich auf die Weltcup-Heimspringen am Wochenende in Engelberg. Der Horwer hat sich an die Charakter-Schanze gewöhnt.
Es hat geklappt: ein sichtlich zufriedener Gregor Deschwanden nach seinem Training gestern in Engelberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Es hat geklappt: ein sichtlich zufriedener Gregor Deschwanden nach seinem Training gestern in Engelberg. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Daniel Wyrsch

Gregor Deschwanden ging gestern kurz vor 11 Uhr vom Athleten-Zelt hinaus an die Skisprung-Anlage von Engelberg. Die ersten Trainingssprünge stehen bevor. Er meint, dass er wahrscheinlich nur einmal springen werde. Der 24-jährige Horwer fliegt schliesslich gleich viermal von der Titlis-Schanze. Er überlegt sich sogar, noch einen fünften Sprung zu machen. Doch dann fragt er die hinter der Bandenabsperrung stehenden Funktionäre, wie spät es denn sei. «Was, schon 12!», ruft er laut, als ob er die letzte Stunde in Trance verbracht hätte.

Später erklärt Deschwanden die verlängerte Übungseinheit: «Bei diesen perfekten Bedingungen wollte ich herausfinden, wie sich die Schanze anfühlt, ich wollte mich an sie gewöhnen.» Die Titlis-Schanze und der Luzerner: Das ist keine Liebe auf den ersten Blick. Mit seinen eher langen Beinen müsse er auf dem sehr kurzen Tisch mehr Zeit als üblich für den Absprung einrechnen, sagt der 1,85 Meter grosse und 65 Kilogramm leichte Sportler. «Ich habe immer grosse Mühe gehabt mit ihr, es ist halt eine sogenannte Charakter-Schanze», sagt Deschwanden.

Das heisst: Im Vergleich zu den neuen Anlagen, die einander meist ähnlich sind und gemäss dem Innerschweizer unter den Athleten als 08/15 für nichts Besonderes bezeichnet werden, hebt sich die Titlis-Schanze ab. «Ihr spezieller Charakter macht es mir nicht einfach, von Anfang an gute Sprünge zu zeigen.» Nie ist er an seinem Heimspringen bisher unter die ersten 20 gekommen. Aber gestern schien er sich erstmals mit der speziellen Schanze angefreundet zu haben. Zufrieden sagt er: «Das war ein sauberes Training.»

Vertrauen in eigene Technik zurück

Gregor Deschwanden hat das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wiedergefunden. Am letzten Wochenende hat er auf der topmodernen, 50 Millionen Franken teuren Sprunganlage von Nischni Tagil in Russland mit Platz 7 sein bestes Weltcup-Ergebnis erzielt. Was ihn besonders freut: «Ich schaffte es nach einem gelungenen ersten Durchgang, den Wettkampf mit einem guten zweiten Sprung zu komplettieren.» Geholfen haben zwei Zusatzschichten mit 18 bis 20 Sprüngen, die er vor Russland in Norwegen aufgrund des zuerst mässigen Saisonstarts gemacht hat. Selbstvertrauen hat ihm gegeben, dass er nun wieder technisch sauber springt. Die Basiselemente seien zurück, um locker zu funktionieren.

Grosses Kompliment des Experten

Der deutsche Nationaltrainer Werner Schuster, früher ein Jahr lang Chef der Schweizer, hält viel von Deschwanden. Er findet, dass der Innerschweizer die technischen Anlagen mitbringe, um im Weltcup an der Spitze mitzuspringen. Deschwanden, mit dem Lob des anerkannten Fachmanns konfrontiert, bleibt sachlich und realistisch: «Es gibt sehr viele Athleten, die Topvoraussetzungen besitzen. Das Feld rückt immer näher zusammen.» Schliesslich will er aber sein Licht nicht ganz unter den Scheffel stellen und gibt zu: «Ich habe die Möglichkeit, mich in den Top Ten zu etablieren, muss aber stets bereit sein, an neu auftauchenden Details zu feilen.»

Was Deschwanden in seiner vierten Saison im Weltcup entgegenkommt, ist die wachsende Erfahrung. «Ich kenne die Wettkampfstätten und weiss, wo alles ist. Das hilft mir auch beim Visualisieren», sagt Deschwanden, der sich als Spätzünder bezeichnet.

Manche Talente müssen eben reifen, bis sie ihre Bestleistungen abrufen können.

Die Eltern und der Förderer vor Ort

Für Engelberg ist Deschwanden ein Glücksfall. Er kommt aus der Region. Deschwandens Eltern Edi (63) und Therese (61) aus Horw haben am Wochenende lediglich eine Anfahrtszeit von 30 Minuten, um ihrem Filius vor Ort die Daumen zu drücken. Herbert Heer, der Vater des früheren Nordisch-Kombinierers Ronny Heer (34), wird ebenfalls nach Engelberg reisen. Er hatte Deschwanden vor Jahren im Skiclub Horw zum Leistungssport gebracht. «Ich freue mich natürlich, dass ich von meinen Leuten unterstützt werde», sagt der zweite Schweizer Hoffnungsträger neben dem zweifachen Doppel-Olympiasieger Simon Ammann (34).

Deschwanden hat sich eine eigene Taktik für seine Rolle als Lokalmatador vorgenommen: «Trotz dem Rummel beim Heimspringen bereite ich mich wie auf jeden anderen Wettkampf vor.» Wichtig sei es, die gute Technik beizubehalten. Denn eine Grundregel lautet: «Ein guter Sprung führt zu einem guten Resultat.» Er hat keinen Grund, sich unnötig Druck aufzuladen. Schliesslich läuft es, Gregor Deschwanden ist in der Spur.

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