SKI NORDISCH: Es dreht sich alles um die Landung

Am Sommer-Grand-Prix in Einsiedeln will Simon Ammann Selbstvertrauen tanken. Das Erfolgserlebnis hängt von der Landung ab. Die ist nach der Umstellung allerdings kompliziert.

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Noch ein Sprung und noch ein Sprung: Simon Ammann beim Krafttraining in Einsiedeln. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Noch ein Sprung und noch ein Sprung: Simon Ammann beim Krafttraining in Einsiedeln. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

claudio zanini

Der Medientermin von Swiss-Ski zieht sich für Simon Ammann in die Länge. Als seine Kollegen der Nationalmannschaft und Trainer Pipo Schödler längst wieder Erdboden unter den Füssen haben, sitzt er immer noch im Panoramasaal zuoberst auf dem Anlaufturm der Grossschanze in Einsiedeln. Auf einer Höhe von gut 40 Metern muss der Toggenburger einer verbleibenden Medienschar immer noch erklären, wie der aktuelle Stand bezüglich seiner Landung aussieht.

Ammann mittlerweile 34-jährig – geht noch so gerne die technischen Details durch und redet mit einer unaufgeregten Leidenschaft von seiner Sportart. Man fühlt sich an die Mitteilung von letztem Mai erinnert, in der er die Fortsetzung seiner Karriere verkündete und von anhaltendem Skisprung-Fieber die Rede war.

Spekuliert wurde im Frühsommer, dass der vierfache Olympiasieger nach seinen beiden Stürzen in der letzten Saison in Oberstdorf und Bischofshofen wohl nicht mehr eine 18. Weltcup-Saison bestreiten werde. Er aber sortierte seine Gedanken und steht nun, wie er selbst sagt, vor der «grössten, nein, spannendsten Herausforderung» seiner Karriere.

«Das ist wie ein Hundebiss»

Künftig wird er mit dem rechten Bein vorne landen, das Vertrauen in das andere Bein hat er nach den Stürzen verloren. «Mit der Umstellung bei der Landung tut sich mir nochmals ein grosses Feld auf. Das ist sehr motivierend, auch mit 34 Jahren.» Dafür musste er einige Schritte zurückgehen, nochmals ganz vorne anfangen auf der Kinderschanze, um wieder Vertrauen zu gewinnen und die Angst vor dem Sprung gar nicht erst aufkommen zu lassen. «Mir wurde im Winter schnell klar, dass es so nicht weitergehen kann. Deswegen musste ich eine Lösung finden. Das ist, wie wenn dich ein Hund gebissen hat. Wenn du danach Hunde meidest, wird die Angst noch mehr aufkommen», sagt Ammann und fügt hinzu: «Ich glaube, das ist ein anschauliches Beispiel.»

Tückisch nur, dass er nun bereits während des Absprungs an das Landemanöver denkt. «Beim Absprung versucht man grundsätzlich, sehr schnell die Entspannung zu bekommen. Aber wenn man währenddessen weiss, dass mit der Landung das Schwierigste erst bevorsteht, wird es mühsam, eine entspannte Flugposition hinzubekommen.»

Ammanns Weggefährte ist weg

Nicht nur wurde das Bein bei der Landung gewechselt: Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 übernahm Pipo Schödler (der jüngere Bruder von Disziplinenchef Berni Schödler) das Amt des Nationaltrainers von Martin Künzle. Künzle war nicht nur langjähriger Trainer von Ammann, sondern auch Kollege. Eine Änderung in Ammanns Umfeld, die er keineswegs negativ bewerten will. «Auch Berni Schödler war während sieben Jahren Nationaltrainer. Solche Rochaden gehören zum natürlichen Prozess und werden nicht von heute auf morgen entschieden.» Unterstützt wird Pipo Schödler von Ronny Hornschuh, der in Deutschland unter anderem Severin Freund betreute immerhin Weltmeister von Falun und Gesamtweltcup-Sieger der letzten Saison. Offiziell ist Hornschuh Weltcup-Trainer und Schödler Nationaltrainer. In der Praxis sind die Rollen jedoch nicht so klar aufgeteilt. «Wir brauchen momentan mehr Power an der Schanze, und von Ronnys Qualitäten können wir enorm profitieren», sagt Ammann dazu. Auch gestern liess Ammann nicht durchblicken, ob er insgeheim ein Fernziel im Kopf hat, ob vielleicht noch eine 19. Weltcup-Saison folgen wird. Die Entscheidung wird zu einem grossen Teil vom Abschneiden in diesem Winter abhängen. Die Nationalmannschaft benötigt ihren Teamleader, was jüngst beim Auftakt zum Sommer-Grand-Prix in Wisla (Pol) augenfällig wurde, da Ammann als Botschafter für die Special Olympics in den Staaten weilte. «Ich konnte sehen, wie sich die Teamkollegen ohne mich schlagen. Und es war schön zu sehen, dass sie mich noch brauchen.»

Suche nach dem Erfolgserlebnis

Als er am vergangenen Wochenende selbst in den Grand Prix eingriff, erreichte er den 14. Platz in Hinterzarten, im Teamwettbewerb schaute der 8. Rang für die Schweizer heraus. Körperlich sei er auf einem besseren Level als vor einem Jahr, sagt Ammann. Am Freitag wird er in Courchevel (Fr) den dritten Termin des Sommer-Grand-Prix wahrnehmen und am selben Abend wieder nach Einsiedeln zurückkehren. Am Samstag (ab 17 Uhr) gilt es dann ernst beim Heimspringen. Ausserhalb der Top 15 zu sein, mache keinen Spass, sagt Ammann. Doch hauptsächlich ginge es darum, die Umstellung der Landung über den Sommer hindurch weiterzuentwickeln. «Es ist klar: ich brauche möglichst bald ein Erfolgserlebnis.»

SOMMER-Grand-Prix 2015

14. August: Courchevel (Fr)

15. August: Einsiedeln

29./30. August: Hakuba (Jap)

5./6. September: Tschaikowski (Russ)

12./13. September: Almaty (Kas)

27. September: Hinzenbach (Ö)

Freut sich auf den Heim-Grand-Prix: Simon Ammann. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Freut sich auf den Heim-Grand-Prix: Simon Ammann. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Auch sie freuen sich auf das Springen in Einsiedeln: Pascal Kälin, Luca Egloff und Gregor Deschwanden (von links). (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Auch sie freuen sich auf das Springen in Einsiedeln: Pascal Kälin, Luca Egloff und Gregor Deschwanden (von links). (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Der Absprung will geübt sein. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)

Der Absprung will geübt sein. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)