SKI NORDISCH: «Fühle mich auf dem Wasser am besten»

Annalena Kuttenberger aus Luzern ist Kanutin und hat Ambitionen im Langlauf. Am Engadin-Skimarathon will die 24-Jährige ihre Bestzeit verbessern.

Claudio Zanini
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Will den Engadiner unter 2:29 Stunden absolvieren: die 24-jährige Kanutin Annalena Kuttenberger aus Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Will den Engadiner unter 2:29 Stunden absolvieren: die 24-jährige Kanutin Annalena Kuttenberger aus Luzern. (Bild Nadia Schärli)

Claudio Zanini

Annalena Kuttenberger übt diverse Sportarten aus – vorausgesetzt, diese finden draussen statt. Kanu, Langlauf, Ski, Biken, Rennvelo-Fahren, Joggen. Es scheint, als würde ihr der Umfang dieser Palette erst so richtig bewusst, weil ein Umzug bevorsteht. «Ich muss zuerst noch eine Wohnung finden, in der ich genügend Stauraum für die ganze Ausrüstung habe», sagt die 24-Jährige mit einem Schmunzeln.

Ihr Steckenpferd ist aber das Kanu, oder genauer gesagt: das Kajak. «Auf dem Wasser fühle ich mich eindeutig am besten.» Für das Kanufahren investiert die Luzernerin nach wie vor am meisten Zeit. Als Mitglied des Kanuclubs Nidwalden bestreitet sie nicht nur Wettkämpfe, sondern übernimmt auch administrative Aufgaben. Zudem wuchs sie in letzter Zeit immer mehr in die Trainerrolle hinein. Kuttenberger betreut den Nachwuchs der Nidwaldner und als Assistentin die Junioren-Nationalmannschaft, deren Mehrheit vom Kanuclub Nidwalden gestellt wird.

Logistische Probleme

Dem Coaching räumt Kuttenberger einen hohen Stellenwert ein. «Ich finde es schöner, wenn meine Junioren eine Medaille gewinnen, als wenn ich selbst einen Sieg einfahre.» Diese uneigennützige Art kauft man Kuttenberger ab. So scheut sie derzeit keinen Aufwand für die Vorbereitungen für die Junioren-WM, die im Sommer in den USA stattfindet. Denn die Boote nach Übersee zu verfrachten, ist nicht unkompliziert. «Wir haben uns entschieden, zusammen mit den Italienern die Kanus per Container zu transportieren, statt die Boote als Gepäck einzuchecken.» Diese finanziell günstigere Variante ist in sportlicher Hinsicht nicht ideal. «Da wir die Kanus früh nach Italien bringen müssen, können die Junioren ab Mai nicht mehr damit trainieren.»

Solche Probleme bringen die Frohnatur Kuttenberger nicht aus der Ruhe. Zu viel Leidenschaft steckt hinter ihrem Interesse am Kanufahren. Als 11-Jährige kam sie zwar rein zufällig auf die Wassersportart. «Eigentlich wollte ich in der Luzerner Sportwoche beim Segeln mitmachen, war aber drei Jahre zu jung für die Zulassung.» Also schnupperte sie als Notlösung beim Kanufahren – und blieb die letzten 14 Jahre dabei. Ihre Faszination hat bis heute nicht abgenommen: «Gerade Wildwasserabfahrten sind vom Gefühl her unbeschreiblich.» Ein anderes Fragezeichen steht hinter der Kombination Kanu-Langlauf – zwei Paar Schuhe für den Laien. Für Annalena Kuttenberger ist es ein und dasselbe. «Der Grossteil der Kanuten übt Langlauf als Ausgleichssport aus. Die Ansprüche an das eigene Gleichgewicht sind in beiden Sportarten sehr hoch.» Dass ein Kanute per se ein guter Langläufer sei, verneint sie aber. «Den Kanu fahrenden Langläufer erkennt man eindeutig daran, dass er zu viel mit den Armen und zu wenig mit den Beinen arbeitet», sagt es und imitiert einen Langläufer, der in einer Steigung heftig mit den Armen rudert.

Aufstieg in Elite C im Visier

Im Engadin startet die Luzernerin bereits zum dritten Mal. Ihre Bestzeit von 2013 in der Hauptklasse A will sie unbedingt verbessern. Die 42 Kilometer absolvierte sie damals knapp unter 2,5 Stunden. «Wenn es nochmals schneit und die Loipe langsam ist, wird es unmöglich. Beim Langlauf kann man vieles nicht beeinflussen.» Diese Machtlosigkeit erlebte Kuttenberger im letzten März, als sie rund 20 Minuten langsamer war als bei ihrer Premiere vor zwei Jahren. «Langfristig will ich versuchen, in die Elite C aufzusteigen.» Die vierthöchste Klasse ist für Kuttenberger «ein realistisches Ziel», wofür es aber noch einige Trainingskilometer braucht.

Am Donnerstag machte sich die Studentin der Betriebswirtschaft mit ihren Freunden auf den Weg nach Maloja. In unmittelbarer Nähe des Starts holt sich die Fünfergruppe vor dem morgigen Start die nötige Frische für den Marathon. Doch nur mit den Langlaufski reist Kuttenberger natürlich nicht an. Die Alpinski nimmt sie auch mit, in der Hoffnung, «vielleicht noch kurz» auf die Piste abschweifen zu können.

1462 Innerschweizer in Maloja am Start

cza. Der 2014 eingeführte Boxenstart hat sich bewährt. So startet der 47. Engandin-Skimarathon wie erstmals im Vorjahr nicht auf dem Silsersee, sondern am Ufer beim Hotel Palace. Unter den bisher 13 052 Gemeldeten (11 387 Marathon, 1665 Halbmarathon) befinden sich 1462 aus der Innerschweiz: Luzern (550), Nidwalden (100), Obwalden (122), Schwyz (277), Zug (304), Uri (109). Die Organisatoren rechnen mit 13 400 Anmeldungen. Der erste Block wird um 8.30 Uhr auf die 42 Kilometer lange Strecke von Maloja nach S-chanf geschickt.